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Japan plant Gartenstadt für Fukushima-Flüchtlinge

Eine sozialistische Idee aus Europa soll jenen Japanern helfen, die wegen des AKW Fukushima ihre Heimat verlassen mussten: Die Regierung plant offenbar eine Gartenstadt nach europäischem Vorbild.

Weil die Strahlung aus dem havarierten AKW Fukushima ihre Gesundheit gefährdet, mussten Zehntausende Menschen in der Nähe des Kraftwerks ihre Häuser verlassen. Sie schlafen in Notunterkünften wie Schulen und Turnhallen, einige von ihnen schon seit über einem Monat.

Jetzt erwägt die japanische Regierung offenbar, eine neue Stadt für rund 100'000 Menschen zu bauen, wie verschiedene deutsche Medien mit Verweis auf die Nachrichtenagentur Kyodo melden. Diese hatte Regierungsberater Kenichi Matsumoto zitiert. Als Inspiration solle das Modell der Gartenstadt dienen – eine sozialpolitische Idee, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts besonders in Deutschland für Begeisterung sorgte.

Die Gartenstädte waren gemeinschaftlich verwalteter Lebensraum. Nach der Idee des Briten Ebenezer Howard sollten sich künftige Anwohner in einer Genossenschaft zusammentun, den Boden gemeinsam besitzen und allen Mitgliedern ein lebenslanges Mietrecht einräumen. Was die Gartenstadt überdies auszeichnen sollte, war ein bestimmter architektonischer Aufbau: Die verschiedenen Lebensbereiche der Gartenstadt sollten konzentrisch aufgebaut sein. In der Mitte sollte ein Park liegen, auf einem nächsten Ring Wohngebäude, durchzogen von einer Grand Avenue, an der Schulen und Freizeitanlagen liegen würden. In einem weiteren Ring sollten die Arbeitsplätze liegen – alles grosszügig aufgelockert mit Grünflächen – und ganz aussen als Satelliten weitere Wohnsiedlungen.

Geschützt vor der Willkür von Bodenspekulanten

Howard hatte seine ab 1898 veröffentlichten Schriften unter dem Eindruck der industriellen Verwahrlosung in Grossbritannien geschrieben. Die Arbeiter sollten aus den überfüllten und verschmutzten Grossstädten hinaus in Gartenvorstädte ziehen können, geschützt vor der Willkür von Bodenspekulanten. Bis heute finden sich in verschiedenen deutschen Städten Viertel mit dem Namen Gartenstadt – viele waren einst Vorstädte. Bekannt sind etwa die erste deutsche Gartenstadt Marga sowie Hellerau in Dresden.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts verlor sich zunehmend der gemeinwirtschaftliche Gedanke hinter dem Begriff Gartenstadt – als Gartenstädte werden seither oft auch Quartiere bezeichnet, die rein architektonisch Grünflächen und Wohngebäude durchmischen. Auch ähnlich aufgebaute Viertel etwa in Hamburg (Marienthal) oder Berlin (Grunewald), die als Rückzugsorte für das Bürgertum konstruiert wurden, werden oft – im Grunde fälschlicherweise – als Gartenstädte bezeichnet.

Ob die japanische Regierung also tatsächlich eine genossenschaftlich verwaltete Stadt plant oder lediglich eine Siedlung mit vielen Parkanlagen, ist offen. Auch unklar ist, wo der Lebensraum entstehen soll. Premierminister Naoto Kan habe jedoch bereits einen Standort im Kopf, sagte Berater Matsumoto gegenüber Kyodo.

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