Angela Merkel schliesst ihre Facebook-Seite

Die Bundeskanzlerin begründet ihren Abschied damit, dass sie nicht mehr CDU-Vorsitzende sei. Oder steckt mehr dahinter?

«Liebe Facebook-Gemeinde»: Die Bundeskanzlerin schliesst ihr Konto auf dem Social-Media-Kanal. (Video: Facebook/Angela Merkel/Tamedia)

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Mehr als zweieinhalb Millionen Nutzer haben Angela Merkels Facebook-Seite mit «gefällt mir» markiert. Das sind weit mehr als bei anderen Politikern: Selbst Emmanuel Macron hat nur 2,3 Millionen Anhänger auf Facebook, Annegret Kramp-Karrenbauer sogar nur knapp 38'000.

Doch was macht Angela Merkel? Sie tritt im Blazer, dessen Farbe sich nur um Nuancen vom Facebook-Blau unterscheidet, vor die Kamera und verabschiedet sich mit einem 30 Sekunden langen Video: «Liebe Facebook-Gemeinde, heute ist der Tag, an dem ich Ihnen danken möchte für Ihre zahlreiche Unterstützung meiner Facebook-Seite. Sie wissen, dass ich nun nicht mehr CDU-Vorsitzende bin, und deshalb werde ich meine Facebook-Seite schliessen.»

Die Löschung des Accounts wirkt wie ein erster Schritt Richtung selbstbestimmter Rückzug aus der Öffentlichkeit. Denn was nun Merkels Facebook-Seite mit dem CDU-Parteivorsitz zu tun haben soll, erschliesst sich nicht unmittelbar. Schliesslich geht es vor allem um Merkel als Person, wie in einem Freundschaftsbuch hat sie unter anderem die Kategorien «Lieblingsbücher», «Lieblingsmusik» und «Lieblingsfilme» ausgefüllt. Sie verrät, dass sie gerne Tolstoi und Dostojewski liest, Richard Wagner, Gustav Mahler, die Beatles und die Ost-Berliner Rockband Karat hört sowie gern «Tatort» guckt. Als Hobbys gibt sie Gartenarbeit, Wandern und Kochen an.

«Verrückt, die dichtzumachen»

«Typisch» für Merkel sei die Löschung ihres Accounts, kommentiert ein Nutzer auf Twitter. Schade sei es dennoch, schliesslich sei Merkels Seite «die grösste deutsche Politikerseite», deren Potenzial man hätte weiter nutzen können. «Verrückt, die dichtzumachen», kommentiert ein Twitter-Nutzer.

Die mehr als 1600 Kommentare unter dem Abschiedsvideo auf Facebook spiegeln die gespaltene Stimmung wider, die der Kanzlerin auch offline entgegenschlägt: Die einen loben sie als «beste Kanzlerin aller Zeiten», bedauern ihren Rückzug und wünschen ihr und ihrer Familie «alles Gute». Darunter sind auffällig viele Menschen, deren Namen einen Migrationshintergrund vermuten lassen, sie schicken auch Smileys mit Herzchenaugen, Kleeblätter und Deutschlandfahnen.

Der Trost für die Anhängerschaft

Doch für all die Merkel-Fans gibt es einen Trost: Noch ist ihr Abschied nicht endgültig. Im Videoclip wirbt sie dafür, der Facebook-Seite der Bundesregierung zu folgen oder ihr selbst auf der Foto-Plattform Instagram.

Das Lager der Merkel-Hasser postet Kothaufen unter den Abschiedsclip und fordert sie auf, auch das Kanzleramt und am besten gleich Deutschland ganz zu verlassen. Davon scheint auch die private Angela Merkel manchmal zu träumen. «Einmal mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok reisen», hat sie in die Kategorie «mein Traum» geschrieben. Noch ist ihr Jahresurlaub zu kurz dafür.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 02.02.2019, 11:20 Uhr

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