Abgehört trotz Krypto-Handy

Der US-Geheimdienst soll ein Handy von Kanzlerin Angela Merkel abgehört haben. Laut dem Hersteller der Sicherheitssoftware ist dies unmöglich – zumindest beinahe.

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Angesichts der mutmasslichen Überwachung eines Diensthandys von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) durch US-Geheimdienste stellt sich die Frage, ob die Bundesregierung überhaupt ausreichend gegen Spionage über die elektronischen Medien geschützt ist. Für Merkel und andere Geheimnisträger gilt, dass für vertrauliche Telefonate, E-Mail und SMS nur wenige mobile Geräte mit eingebauter Verschlüsselung verwendet werden dürfen. Im Prinzip gelten für sensible Kommunikation der Regierung und Behörden strengere Regeln.

Will Merkel sich zum Beispiel mit ihrem Mann zum Essen verabreden, kann sie dafür bislang ein normales iPhone oder einen Blackberry verwenden. Auch das private Surfen etwa mit einem iPad ist der Regierungschefin und ihren Ministern durchaus erlaubt. Für dienstliche Kommunikation gelten je nach Grad der Geheimhaltung technische Vorgaben. Dies betrifft nicht nur Regierungsmitglieder, sondern auch zahlreiche Ministerialbeamte.

Vier Vertraulichkeitsstufen

Es gibt vier höhere Vertraulichkeitsstufen: «Verschlusssache - nur für den Dienstgebrauch», «Verschlusssache - Vertraulich», «Geheim» und «Streng Geheim». Nicht einmal Informationen der untersten Stufe - abgekürzt VS-NfD - dürfen aus einer ungesicherten Umgebung heraus - etwa per E-Mail von einem herkömmlichen Computer oder Smartphone - elektronisch weitergegeben werden.

Zahlreiche Ministerien nutzen als Smartphone den modifizierten Blackberry Z10 des Düsseldorfer Herstellers Secusmart. Es erlaubt eine verschlüsselte Sprach- und Datenübertragung bis zur niedrigsten Geheimhaltungsstufe VS-NfD. Zugelassen ist dafür auch das auf einem entkernten Samsung Galaxy basierende Simko 3 von T-Systems.

Krypto-Chip

Auf dem Smartphone laufen ein geschütztes und ein offenes System parallel, so dass die Nutzer damit auch im Internet surfen oder twittern können. Bei dem mutmasslich von US-Geheimdiensten abgehörten Gerät Merkels handelt es sich Berichten zufolge um ein älteres Verschlüsselungshandy des finnischen Herstellers Nokia. Auch hierfür lieferte die Firma Secusmart die Verschlüsselungstechnik.

«Unsere Sicherheitslösung setzt auf einem normalen Smartphone auf - wir können kein komplett eigenes Gerät entwickeln», sagt Secusmart-Chef Hans-Christoph Quelle gegenüber der «Welt». Stattdessen programmiere man eine eigene Software für das jeweilige Betriebssystem.

Auch auf Hardwareseite gibt es eine Sicherung. Ein sogenannter Krypto-Chip wird wie eine normale Mikro-SD-Karte in das Smartphone eingesetzt. Vor einem Telefonat kann der Nutzer sich entscheiden, ob er das Gespräch verschlüsselt oder unverschlüsselt führen möchte. Möchte Merkel also mit einem anderen Minister sicher telefonieren, muss dieser ebenfalls ein geschütztes Gespräch besitzen. Ist dies der Fall, bauen die Geräte untereinander einen sogenannten VPN-Tunnel auf. So werden die Informationen über eine virtuell private Leitung gesendet, die als abhör- und manipulationssicher gilt.

Unverschlüsselte Gespräche

Secusmart-Chef Quelle steht voll und ganz hinter seinem Produkt. «Die Verschlüsselung geschieht in der SD-Karte, die ist sicherlich nicht gehackt worden», sagt er gegenüber der Zeitung. Unwahrscheinlich ist jedoch, dass alle Gesprächs- und SMS-Partner der Kanzlerin ein entsprechend geschütztes Gerät besitzen. So ist es also vorstellbar, dass die NSA Kommunikation von Merkel mit Parteifreunden abfangen konnte.

«Wir gehen davon aus, dass die verschlüsselten Gespräche nicht mitgehört werden konnten», sagt Quelle. Es könne jedoch sein, dass die unverschlüsselten Gespräche mitgehört wurden. Zweifel an der Datensicherheit von Smartphones gibt es schon länger - Berichten zufolge hat die NSA die Systeme von iPhone, Blackberry sowie das Betriebssystem Android schon geknackt und kann die Nutzerdaten der meisten gängigen Geräte auslesen.

Daher kommt es auch auf die Disziplin von Merkel und ihren Gesprächsparnter an, welche Informationen die NSA im Fall der Fälle abzapfen konnte. Haben sie keine vertraulichen Informationen über ein ungesichertes Gerät ausgetauscht, konnte der US-Geheimdienst auch keine sensiblen Informationen abfangen.

Angereichert mit Material der Nachrichtenagentur AFP.

(wid)

Erstellt: 24.10.2013, 20:45 Uhr

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«Ausspähen unter Freunden geht gar nicht»: Angela Merkel spricht am EU-Gipfel über den mutmasslichen Lauschangriff. (Video: Reuters )

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