Zum Hauptinhalt springen

Die Republikaner wetzen die Messer

John McCain versucht, die drohende Niederlage mit einer Schmutzkampagne abzuwenden. Der Demokrat Barack Obama soll mit einer Welle negativer Fernsehspots abgefangen und besiegt werden.

Geschockt durch trudelnde Umfragewerte möchte das republikanische Kandidatengespann John McCain und Sarah Palin in der letzten Phase des Präsidentschaftswahlkampfs nun besonders aggressive Töne anschlagen: In einer mehrwöchigen Kampagne im Fernsehen will das republikanische Lager den demokratischen Kandidaten Barack Obama persönlich angreifen und dadurch unwählbar machen.

Nach der zweiten Debatte zwischen McCain und Obama am Dienstag in Nashville, Tennessee, möchte Senator McCain durch eine Salve negativer TV-Spots wieder die Oberhand gewinnen – und dabei das Thema wechseln: Statt kriselnder Konjunktur und der Misere der Kreditwirtschaft soll nun die Person des demokratischen Präsidentschaftskandidaten in den Mittelpunkt des Wahlkampfes gerückt werden, um so den für McCain ungünstigen Trend des Wahlkampfs zu ändern.

Führende Republikaner in Washington haben hinter den Kulissen am Wochenende die Befürchtung geäussert, die Partei werde nicht nur das Weisse Haus verlieren, sondern eine epochale Schlappe bei den Kongresswahlen hinnehmen müssen, falls es Senator McCain nicht gelinge, das Blatt in den verbleibenden vier Wochen zu wenden. «Wir wollen diese Finanzkrise hinter uns bringen, um wieder Mr. Obamas liberale, aggressiv liberale politische Einstellung zu diskutieren und zu zeigen, wie riskant das für die Amerikaner ist», kündigte McCains Berater Greg Strimple an. Insbesondere will das republikanische Team die Verbindungen Barack Obamas zu dem wegen Geldwäscherei zu einer Gefängnisstrafe verurteilten Immobilienhai Tony Rezko sowie dem früheren Linksradikalen Bill Ayers beleuchten, einem ehemaligen Mitglied des für seine Bombenanschläge in den Sechzigerjahren bekannten Weather Underground.

Obamas Team schlägt zurück

Die republikanische Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin hat Obama am Wochenende in diesem Zusammenhang mehrmals bezichtigt, ein «Kumpel von Terroristen» gewesen zu sein. Ayers war wegen eines Bombenanschlags angeklagt worden, doch platzte der Prozess gegen ihn wegen Verfahrensfehlern. Er lehrt heute als Pädagogikprofessor in Chicago, wo Obama ihn traf, als beide im Aufsichtsrat einer gemeinnützigen Stiftung sassen. Nach Aussagen von Freunden und Bekannten von Ayers und Obama war die Verbindung der beiden nur oberflächlich, Rezko hingegen spendete grosse Summen für Obamas Wahlkämpfe.

Der Stab des demokratischen Kandidaten schaltete vorsorglich bereits einen Spot, in dem Senator McCain beschuldigt wird, die Finanzkrise durch «unehrenhafte Attacken auf Barack Obama» ausblenden zu wollen. Obamas Kommunikationsdirektor Robert Gibbs betonte, man habe keine Angst vor einem raubeinigen Wahlkampf. «Das ist nicht 1988, und das Land wird sich nicht durch Triviales ablenken lassen», so Gibbs. Beim Präsidentschaftswahlkampf 1988 war es den Republikanern durch eine Schmutzkampagne historischen Ausmasses gelungen, den Demokraten Michael Dukakis abzufangen und zu besiegen.

Schon am Wochenende war McCains einziger positiver Werbespot, in dem er sich als politischen Aussenseiter pries, zurückgezogen worden. Strategen in beiden Parteien warnten unterdessen, dass sich der negative Wahlkampf gegen McCain kehren und der harte Ton vor allem parteilose Wähler verprellen könne, die sich von den Kandidaten Antworten auf die sich häufenden Probleme des Landes erhoffen. McCains Berater wendeten ein, dass auch Obama gelegentlich negative Fernsehwerbung geschaltet habe. Dennoch wird in Washington erwartet, dass die kommende Schmutzoffensive die bislang geschaltete negative Werbung in den Schatten stellen wird. Nur dadurch könne Senator McCain einen sich abzeichnenden Sieg seines demokratischen Rivalen verhindern, glauben republikanische Strategen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch