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Der US-Präsident kennt keine Verbündeten

Donald Trump bekam am G-7-Gipfel das, was er betreibt: Isolation.

Eklat kurz vor der Abreise: Trump nennt Trudeau einen «sehr unehrenhaften und schwachen Gastgeber». Video: Tamedia/Reuters

Bündnispolitik gehorcht gerade einer seltsamen Arithmetik. Sieben plus eins ist nicht acht sondern sechs. Der US-Präsident möchte Russland wieder in die G-7 hineinbefördern, aber dieser typisch Trump'sche Erschütterungs-Vorschlag führte lediglich dazu, dass die Grundregeln der Mathematik geändert werden müssen. Die USA wollen Isolation, sie betreiben Isolation, sie bekommen Isolation. Die G-7 heissen nun G-6, die USA dürfen aber weiter vorbeischauen. Wie lange der Laden noch zusammenhält, ist fraglich.

Dieser Präsident macht keinen Unterschied zwischen Freund und Feind. Er kennt keine Verbündeten, er kennt nur sich. Das ist alles schon sehr oft beklagt worden, aber nun spürt der Club der West-Verbündeten der USA die praktischen Folgen sehr konkret.

Beispiel Handel: Trump verweigert Verhandlungen als das minimale Entgegenkommen, das man von einem Verbündeten erwarten darf. Er ist isoliert am Tisch, verschliesst sich aber jedem sachlichen Argument.

Zum Beispiel Russland: Der Ausschluss Moskaus aus der G-7 folgte ja einer Logik, auf der die gesamte Russland-Politik der EU, ja des Westens ruht. Man setzt Regeln (Unverletzbarkeit der Grenzen), die Regeln werden nicht eingehalten (Krim), also müssen Konsequenzen folgen (G-7-Ausschluss und Sanktionen), bis die Regeln wieder hergestellt sind. Trumps Überraschungsangriff zerstört diese Logik und treibt die Verbündeten zurecht in den Zorn.

Trudeau sei ein «sehr unehrenhafter und schwacher Gastgeber», sagte Trump...
Trudeau sei ein «sehr unehrenhafter und schwacher Gastgeber», sagte Trump...
Adam Scotti, Reuters
Völlig überraschend hat er seine Zustimmung zur Abschlusserklärung des G7-Gipfels wieder zurückgezogen.
Völlig überraschend hat er seine Zustimmung zur Abschlusserklärung des G7-Gipfels wieder zurückgezogen.
Christinne Muschi, Reuters
President Donald Trump speaks during a news conference at the G-7 summit, Saturday, June 9, 2018, in La Malbaie, Quebec, Canada.  (AP Photo/Evan Vucci) (AP Photo/Evan Vucci)
President Donald Trump speaks during a news conference at the G-7 summit, Saturday, June 9, 2018, in La Malbaie, Quebec, Canada. (AP Photo/Evan Vucci) (AP Photo/Evan Vucci)
Evan Vucci, Keystone
Die Abschlusserklärung ruft dazu auf, die WTO «zu modernisieren und so schnell wie möglich gerechter zu machen». (9. Juni 2018)
Die Abschlusserklärung ruft dazu auf, die WTO «zu modernisieren und so schnell wie möglich gerechter zu machen». (9. Juni 2018)
Leah Millis, Reuters
Der US-Präsident hatte die WTO als unfair für die USA beschrieben. Trump spricht mit Christine Lagarde, Direktorin des Internationalen Währungsfonds. (9. Juni 2018)
Der US-Präsident hatte die WTO als unfair für die USA beschrieben. Trump spricht mit Christine Lagarde, Direktorin des Internationalen Währungsfonds. (9. Juni 2018)
Eric Bolte/EPA, Keystone
Zwar wurde der Gipfel vom Streit um die Strafzölle belastet. Dennoch sprach der US-Präsident von einem «enorm erfolgreichen» Gipfel und lobte die «extrem produktiven Diskussionen».
Zwar wurde der Gipfel vom Streit um die Strafzölle belastet. Dennoch sprach der US-Präsident von einem «enorm erfolgreichen» Gipfel und lobte die «extrem produktiven Diskussionen».
Leon Neal/Getty, AFP
Donald Trump und Kanadas Premier Justin Trudeau lächeln fürs Gruppenfoto. (8. Juni 2018)
Donald Trump und Kanadas Premier Justin Trudeau lächeln fürs Gruppenfoto. (8. Juni 2018)
Yves Herman, Reuters
Angela Merkel und Donald Trump sprechen miteinander. Links der EU-Ratspräsident Donald Tusk, hinter Trump die britische Premierministerin Theresa May. An den Treffen nimmt auch die EU-Spitze teil.
Angela Merkel und Donald Trump sprechen miteinander. Links der EU-Ratspräsident Donald Tusk, hinter Trump die britische Premierministerin Theresa May. An den Treffen nimmt auch die EU-Spitze teil.
Yves Herman, Reuters
Gruppenfoto von La Malbaie (von links nach rechts): EU-Ratspräsident Donald Tusk, die Britische Premierministerin Theresa May, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, US-Präsident Donald Trump, der kanadische Premier Justin Trudeau, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der japanische Premire Shinzo Abe, der italienische Premierminister Giuseppe Conte und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.
Gruppenfoto von La Malbaie (von links nach rechts): EU-Ratspräsident Donald Tusk, die Britische Premierministerin Theresa May, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, US-Präsident Donald Trump, der kanadische Premier Justin Trudeau, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der japanische Premire Shinzo Abe, der italienische Premierminister Giuseppe Conte und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.
Leon Neal, AFP
Die Handschläge zwischen US-Präsident Donald Trump und Frankeichs Präsident Emmanuel Macron machten erneut Schlagzeilen. Das Bild zeigt den weissen Abdruck von Macrons Daumen auf Trumps geröteter Hand.
Die Handschläge zwischen US-Präsident Donald Trump und Frankeichs Präsident Emmanuel Macron machten erneut Schlagzeilen. Das Bild zeigt den weissen Abdruck von Macrons Daumen auf Trumps geröteter Hand.
Leah Millis, Reuters
Donald Trump nimmt Süssgras als Willkommensgeschenk entgegen.
Donald Trump nimmt Süssgras als Willkommensgeschenk entgegen.
Leah Millis, Reuters
EU-Ratspräsident Donald Tusk erklärte kurz vor Beginn des Gipfeltreffens im kanadischen La Malbaie, das Verhalten des US-Präsidenten bereite ihm «grosse Sorge». (8. Juni 2018)
EU-Ratspräsident Donald Tusk erklärte kurz vor Beginn des Gipfeltreffens im kanadischen La Malbaie, das Verhalten des US-Präsidenten bereite ihm «grosse Sorge». (8. Juni 2018)
Andrew Vaughan/AP, Keystone
Donald Trump vor den Medien in Quebec. (8. Juni 2018)
Donald Trump vor den Medien in Quebec. (8. Juni 2018)
Manuel Balce Ceneta/AP, Keystone
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Regel, Bedingung, Konsequenz: Das ist die klassische Handlungs-Sequenz in einer Staatengemeinschaft, die aus gemeinsamen Regeln Stärke bezieht. Nur Willkürregime folgen keinen Regeln, sie setzen sie nach Bedarf. Dieser Unterschied hat immer die Attraktivität des Westens ausgemacht.

