Abspaltung: Katalonien verabschiedet Gesetz

Die katalanischen Behörden dürfen nun offiziell eine Volksabstimmung über die Abspaltung von Spanien ansetzen.

Opposition hat das Plenum verlassen: Katalanische Parlamentarier singen nach der Abstimmung in Barcelona die Nationalhymne Kataloniens. (6. September 2017)

Opposition hat das Plenum verlassen: Katalanische Parlamentarier singen nach der Abstimmung in Barcelona die Nationalhymne Kataloniens. (6. September 2017) Bild: Manu Fernandez/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Machtkampf zwischen der spanischen Zentralregierung und der Regierung von Katalonien spitzt sich zu: Gegen den erklärten Willen Madrids verabschiedete das katalanische Parlament heute Abend ein umstrittenes Gesetz, das den Weg für ein Unabhängigkeitsreferendum der spanischen Region ebnen soll.

Nach elfstündiger Debatte stimmten 72 Abgeordnete für den Textentwurf, elf weitere enthielten sich. Die Abgeordneten der Opposition hatten das Plenum vor dem Votum aus Protest verlassen.

Die Zentralregierung in Madrid lehnt den für den 1. Oktober geplanten Volksentscheid kategorisch ab. Nachdem das katalanische Parlament die Abstimmung über das Gesetz angesetzt hatte, rief Madrid das Verfassungsgericht an. Dort sei beantragt worden, die Abstimmung im katalanischen Parlament für «null und nichtig» zu erklären, sagte die stellvertretende spanische Ministerpräsidentin Soraya Sáenz de Santamaría.

Spanien droht damit wenige Wochen nach den Anschlägen von Barcelona und Cambrils eine schwere politische Krise. In der wohlhabenden Region Katalonien mit rund 7,5 Millionen Einwohnern gibt es seit Jahren Bestrebungen, sich von Spanien loszulösen. Die Regionalregierung will ihre Pläne trotz der jüngsten Anschläge mit 16 Toten weiter verfolgen. Laut Umfragen haben die Befürworter der Unabhängigkeit derzeit mit rund 41 Prozent keine Mehrheit in der Bevölkerung.

Die Zentralregierung in Madrid unter Ministerpräsident Mariano Rajoy versucht seit jeher, ein Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien zu verhindern, und droht mit rechtlichen Konsequenzen. 2014 hatte das spanische Verfassungsgericht ein rechtlich bindendes Referendum über Kataloniens Unabhängigkeit untersagt. (nag/AFP)

Erstellt: 06.09.2017, 22:47 Uhr

Artikel zum Thema

Der Stierkampf ist zurück in Katalonien

Ein Gericht hat das seit fünf Jahren geltende Verbot wieder aufgehoben. Die Gründe. Mehr...

«Brutale Welle der Islamfeindlichkeit» in Spanien

«Mörder», «Scheiss Nordafrikaner», «ihr werdet das bezahlen»: In mehreren spanischen Städten sind nach den Anschlägen in Katalonien Moscheen verunstaltet worden. Mehr...

80 Prozent der Katalanen wollen Unabhängigkeit

Video Klarer Ausgang der verbotenen Volksbefragung: Die stimmberechtigte Bevölkerung von Katalonien spricht sich für eine Abspaltung von Spanien aus. Madrid bezeichnet das Resultat als «wertlos». Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Wer Prämien spart, muss nicht auf Ferien verzichten

Wegen der Krankenkassenprämie könnte es für viele nächstes Jahr heissen: weniger Ferien, kein neues Handy und Sparen vertagt.

Kommentare

Blogs

Sweet Home So geht Eleganz
Mamablog Tipps, wie man besser lernt

TA Marktplatz

Die Welt in Bildern

Lachen für einen guten Zweck: Diese Frau nimmt, in Malta, an einer Parade für Clowns teil, die sich um kranke Kinder kümmern. (15. Oktober 2017)
(Bild: Darrin Zammit Lupi) Mehr...