Athen muss weiter um die acht Milliarden bangen

Nachdem es zunächst so aussah, als ob die nächste Milliardenhilfe in Sichtweite wäre, müssen die Griechen nun weiter zittern. Die Troika-Chefs kehren doch noch nicht nach Athen zurück.

Die Proteste gegen die Sparmassnahmen gehen weiter: Demonstranten in Athen, 25. September 2011.

Die Proteste gegen die Sparmassnahmen gehen weiter: Demonstranten in Athen, 25. September 2011. Bild: Reuters

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Mehr als drei Wochen nach dem Abbruch der Troika-Mission in Athen bleibt weiter unklar, wann die Euroländer über die Auszahlung der nächsten Tranche für Griechenland entscheiden werden. Heute war weiter offen, wann die Experten von EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) die Überprüfung der griechischen Sparmassnahmen wieder aufnehmen würden. Ihr Bericht gilt auch als Voraussetzung für eine Entscheidung über eine mögliche stärkere Banken-Beteiligung an der Griechenland-Rettung.

Bislang stehe noch kein Datum für eine Rückkehr der Experten nach Athen fest, erklärte am Montag ein Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn in Brüssel. Er gehe jedoch davon aus, dass dies bald der Fall sein werde. Die Arbeit mache Fortschritte. Zuletzt hatte es geheissen, dass die Troika ihre Arbeit früh diese Woche wieder aufnehmen sollte.

«Moment der Wahrheit» für Griechenland

Dass die Eurogruppe bereits bei ihrem Treffen am (kommenden) Montag eine Entscheidung über die Auszahlung der nächsten acht Milliarden fällen könnte, schloss der Sprecher aus. Grund dafür ist, dass bis dahin kaum der neue Troika-Bericht vorliegen wird, der die Basis für die Entscheidung der Finanzminister bilden soll.

Man sei sich des Drucks, der auf Griechenland laste durchaus bewusst, hiess es in Brüssel, aber auch der Bedingungen, die für weitere Milliardenzahlungen erfüllt sein müssten. Der Sprecher sprach von einem «Moment der Wahrheit» für Griechenland und einer letzen Chance für das Land, den Zusammenbruch seiner Wirtschaft zu verhindern.

Entscheidung auf Oktober verschoben

Überlegungen über eine Effektivitätssteigerung des EFSF bestätigte der Sprecher ohne auf Details einzugehen. Dazu sei aber noch keine formelle Diskussion im Gang.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte am Wochenende betont, dass eine Entscheidung über eine mögliche stärkere Bankenbeteilung an der Griechenlandrettung erst nach der Vorlage des Troika-Berichtes getroffen werden könne.

Eigentlich sollte die nächste Kredittranche, die noch zum ersten Rettungspaket im Gesamtvolumen von 110 Milliarden Euro gehört, schon im September ausgezahlt werden. Nach dem Abbruch der Troika-Mission hatten die Euro-Finanzminister die Entscheidung über die Freigabe aber auf Oktober verschoben.

Streik geht weiter

Derweil gehen die Proteste gegen die Sparmassnahmen der Regierung weiter. Ein Streik im öffentlichen Verkehr hat am Montag Pendler im Grossraum Athen im Berufsverkehr ausgebremst. Die U-Bahn- , Strassenbahn- und Bahnmitarbeiter protestierten mit einem 24- stündigen Ausstand gegen die jüngsten Sparmassnahmen der Regierung. (kle/dapd/sda)

Erstellt: 26.09.2011, 15:38 Uhr

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