Donald Trump ignoriert nun die Regeln, die Kette bricht, die USA setzen das Signal, dass jeder tun und lassen kann, was er für richtig hält. Der Stärkere wird schon gewinnen. Die neue italienische Regierung unter Giuseppe Conte geriet sofort in Versuchung und durfte dann den Mechanismus im Praxistest erleben.

Conte twitterte fröhlich im Einklang mit Trump zugunsten der Rückkehr Russlands, bis ihm die EU-Staaten in der G-7 wohl klar machten, dass sie anderer Meinung seien und diese Solonummer in Sachen Russland Konsequenzen für Italien haben dürfte. Conte durfte entscheiden, wer aus seiner Sicht der wichtigere Partner ist: die EU oder die USA.

Sind die G-7 überflüssig geworden?

Der fröhliche Bildungsbürger Emmanuel Macron zitierte Bismarck, der allen Zuschauern riet, einfach nur die Würste zu geniessen. Einen Blick in die Küche des Metzgers solle man aber besser nicht riskieren. So muss man sich das G-7-Treffen vorstellen: eine blutige Metzgerküche. Es geht um viel: Die Zukunft von Wachstum und Arbeitsplätzen unter dem Druck von Handelssanktionen, die Geschlossenheit und damit Unangreifbarkeit des Westens, das Wertegerüst, mit dem man in der Welt Massstäbe setzt. Donald Trump ist ein erbärmlicher Metzgergeselle, weil er die Zutaten für eine gute Wurst nicht kennt und weil er den Blick in die Küche ermöglicht.

Sind die G-7 also überflüssig geworden? Nicht ganz so schnell. So lange Trump kommt, kann man ihm immer noch eine Lektion in Sachen Geschlossenheit erteilen. Diese Begegnung auf Augenhöhe ist elementar für Staatenlenker, besonders für einen Halbgott wie Trump, der im Weissen Haus keinen Widerspruch mehr erhält und sich eben mal locker über das Gesetz stellt, wenn er etwa glaubt, sich jederzeit selbst begnadigen zu können.

Zweitens sind Treffen dieser Art immer noch die beste Option, die Trump-Masche zu durchkreuzen. Der Präsident droht stets mit grösstmöglichem Chaos, zieht dann zurück und behauptet anschliessend, er habe etwas erreicht. So treibt er es mit Iran, dessen Regime nach Aufkündigung des Nuklearabkommens angeblich sein Verhalten geändert habe (hat es nicht), so ist es teilweise im Handelsstreit mit China (wo Trump seltsame Ausnahmen in der Strafpolitik ermöglicht), so wird es am Dienstag mit Kim Jong-un sein, der angeblich nuklear komplett abrüsten will (aber bisher nur ein Burger-Restaurant im Land eröffnet hat).

Manchmal blufft Trump nur, manchmal reagiert er wahnwitzig gefährlich, immer spaltet er. Freunde werden zu Feinden und Feinde vermeintlich zu Freunden. Mit diesem Präsidenten ist kein Bund zu schliessen. Man wird ihn aushalten müssen.

Video – Trump verlässt G7-Gipfel

Der US-Präsident reiste vorzeitig Richtung Singapur ab. Video: Tamedia/AP

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