Zum Hauptinhalt springen

Apokalyptische Szenen im Tsunami-Gebiet

Fischerboote, die auf überfluteten Strassen durch die Stadt treiben, brennende Autos, dichte Rauchwolken - erste Bilder aus dem Erdbebengebiet in Nordjapan zeigen verheerende Verwüstungen.

Die Reaktoren liegen grösstenteils noch offen: Mike Weightman der Untersuchungsleiter der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)  im AKW-Fukushima. (27. Mai 2011)
Die Reaktoren liegen grösstenteils noch offen: Mike Weightman der Untersuchungsleiter der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) im AKW-Fukushima. (27. Mai 2011)
Keystone
Arbeit unter Hochdruck: Arbeiter im Reaktor 1. (10. Mai 2011)
Arbeit unter Hochdruck: Arbeiter im Reaktor 1. (10. Mai 2011)
Keystone
Neue Schreckensmeldung: Das Wasser vor dem Kraftwerk ist noch stärker radioaktiv verseucht. ( 8. April 2011)
Neue Schreckensmeldung: Das Wasser vor dem Kraftwerk ist noch stärker radioaktiv verseucht. ( 8. April 2011)
Reuters
1 / 15

Die Regierung in Tokio hat Soldaten in die Region geschickt, die der Bevölkerung helfen sollen. «Wir werden unser Möglichstes tun», sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Und Ministerpräsident Naoto Kan erklärte: «Das Erdbeben hat in weiten Teilen Nordjapans grosse Schäden angerichtet.»

Es ist das schwerste Erdbeben in der Geschichte Japans, das am Freitag eine riesige Tsunamiwelle auslöst: Eine Wand aus Wasser trifft die Insel Honshu, reisst ganze Häuser mit, verwüstet Hafengegenden. Die Wassermassen drücken Küstenbegrenzungen ein, verschlingen Landstriche, ein reissender Fluss voller Trümmer schiesst über Städte und über Felder hinweg.

10 Meter hohe Monsterwelle

Die apokalyptischen Szenen gleichen den Bildern der Verwüstung nach dem Tsunami 2004 im Indischen Ozean. Auch die Hauptstadt Tokio bekam das Beben zu spüren, aber es sind vor allem die japanischen Küstenregionen, die mit den Auswirkungen der bis zu zehn Meter hohen Monsterwelle zu kämpfen haben.

«Ich habe so etwas noch nie gesehen», sagt Ken Hoshi, ein örtlicher Regierungsbeamter in der Hafenstadt Ishinomaki in der besonders schwer getroffenen Präfektur Miyagi. «Das Wasser kam bis zur Bahnstation.»

Diese liege hunderte Meter von der Küste entfernt, berichtet der 41-Jährige, während sich seine Stadt in ein Überflutungsgebiet verwandelt. Zudem sei er besorgt, weil er seine Familie nicht erreichen könne. «Weil es meine Pflicht ist, muss ich die Nacht hier verbringen», sagt Hoshi.

In der Präfektur Ibaraki im Grossraum Tokio treiben Häuser durch die Stadt, anderswo schwimmen Autos in den Fluten. Ein Knabe wird von den Wassermassen mitgerissen, ein 77-Jähriger kommt beim Einsturz einer Mauer ums Leben, eine ältere Frau wird unter einem Dach begraben - die Befürchtungen wachsen, dass die Zahl der Opfer noch weit über die mehreren Dutzend Toten hinausgeht, von denen bislang berichtet wurde.

Feuer in Atomkraftwerk

Das Erdbeben hat Krater in die Strassen gerissen, Dohlendeckel und die darunterliegenden Rohre wie Türme aus dem Boden gedrückt. Weil auch Gasleitungen getroffen wurden, bricht hier und da Feuer aus. In der Präfektur Chiba bei Tokio steht eine Ölraffinerie in Flammen - beissender Rauch steigt auf.

Im Nordosten brennt das Turbinengebäude eines Atomkraftwerks, in der gleichen Region wird angeordnet, dass 2000 Anwohner einer anderen Atomanlage das Gebiet verlassen müssen. Immer wieder wird das Land von Nachbeben erschüttert, die Armee schickt Truppen in die Katastrophengebiete.

Während es auch in Tokio Tote und Verletzte gibt, kämpfen die Menschen in der Hauptstadt aber vor allem mit der Frage, wie sie nach Hause kommen sollen, nachdem das Mega-Beben der Stärke 8,9 das U-Bahn-System lahm gelegt hat. Nachdem der Erdstoss Bürotürme ins Wanken brachte und Berufstätige die Gebäude verliessen, finden sich jetzt viele in der Stadt gestrandet.

Die Stadt als Dampfer

Augenzeugen berichten aus Tokio von dramatischen Szenen. Es habe sich angefühlt wie auf einem «grossen Dampfer im Sturm», berichtete der Schweizer Unternehmer Oliver Reichenstein am Freitag der deutschen Nachrichtenagentur dpa in einem Telefon-Interview. «Es dauert nur kurz, aber es kommt einem ewig vor, wie eine Stunde.»

Reichenstein ist seit acht Jahren regelmässig in Japan und daher Erdbeben gewöhnt: «Wir haben jeden Monat ein oder zwei.» Er habe aber schnell gespürt, dass die Schockwellen dieses Mal stärker seien als sonst - «diese Dimension» habe er noch nicht erlebt.

SDA/lcv

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch