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111 Jahre Gefängnis für bosnisch-kroatische Führer

Getötet, vergewaltigt und vertrieben: Das UNO-Kriegsverbrechertribunal hat sechs ranghohe Verantwortliche der bosnischen Kroaten zu harten Strafen verurteilt. Eine «Schlüsselrolle» spielte der 53-jährige Prlic.

Die Angeklagten (v.l.) begrüssen ihre Anwälte im Haager Gerichtssaal: Jadranko Prlic, Bruno Stojic, Slobodan Praljak, Milivoj Petkovic, Valentin Coric und Berislav Pusic. (29. Mai 2013)
Die Angeklagten (v.l.) begrüssen ihre Anwälte im Haager Gerichtssaal: Jadranko Prlic, Bruno Stojic, Slobodan Praljak, Milivoj Petkovic, Valentin Coric und Berislav Pusic. (29. Mai 2013)
Keystone

Die Richter in Den Haag haben sechs bosnisch-kroatische Führer zu insgesamt 111 Jahren Gefängnis verurteilt. Sie seien schuldig für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, urteilten die Richter in Den Haag. Tausende von Muslimen wurden im bosnischen Krieg 1992 bis 1995 getötet, vergewaltigt oder vertrieben.

Eine «Schlüsselrolle» spielte der heute 53-jährige Jadranko Prlic, sagte der Vorsitzende Richter Jean-Claude Antonetti. Der ehemalige Regierungschef des damaligen, selbst proklamierten Kleinstaates Herzeg-Bosna wurde zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt.

Der Ministaat wurde damals direkt vom Nachbarn Kroatien unter Präsident Franjo Tudjman unterstützt. Auch der vor 14 Jahren verstorbene Tudjman wurde vom Tribunal erstmals öffentlich Beteiligung an diesen Kriegsverbrechen angelastet.

Verbrechen waren geplant

In der fast zwei Stunden dauernden Verlesung der Zusammenfassung des Urteils schilderte der französische Richter eine grausame Terrorkampagne der bosnischen Kroaten. Danach hatte die Armee jahrelang gemordet, gefoltert, vergewaltigt und zerstört. Symbol für den Terror wurde die Belagerung der Stadt Mostar und die Zerstörung der historischen Steinbrücke über die Neretva.

Diese Verbrechen seien nicht willkürlich von einigen Soldaten begangen worden, betonte Antonetti: «Im Gegenteil, sie waren das Ergebnis eines Plans, die muslimische Bevölkerung aus Herzeg-Bosna zu vertreiben.» Die «ethnische Säuberung» hatte damals international für Entsetzen gesorgt und war mit ein Anlass für die Errichtung des Tribunals durch den UNO-Sicherheitsrat 1993.

Muslime wurden nachts aus ihren Häusern geholt, Frauen und Mädchen vergewaltigt. «Drei Mädchen waren 8, 10 und 13 Jahre alt,» sagte der Richter. Die Armee hielte, so heisst es im Urteil weiter, in Gefangenenlagern Tausende von Menschen unter erbärmlichsten Umständen fest. «Muslime wurden als menschliche Schutzschilde an der Front eingesetzt», sagte der Richter.

10 bis 20 Jahre Haft

Äusserlich unbewegt nahmen die sechs Männer die Urteile entgegen. Bruno Stojic, der damalige Verteidigungschef, schüttelte ungläubig lachend den Kopf. Er muss für 20 Jahre ins Gefängnis.

Das ist auch die Strafe für den ehemaligen hohen Offizier Slobodan Praljak (68) und den Armee-Chef Milivoj Petkovic (63). Valentin Coric (56) und Berislav Puïc (60), beide ehemalige hohe Offiziere der Militärpolizei, müssen für 16 beziehungsweise 10 Jahre in Haft.

Mit mehr als sechs Jahren war dies einer der längsten Prozesse in der Geschichte des Tribunals. Noch einmal zwei Jahre brauchten die Richter für ihr Urteil. Die Urteilsbegründung umfasst mehr als 2600 Seiten.

SDA/rub

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