Alijew-Orden für Alijewa

Zum Abschluss der Europaspiele in Baku hat Ilham Alijew, Präsident Aserbeidschans, seine First Lady gewürdigt – mit der höchsten Auszeichnung des Landes.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ehre, wem Ehre gebührt. Und natürlich, wenn man es sich recht überlegt, gebührt Ehre zunächst einmal einem selbst. Oder zumindest der eigenen Familie. So mögen die Überlegungen des aserbeidschanischen Präsidenten gewesen sein, als er am Montag die höchste Auszeichnung seines Landes vergab: Ilham Alijew würdigte Mehriban Alijewa mit dem Hejdar-Alijew-Orden.

Mit Mehriban ist der autoritäre Herrscher seit 1983 verheiratet. Nach über drei Jahrzehnten Ehe ist es vielleicht wirklich Zeit für ein besonderes Kompliment. Die Zeit ist an der First Lady ja auch weiss Gott nicht spurlos vorbeigegangen, wenngleich Schönheitschirurgen dem Anschein nach etwas nachgeholfen haben.

«Fruchtbare Tätigkeit» von Mehriban Alijewa

Der Orden, den sie sich nun in ihr Arbeitszimmer in Baku hängen darf, ist nach Alijews Vater Hejdar benannt. Der war KGB-Chef in der aserbeidschanischen Sowjetrepublik und von 1993 bis zu seinem Tod 2003 Präsident des Landes. Danach ging die Macht an seinen Sohn über, der sich das der Form halber in einer Wahl bestätigen liess. Auch die Macht bleibt in Aserbeidschan eben in der Familie.

Geehrt wurde Frau Alijewa für ihre «fruchtbare Tätigkeit zur Entwicklung von Kultur, Bildung, Gesundheitsvorsorge und Sport in der Republik Aserbeidschan». Sie hat das Organisationskomitee der Europaspiele geleitet, die in diesem Jahr zum ersten Mal stattfanden und am Sonntag zu Ende gingen. Aserbeidschan hatte 56 Medaillen geholt, nur Russland war stärker (164).

Europaspiele – erst der Auftakt für Grösseres

Ob die Spiele in Baku wirklich dazu beigetragen haben, «das kulturelle Erbe des aserbeidschanischen Volkes auf der ganzen Welt bekannt» zu machen, wie es in der Ehrung hiess, ist wohl Ansichtssache. Die Reporter aus westlichen Demokratien, denen nicht schon im Voraus die Einreise in den autoritär regierten Staat am Kaspischen Meer verwehrt wurde, berichteten nicht nur über Sportevents, sondern auch über die Welle von Verhaftungen, mit denen das Regime im Vorfeld versuchte, Kritiker zum Verstummen zu bringen. Sie schwappte sogar bis Berlin, wo dem aserbeidschanischen Journalisten Emin Milli die Drohung des Sportministers übermittelt wurde, man werde ihn kriegen, ob in Deutschland oder anderswo.

Ilham Alijew stellte sich zum Abschluss selbst auf das Siegerpodest der – genau – Hejdar-Alijew-Halle. Wenn es nach ihm geht, waren die Europaspiele erst der Auftakt für Grösseres, die Bewerbungsunterlagen für Olympia sozusagen. Bis dahin ist noch genügend Zeit, um neue Ehrentitel für die eigene Familie ins Leben zu rufen. Einstweilen dankte Ilham seiner Frau «für die gemeinsam durchlebten wunderbaren Momente in diesen 17 Tagen». Und Mehriban erwiderte: «Das aserbeidschanische Volk war eine Mannschaft, und du warst ihr ruhmreicher Captain.»

Erstellt: 01.07.2015, 16:57 Uhr

Artikel zum Thema

Die Mini-Olympia-Show des Autokraten von Baku

Morgen beginnen die ersten Europaspiele mit über 6000 Sportlern. Das aserbeidschanische Regime von Ilham Alijew will sich von seiner besten Seite zeigen – das gelingt ihm aber nicht. Mehr...

Angriff mit dem Autokraten

Aserbeidschan präsentiert im Juni die ersten Europaspiele. So zwiespältig wie der Anlass ist das Austragungsland. Mehr...

Bildstrecke

Europa-Spiele in Baku

Europa-Spiele in Baku Jolanda Neff war auch in Baku eine Klasse für sich und fuhr im Cross-Country allen davon. Kathrin Stirnemann gewann den Kampf um Silber.

Artikel zum Thema

«Die Spiele der Unterdrückung»

Heute starten in Baku die Europaspiele. Während die Wahl des Austragungsortes für rote Köpfe sorgt, freuen sich Schweizer Athleten auf den Grossanlass. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Rioja fasziniert mit neuer Vielfalt

Die Winzer aus der Region Rioja glänzen mit stetig zunehmender Finesse und Vielfalt. Neben Weissweinen sind auch Einzellagen, Orts- und Gebietsweine auf dem Vormarsch.

Blogs

Von Kopf bis Fuss So wichtig ist Vitamin D

Mamablog «Trennungen werden noch immer tabuisiert»

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Fliegende Körner: Ein Bauer erntet Reis auf einem Feld in Nepal. (15. November 2019) A farmer harvests rice on a field in Lalitpur, Nepal November 15, 2019.
(Bild: Navesh Chitrakar ) Mehr...