Alle gegen die AfD – hilft der AfD

In Görlitz hat ein Parteienbündnis knapp einen AfD-Bürgermeister verhindert. Doch es ist gefährlich, Populisten um jeden Preis von der Macht fernzuhalten.

AfD-Fraktionschefin Alice Weidel (M.) mit dem AfD-Bürgermeisterkandidaten Sebastian Wippel (r.) in Görlitz. (Keystone/Filip Singer)

AfD-Fraktionschefin Alice Weidel (M.) mit dem AfD-Bürgermeisterkandidaten Sebastian Wippel (r.) in Görlitz. (Keystone/Filip Singer)

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Viele ostdeutsche Linke, viele Grüne haben am Sonntag erstmals in ihrem Leben CDU gewählt, um zu verhindern, dass der Kandidat der Alternative für Deutschland (AfD) Bürgermeister von Görlitz wurde. Der knappe Sieg könnte für die sächsischen Christdemokraten noch bitter werden. Ihr Bürgermeister wird von der AfD bereits als «Mann der Linken» verunglimpft. Sich selber stellt die in Teilen rechtsextreme Partei als Opfer und einzig übrig gebliebene Opposition gegen die «Blockparteien» dar.

Wie zweischneidig Bündnisse aller anderen Parteien gegen Extremisten sind, lehren ausgedehnte Feldversuche in Frankreich. Seit den 80er-Jahren haben Linke und Konservative gemeinsam Politiker des Front National (FN) von der Macht ferngehalten. Von einem «Cordon sanitaire» gegen die Seuche des Faschismus sprach man, von einer «republikanischen Front» gegen die Feinde der Republik.

Die Ausgrenzungsstrategie scheiterte spätestens ab 2011, als Marine Le Pen den FN von seinen rechtsextremen Tönen befreite und Konservative wie Nicolas Sarkozy der Partei bescheinigten, sie sei eine demokratische Konkurrenz. Seither hat sie sich als Antagonistin im Parteiensystem fest etabliert. Dass Linke und Rechte sich 2017 hinter Emmanuel Macron scharen mussten, um Le Pen zu verhindern, bestätigte nur ihr Narrativ: «Die ‹Altparteien› sind alle gleich – einzige Alternative sind wir!» Auf Dauer stärkt das Populisten eher, als sie zu schwächen.

Erstellt: 17.06.2019, 12:38 Uhr

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