Die Sklavenhalterin

Die deutsche IS-Kämpferin Jennifer W. soll ein fünfjähriges Mädchen verdurstet haben lassen. Die Mutter musste zusehen, wie ihr Kind starb.

Vor Gericht: Die 27-jährige Jennifer W. am 9. April während des Prozesses in München. Foto: Getty Images

Vor Gericht: Die 27-jährige Jennifer W. am 9. April während des Prozesses in München. Foto: Getty Images

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Sie trug ein pinkfarbenes Kleid und kleine, rote Schuhe. In diesen Schuhen stand sie im Hof, an ein Gitterfenster gekettet. Eine Fünfjährige, in der sengenden Sonne des Iraks, bei 45 Grad. «Mama», krächzte das kleine Mädchen. Bewegen konnte sie sich nicht. Ihre Hände waren mit Handschellen über Kreuz an das Fenster gekettet. Dieses Bild, ihr kleines Mädchen in einem rosa Kleid -, das ist die letzte Erinnerung der Mutter an ihre lebende Tochter.

Ihr Kind ist verdurstet. Und die Mutter durfte ihm nicht helfen. Sie, die Sklavin, musste zuvor selbst in der sengenden Sonne ausharren und wäre fast verdurstet, sie sagt, elf Stunden lang. Erst dann liessen ihre Sklavenhalter sie wieder ins Haus; ein Kämpfer der Terrororganisation «Islamischer Staat» und seine deutsche Frau. Dann holte sich der Mann die Tochter.

Ihr sei das Herz stehen geblieben, sagte die Mutter zwei Jahre später einer Hilfsorganisation, nachdem sie wieder in Freiheit war. Mama, röchelte die Tochter. Dann sagte sie nichts mehr. Und die Mutter stand am Fenster und traute sich nicht raus aus Angst vor ihrem Peiniger, aus Schwäche nach der Hitze-Folter. Eine halbe Stunde dauerte die Qual. Sie habe sich die Haare ausgerissen vor Kummer und hatte nur Kraft für ein Stossgebet. «Hoffentlich wird Gott ihnen das zurückgeben, hoffentlich werden sie für ihre Taten bestraft.»

Schon in Deutschland fiel die Frau auf. Sie lief mit einer Tasche herum, auf der «Märtyrerin» stand.

Nun ist es vermutlich so weit. Der IS-Kämpfer, der das kleine Mädchen verdursten liess, lebt noch im türkisch-irakischen Grenzgebiet. Aber seine Frau ist nach Deutschland zurückgekehrt. Und sie steht seit letztem Dienstag vor dem Oberlandesgericht München. Die Frau, die mitbekam, wie ihr Mann das Kind ankettete, die ihm noch sagte, es werde verdursten, und die offenbar doch nichts dagegen unternommen haben soll.

Die Bundesanwaltschaft wirft der Frau Mord durch Unterlassen vor. Dazu Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Verstoss gegen das Kriegswaffengesetz. Denn die Deutsche soll auch für die Tugendpolizei des IS gearbeitet haben, sie soll mit einer Pistole und einer Kalaschnikow patrouilliert und Frauen Angst eingejagt haben, die nicht streng verhüllt waren.

Jennifer W., 27 Jahre alt, aufgewachsen in einem überschaubaren Städtchen in Norddeutschland, evangelisch getauft mit 14. Sie wohnte mit ihrer Mutter gleich hinter einem Bahndamm, in einem hübschen Haus mit Garten. Erst ging sie ins Gymnasium, dann in die Realschule, nach der achten Klasse war Schluss. Statt sich um eine Lehrstelle zu kümmern, um irgendeine Ausbildung, hing Jennifer nur rum. Und sie wandte sich immer mehr dem Islam zu. Mit 17 bestand sie darauf, ein Kopftuch zu tragen. Erst wollte sie für die kurdische PKK kämpfen, dann begann sie sich voll zu verschleiern, sodass sie nur noch durch einen Sehschlitz blicken konnte. 2013 konvertierte sie zum Islam. Tief verschleiert lief sie durch die 26'000-Einwohner-Stadt.

Einmal alarmierte ein syrischer Flüchtling seine Betreuer, als er Jennifer W. dort auf der Strasse sah: Sie trug eine Tasche mit der arabischen Aufschrift «Märtyrerin». Dann, im August 2014, reist Jennifer W. nach Syrien. Sie wollte im Kalifat des IS leben. Ein Leben, das – so sagte sie in einem Chat mit Gleichgesinnten – ihr viel einfacher erschien als in Deutschland.

Als er sagte: «Ich hole mir eine andere Frau», wurde sie weitergereicht an einen Mann namens Abu Maawi.

Ein Leben, das für andere Frauen die Hölle war. Für die Tausenden Jesidinnen, die nach dem Sturm des IS auf das nordirakische Sindschar-Gebirge im August 2014 verschleppt, getötet und vergewaltigt wurden. Oder versklavt.

Während Jennifer W. freiwillig nach Syrien zum IS reiste, wurde Nora B. mit vorgehaltener Pistole dorthin gezwungen. Die Jesidin war mit ihrer Familie ins Sindschar-Gebirge geflohen, doch der IS entdeckte sie. Die Familie wurde auseinandergerissen, Nora B. von ihren beiden Söhnen getrennt, nur das kleine Mädchen liess man ihr. Wo die beiden Jungen leben, ob sie noch leben, weiss sie nicht.

Auch ihre Schwägerinnen wurden von den Familien getrennt und alle jungen Frauen – selbst Kinder, schon ab zwölf Jahren. Sie waren die Kriegsbeute der IS-Kämpfer oder Arbeitssklavinnen für deren Frauen. So erging es auch Nora B. und ihrer kleinen Tochter.

Nora B. lebt mittlerweile in Deutschland, sie hat hier Verwandte, auch sie sind vor dem IS geflüchtet. Und sie hat bei ihrer Vernehmung durch die Bundesanwaltschaft erzählt, wie es ihr erging als Sklavin. Es ist der Blick in ein Leben ohne Rechte, ohne Menschlichkeit, unterworfen der Willkür ihrer Besitzer. Ein Leben, in dem Nora B. immer wieder weiterverkauft wurde, von einem IS-Mann zum nächsten. Benutzt und entsorgt wie schmutzige Kleidung. Drei Jahre war Nora B. in Gefangenschaft, bei fünf, sechs, sieben verschiedenen Männern musste sie waschen, putzen und zu Diensten sein. Auch nachts. Einer vergewaltigte sie jeden Tag. Ein anderer nur, wenn seine Frau einkaufen war. Und dann, als er sagte: «Ich hole mir eine andere Frau», wurde sie weitergereicht an einen Mann namens Abu Maawi.

Die kleine Tochter durfte nicht raus

Dieser Mann leitete nach Ermittlungen der Bundesanwaltschaft das Büro für Geisteraustreibungen des IS in Raqqa. Er hatte Zutritt zum Frauenhaus, wo die Neuankömmlinge, die zum IS wollten, warteten. Dort lernte Abu Maawi auch Jennifer W. aus Deutschland kennen. Sie heirateten nach islamischem Recht, zogen nach Falludscha, seine Sklavin Nora B. und ihr kleines Mädchen nahm er mit.

Das Haus, in dem sie wohnten, hatte einen Hof, ein Wohnzimmer, ein Schlafzimmer, eine Küche, ein Bad. Nora B.s Tochter durfte nicht raus, nicht auf den Hof, nicht auf die Strasse. Also lief sie durchs Haus. Das aber störte das junge IS-Paar. Einmal drückte die Kleine abends auf die Tür zum Schlafzimmer. Sofort wurde sie bestraft. Einmal war sie zu laut. Da wurde sie einem anderen IS-Mann mitgegeben, die Mutter wartete verzweifelt, ob sie wiederkam. Sie sei viel zu wild, beschwerte sich das junge Paar. Aber sie müsse ja auch immer im Haus bleiben, antwortete die Mutter.

Einmal sperrte Abu Maawi Mutter und Tochter ins Bad ein, und als sie Waschmittel nahm, um die Wäsche von ihr und ihrer Tochter zu waschen, bestrafte der Sklavenhalter sie: Sie musste eine halbe Stunde mit nackten Füssen im heissen Hof stehen. Einmal fiel ein Glas auf den Boden, da rastete Abu Maawi aus. Er trieb die Mutter in die Ecke, ging auf sie los, schlug sie grün und blau. Vor lauter Angst machte sie sich in die Hose. So hat sie das den deutschen Ermittlern erzählt. Und ihre Tochter? Stand wie versteinert im Zimmer, unfähig sich zu bewegen.

Sie will vergessen, nur vergessen

Das Kind war abgemagert. Es gab fast nichts zu essen, meist trockene Brötchen. Mal einen Teller Nudeln. Nora B. ass nichts, erzählt sie, sie gab alles ihrem Kind. Das Kind war dem Herrn ein Dorn im Auge. Die Mutter durfte es nicht tragen, selbst auf weiten Wegen. Es war Ramadan, Fastenzeit, Betzeit. Und natürlich musste auch das kleine Mädchen beten. Er weckte sie morgens um sechs Uhr. Müde wie es war schaffte das Kind es nicht, den Kopf so zu senken, wie es sich beim Gebet gehört. Abu Maawi habe sie mit der flachen Hand auf den Hinterkopf geschlagen, erzählt die Mutter. Beim Abendgebet sollte sie wieder in der Verbeugung verharren. Und er drohte: Rania, wenn du aufstehst, töte ich dich. Bei jedem Gebet drohte er wieder: Wenn du dich hoch beugst, töte ich dich. Dann hat er sie geschlagen. Immer wieder. Die Mutter flehte den Sklavenhalter an: Verkauf uns doch!

Nora B. hat noch immer Schmerzen von ihrer Zeit beim IS. Sie wurde geschlagen, mit den Fäusten, aufs Auge, mit dem Schrubber. Sie wurde mitten im Bombenangriff aufs Dach geschickt, weil sie eine Ungläubige sei. Und selbst ihre Tochter durfte nicht so heissen, wie sie hiess: Reda Saido. Rania nannten sie der IS-Mann und seine Frau. Denn Reda Saido sei der Name der Ungläubigen. Mutter und Tochter mussten in der Küche schlafen, später in einem Verschlag. Und dann machte die Kleine ins Bett. Das war ihr Todesurteil.

Die Mutter des Kindes erzählt, Jennifer W. habe geweint – nicht um das Mädchen, sondern um sich.

Die Bundesanwaltschaft wirft Jennifer W. vor, durch Unterlassen den Tod des Mädchens herbeigeführt zu haben. Sie habe erkannt, dass das Kind verdursten werde, sei aber nicht eingeschritten, obwohl es ihr möglich und zumutbar gewesen wäre. Erst als es schon zu spät war, so berichtet Nora B., habe die Herrin ein Glas Wasser geholt. Aber da konnte die Kleine nicht mehr trinken. Und Nora B. berichtet noch etwas: Ihre Herrin Jennifer W. habe ihr danach eine Pistole an die Stirn gehalten und ihr gedroht, sie werde sie erschiessen, wenn sie sich nicht anständig benehme. Und sie erzählt, Jennifer W. habe geweint – aber nicht um das Kind. Sondern weil sie Angst hatte, dass sie nun Probleme bekommen.

Die bekamen sie auch. Selbst im IS-Staat scheint diese Tat geahndet worden zu sein. Es gab eine Gerichtsverhandlung. Man hat Abu Maawi zur Strafe die Haare geschnitten und den Bart. Und ihn auch geschlagen, als die Mutter des getöteten Mädchens erzählte, wie es ihr und der Tochter ergangen war. Dass sie nichts zu essen bekamen und sich nicht waschen konnten. Obwohl die Sklavinnen rechtlos waren, gab es auch im islamischen Unrechtsstaat gewisse Regeln, wie man mit ihnen umzugehen hatte. Abu Maawi wurde verbannt aus Falludscha, er setzte sich in die Türkei zu Verwandten ab. Seine Frau Jennifer W. kam mit ihm. Und Nora B., die Mutter des Mädchens? Wurde weiterverkauft an andere IS-Männer.

Man kann nicht sicher sagen, ob alles stimmt, was Nora B. von ihrer Zeit im Haushalt von Abu Maawi und Jennifer W. berichtet. Mal sagt sie, es habe keine Waffen im Haus gegeben, dann, dass Jennifer W. eine Pistole in einem Halfter über der Schulter trug. Nora B. ist psychisch erkrankt, sie entschuldigt sich bei der Vernehmung, dass sie manchmal undeutlich spricht. Ihre Zähne sind beschädigt – vom vielen Schlagen. Sie entschuldigt sich, dass sie sich nicht erinnert, sie will vergessen, nur vergessen. Und sie erkennt auf den Fotos, die man ihr von Jennifer W. zeigt, die Angeklagte nicht. Auch nicht Abu Maawi, ihren Peiniger.

W. hat selbst ein Kind bekommen, in Deutschland, mit ihm wollte sie zurück zum IS nach Syrien.

Man weiss nur: Auch Jennifer W. sprach vom Tod der Fünfjährigen in ihrem Haus, in jenem heissen Sommer in Falludscha. Auch sie erzählte einem Vertrauten, dass ihr Mann das Kind ankettete und verdursten liess. Auch sie berichtete – wie Nora B. – davon, dass ihr Mann nach dem Tod des Kindes vor Gericht gestellt und geschlagen worden sei. Man weiss das, weil das Auto verwanzt war, in dem sie all das preisgab. Und sie überlegte auch, ob sie nicht einen Auftragsmörder auf ihren Mann Abu Maawi ansetzen sollte, bevor er ihr das gemeinsame Kind wegnimmt. Denn Jennifer W. war in dem Sommer, in dem die kleine Rania starb, schwanger geworden.

Sie brachte ihr Kind in Deutschland zur Welt, eine Tochter. Ihre Oma kümmert sich um sie.

Die Oma wohnt in einem kleinen Haus. Ein schöner, sehr gepflegter Garten, frisch gepflanzt, Ostereier hängen in einem Busch. Es gibt ein grosses Trampolin. Im Vorgarten sitzt das kleine Mädchen auf einer Schaukel und juchzt, während es von einer Frau angeschubst wird. Das Kind hat schwarze Haare und dunkle Augenbrauen. Es trägt einen rosa Anorak und lose Zöpfe. Wenig später spielen die Frau und das Kind Fangen. «Nicht so schnell Oma», ruft das Mädchen. Es ist das Kind von Jennifer W. und ihrem Mann Abu Maawi, den die Bundesanwaltschaft unter seinem echten Namen Taha Sabah Noori Al-J. verfolgt.

Ein drei Jahre altes juchzendes Mädchen in einem rosa Anorak in Deutschland, ein verdurstetes fünf Jahre altes Mädchen in einem rosa Kleid in Falludscha.

Doch Jennifer W. wollte mit ihrer kleinen Tochter wieder zurück in den Irak oder nach Syrien. Sie wollte sie mitnehmen zum IS, zu ihren «Brüdern». Sie hatte nach ihrer Rückkehr nach Deutschland engen Kontakt zu Islamisten gehalten, hatte Geld für die Unterstützung von Inhaftierten gesammelt, hatte sich in Chats gebrüstet. Ihr Kampfname war Sahida Al Gariba, das heisst: die Märtyrerin aus der fremden Familie.

Als sie ins Auto stieg, um über Griechenland und die Türkei wieder zum IS zu gelangen, erzählte sie dem Fahrer angeblich, wie sie 2014/2015 als Mitglied der Tugendpolizei «Hisba» mit einer Kalaschnikow über der Schulter durch Falludscha patrouilliert sei, um zu überwachen, ob die anderen Frauen ordentlich verschleiert seien. Und wie viel Angst die Irakerinnen vor ihr gehabt hätten. Ihr Frankfurter Anwalt Ali Aydin sagt, das seien alles Übertreibungen. «Es gibt keine belastbaren Anhaltspunkte, dass meine Mandantin bei der ‹Hisba› gewesen ist.» Zu der Sache mit dem verdursteten Mädchen sagt er nichts.

Die Anklage wurde erweitert: auf Beteiligung an Kriegsverbrechen und Sklavenhaltung.

Am 29. Juni 2018 war Jennifer W. dann hoffnungsvoll unterwegs, von Deutschland zurück in Richtung IS. Ihr Fahrer aber war nicht einer ihrer «Brüder», sondern ein Vertrauensmann der Polizei. Die schnitt jedes Wort, das Jennifer sagte, mit. Die Polizei nahm sie am Rande der Autobahn fest. Ihre Tochter war auf dem Kindersitz auf der Rückbank angeschnallt.

Sie wollte zurück. Unbedingt. Schon ihrer Mutter hatte sie aus Syrien geschrieben, dass sie dort hingehöre – auch wenn die Mutter das nicht verstehe. Und auch später sagte sie, das Leben beim IS sei das Beste gewesen für sie – trotz Bomben, trotz fehlenden Stroms, trotz der Hitze. Und trotz des verdursteten Mädchens, das vor ihren Augen gestorben war. Auf ihrem Facebook-Profil hatte sie schon früher gepostet, sie sei in Märtyrer-Laune. So wie andere sich mit dem neuesten Schleier kleideten, so kleide sie sich mit Sprengstoffgürtel und Handgranaten. Für die Bundesanwaltschaft ist Jennifer W. noch immer tief in der radikal-dschihadistischen Szene verwurzelt.

Für ihren Verteidiger Ali Aydin wird der Prozess keine leichte Aufgabe. Bisher gab es nur die Aussage von Jennifer W. im Auto, wonach ihr Mann das kleine Mädchen habe verdursten lassen. Das war vage. Nun gibt es die Aussage der Mutter dieses Mädchens. Und plötzlich wird vieles konkreter. Erst Ende März wurde die Frau von der Bundesanwaltschaft vernommen. Die hat jetzt die Anklage ausgeweitet, auf Beteiligung an Kriegsverbrechen und Sklavenhaltung. Nora B., die Mutter des verdursteten Mädchens, soll als Zeugin vor Gericht in München gehört werden. Sie wird von der Kanzlei der Menschenrechtsanwältin Amal Clooney vertreten und von der Berliner Anwältin Natalie von Wistinghausen.

Nora B. hat in ihrer Vernehmung auch davon erzählt, wie sie Jennifer W. gefragt hat, warum sie in den Irak gegangen sei. Hierhin, wo es doch so schlimm sei. Und Jennifer W. habe ihr gesagt, für sie sei das ganz okay.

Ihr Leben spielte sich im Internet ab

In Lohne, der Heimatstadt von Jennifer W., läuft gerade eine Ausstellung im Industriemuseum am Bahnhof zu «Heiraten in aller Welt», es sind Braut- und Bräutigamkleidung ausgestellt, auch goldverzierte traditionelle Kleider aus Syrien. Die Ausstellung wurde gemeinsam mit dem «Runden Tisch Lohne» konzipiert, Migranten stellen in Lohne ihre Hochzeitstraditionen vor. Insgesamt laufe die Integration hier sehr gut, erzählt die Vorsitzende Ursula grosse Holthaus. Seit den Neunzigerjahren, seit den rechtsradikalen Anschlägen von Mölln und Solingen, gibt es den runden Tisch. Später organisierte sie Lesepatenschaften für Flüchtlingskinder.

Ursula grosse Holthaus ist Jennifer W. einmal zufällig beim Bürgeramt begegnet. Jennifer W. und ihre Tochter sassen zufällig neben ihr, erzählt sie. Jennifer W. sei verschleiert, aber das Gesicht sei frei gewesen. Sie habe sie als sehr freundlich in Erinnerung. Danach habe man ihr beim Amt zugeflüstert, man habe die junge Frau einbestellt, weil man Meldungen erhalten hatte, sie sei beim IS gewesen. Doch niemandem war Jennifer W. vorher aufgefallen – nicht ihren Lehrerinnen, nicht den Muslimen in der Moschee. Ihr Leben spielte sich im Internet ab. Und später in einem Haus mit Hof in Falludscha.

Erstellt: 12.04.2019, 18:21 Uhr

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