Angriff auf Grande-Konzert ist auch ein Anschlag auf die Jugend

Die 23-Jährige Sängerin Ariana Grande zählt zu den grössten Teenie-Idolen weltweit. Darum sind auch Kinder und Jugendliche unter den Opfern des Attentats von Manchester.

Anschlag in Manchester: Augenzeugen schildern das Grauen. (Video: Tamedia/AFP)

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Wer in der Nacht die Schlagzeile las - Explosion bei Ariana-Grande-Konzert - der dürfte geahnt haben, was die Polizei am Morgen bestätigen würde. Dass Kinder unter den Opfern sind. Dass es diesmal die ganz Jungen getroffen hat.

In Paris waren es im November 2015 Fans einer Metal-Band und Nachtschwärmer, die in den Bars und Restaurants draussen sassen. In Berlin wurden die Besucher eines Weihnachtsmarktes zum Anschlagsziel. Und jetzt, wo manch einer vielleicht schon dachte, er würde langsam abstumpfen ob der Frequenz des Terrors, hat ein Selbstmordattentäter eine Bombe in einer Halle voller Jugendlicher gezündet.

Die Sängerin Ariana Grande ist selbst gerade 23 Jahre alt. Ihren ersten grossen Fernsehauftritt hatte sie als Grundschülerin, als sie vor einem Spiel ihrer heimischen Eishockeymannschaft die Nationalhymne sang. Mit 16 bekam sie eine Serienrolle beim Kindersender Nickelodeon. Es folgten ein erstes eigenes Pop-Album und die Eroberung von Kinderzimmern weltweit.

Video – die britische Polizei nimmt zum Anschlag in Manchester Stellung:

Heute gehört Grande, die aus Florida stammt, zu den erfolgreichsten Künstlern der USA und ist dem Image des Kinderfernsehsternchens längst entwachsen. Mit ihrem aktuellen Album "Dangerous Woman" veröffentlichte die Schauspielerin eines der relevanteren Popwerke des Jahres 2016. Die Times setzte die zierliche Sängerin auf die Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Welt. Die meisten Fans hat sie unter Teenagern und jungen Erwachsenen, die mit ihren Liedern gross geworden sind.

Schon an den Augenzeugenberichten in den britischen Medien lässt sich nun ablesen, wer da in Manchester zum Anschlagsziel geworden ist. Da ist der 17-jährige Oliver Jones, der mit seiner zwei Jahre älteren Schwester auf dem Konzert war und dem Guardian erzählt, er habe einen lauten Knall gehört und die Leute um ihn herum hätten zu laufen begonnen. Da ist die ebenfalls 17-jährige Ellie Ward, deren im Foyer wartender Grossvater von Bombensplittern schwer verletzt wurde. Da sind die Mütter und Väter, die mit ihren 13, 14, 15 Jahre alten Töchtern auf dem Konzert waren und von der Angst berichten, es mit ihren Kindern nicht nach draussen, in Sicherheit zu schaffen.

In den sozialen Medien suchen Eltern nach ihren vermissten Kindern. Nach der 15-Jährigen Olivia Campbell etwa, die mit einem Freund auf dem Konzert war. Der Freund, Adam, galt zunächst ebenfalls als vermisst, am Morgen wird er als einer der Verletzten identifiziert, die sich im Krankenhaus befinden. Von Olivia fehlt weiterhin jede Spur. Die Mutter berichtet im Radio über ihre verzweifelte Suche. Sie habe sämtliche Krankenhäuser durchtelefoniert, die Polizei könne ihr nicht weiterhelfen, der Vater sei nach Manchester gefahren, um selbst nach dem Kind zu suchen. Ein Foto von Olivia, dunkle Augen, schüchternes Lächeln, Blumenkranz im Haar, geht im Internet viral. Bis zum Mittag haben Zehntausende den Suchaufruf der Eltern geteilt.

Ariana Grande, die gerade die Bühne verlassen hatte, als die Bombe im Foyer der Arena detonierte, teilte ihre Fassungslosigkeit in der Nacht via Twitter:

Bei Terrorangriffen in der Vergangenheit hatte sie sich bereits häufiger zu Wort gemeldet, etwa bei den Anschlägen in Paris.

Jetzt ist es die 23-Jährige selbst, die gemeinsam mit ihren jungen Fans Beileidsbekundungen erhält. Kollegen melden sich zu Wort - von Taylor Swift über Harry Styles bis Nicki Minaj - allesamt Teenie-Idole, die von den Jüngsten verehrt werden. Von jenen, die nun zum Ziel eines Anschlags geworden sind. (Süddeutsche Zeitung)

Erstellt: 23.05.2017, 12:04 Uhr

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