62 Prozent der Iren sind für die Homo-Ehe

Jetzt ist es definitiv: Irland hat die Homo-Ehe legalisiert. Das freut auch den schwulen Gesundheitsminister Leo Varadkar.

Freut sich über das Votum: Gesundheitsminister Leo Varadkar (23. Mai 2015).

Freut sich über das Votum: Gesundheitsminister Leo Varadkar (23. Mai 2015). Bild: The Irish Times/Twitter

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Die Iren haben mit grosser Mehrheit für die Einführung der Homo-Ehe gestimmt. Nach dem bekanntgegebenen offiziellen Ergebnis der Volksabstimmung votierten 62,1 Prozent der Wähler für die von der Regierung vorgeschlagene Verfassungsänderung. Die Beteiligung lag bei etwas mehr als 60 Prozent.

«Ich wollte ein gleichberechtigtes Mitglied der irischen Gesellschaft sein. Heute bin ich es.» Das sagte der überglückliche Gesundheitsminsister Irlands, Leo Varadkar, gegenüber irischen Reportern in Dublin.

Schon nach Auszählung der ersten Stimmen schien das Ja zur gleichgeschlechtlichen Ehe sicher. Das Votum sei eine «soziale Revolution» im katholisch dominierten Irland, sagte Varadkar gegenüber der «Irish Times». Es mache ihn stolz, dass Irland als erste Nation der Welt die Homo-Ehe per Volksabstimmung in der Verfassung verankere. «Es ist ein historischer Tag für Irland.» Erst vor einigen Monaten machte Varadkar seine sexuelle Orientierung gegenüber dem Sender RTÉ publik.

In der Hauptstadt Dublin und in ländlichen Gegenden stimmten nach ersten Auszählungen eine grosse Mehrheit für eine Veränderung der Verfassung, wie Beobachter von Parteien und Interessengruppen mitteilten. Das offizielle Ergebnis wird am Nachmittag erwartet.

«Irland hat nicht nur Ja gesagt, Irland hat gesagt: Oh Yeeah!»: Gleichstellungsminister Aodhán Ó Ríordáin auf Twitter.

Für das am Freitag abgehaltene Referendum waren 3,2 Millionen Wähler registriert. Irland stimmte als erste Nation weltweit über die Einführung der Ehe für homosexuelle Paare ab. Das Land ist vorwiegend katholisch. In mehr als einem Dutzend Staaten weltweit und in den meisten US-Staaten ist die Homo-Ehe bereits legal. Nirgends wurde aber das Volk dazu befragt.

Die Wählerbeteiligung war hoch: Iren stimmen über die Homo-Ehe ab (23. Mai 2015, Video: Reuters).

Minister Kevin Humphrey sagte einen Erdrutschsieg für die Ja-Kampagne voraus. In seinem Bezirk im Südosten Dublins hätten mehr als 75 Prozent der Wähler dafür gestimmt. Der Führer der der katholischen Kirche nahe stehenden Partei Fianna Fail, Michael Martin, sagte, es sehe nach einem eindeutigem Sieg für die Befürworter aus. In seinem Bezirk Cork machten die Befürworter mehr als 60 Prozent aus.

Gegner gestehen Niederlage ein – und gratulieren

Ein Gegner der Homo-Ehe, John Murray von der katholischen Denkfabrik Iona Institute, sagte, seine Seite bereite sich auf die wahrscheinliche Niederlage vor. Sein Kollege David Quinn gratulierte den Befürwortern via Twitter bereits zum Sieg.

Es geht um eine Veränderung der 77 Jahre alten Verfassung, die bislang die Ehe als Bund zwischen Mann und Frau definiert. Stimmt eine Mehrheit dafür, soll das Geschlecht der Ehepartner künftig keine Rolle mehr spielen. Bei einem Scheitern des Referendums bleibt homosexuellen Paaren in Irland die Möglichkeit der 2011 eingeführten eingetragenen Partnerschaft. Diese bietet Partnern aber weniger Rechte, vor allem bei Sozialleistungen oder Sorgerecht bei Trennungen.

Sollten sich die Befürworter der Homo-Ehe durchsetzen, wäre dies wohl ein weiterer Beleg für den schwindenden Einfluss der katholischen Kirche. Noch in den 1980er Jahren stimmte Irland in Referenden mit grosser Mehrheit gegen Abtreibung und Scheidungen. In Irland leben 4,6 Millionen Menschen.

Schweizer LGBT-Verbände erfreut

Irland ist das weltweit 19. Land, das die Homo-Ehe einführt. In Europa sind es derzeit 13. Die Schweizer Lesben- und Schwulenverbände zeigten sich in einer Stellungnahme vom Samstag erfreut über das irische Abstimmungsergebnis. Sie forderten nun aber auch die Schweiz zum Handeln auf.

Die «bedingungslose Öffnung der Ehe und die Gewährung aller damit verbundenen Rechte» sei eine Grundforderung der Schweizer Lesben, Gay, Bisexuellen und Transgender (LGBT)-Verbände, hiess es. In der Schweiz können gleichgeschlechtliche Paare bislang nur eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen, die der Ehe rechtlich nicht gleichgestellt ist. (hvw/sda)

Erstellt: 23.05.2015, 12:08 Uhr

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