Auf der Spur der russischen Raketen

Ein russischer Bericht bestätigt, dass MH17 von einem Buk-Raketensystem abgeschossen wurde. Die Recherche eines Investigativportals zeigt: Der betreffende Trägerpanzer gehört wohl der russischen Armee.

Die Fahrer des Konvois fotografierten auf der ganzen Strecke: Panzertransporter mit einem Buk-System. Auf dem Transporter hinter dem Lastwagen wurde offenbar der Panzer 3*2 transportiert.

Die Fahrer des Konvois fotografierten auf der ganzen Strecke: Panzertransporter mit einem Buk-System. Auf dem Transporter hinter dem Lastwagen wurde offenbar der Panzer 3*2 transportiert.

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Die Hinweise verdichten sich, wonach ein Raketensystem der russischen Armee für den Abschuss von Flug MH17 verantwortlich war. Ein neuer Bericht des Investigativportals «Bellingcat» zeigt die Bewegungen eines Buk-Raketensystems auf, welches am Absturztag in der betreffenden Region gesichtet worden war. Beim Absturz der Boeing über der Ostukraine waren am 17. Juli 2014 alle 298 Personen an Bord getötet worden. Die Maschine befand sich auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur.

Schon kurz nach dem Absturz von MH17 äusserten die ersten Experten den Verdacht, wonach das Flugzeug wohl von einem mobilen Buk-Raketensystem abgeschossen worden war. Sowohl Reichweite als auch Schrapnell-Löcher in Trümmerteilen der Boeing sprachen demnach für diese Theorie.

Zeugen sahen Start der Rakete

Wenig später veröffentlichte «Paris Match» Fotos vom 17. Juli 2014, welche tatsächlich ein Panzerfahrzeug mit einer Buk-Abschussrampe auf einem Tieflader in Donetsk zeigen. Der Tieflader bewegte sich auf der Verbindungsstrasse N21, an welcher MH 17 abstürzte.

Die Rechercheure von «Bellingcat» machten sich auf die Suche nach dem Panzer. Dabei halfen ihnen Details von den «Paris Match»-Bildern: Die eine Abdeckung einer Panzerkette war beschädigt. Das Fahrzeug trug die Kennnummer 3*2 – die mittlere Zahl war unleserlich.

So stiess «Bellingcat» in den sozialen Netzwerken auf zahlreiche Bilder, Videos und Einträge über den Panzer mit der Nummer 3*2. So tauchte der Tieflader mit dem Fahrzeug am 17. Juli auch nahe des Absturzortes in Snizhne auf. Dort war der Panzer später offenbar abgeladen worden und aus eigener Kraft in ein Feld gefahren. In einer im Januar 2015 veröffentlichten Recherche von «Correctiv» erzählen Zeugen, dass sie 3*2 am 17. Juli 2014 tatsächlich eine Raketen abfeuern sahen.

Fahrzeug einer russischen Brigade

«Bellingcat» recherchierte weiter und fand heraus: der betreffende Panzer gehört der 53. Luftabwehrbrigade der russischen Armee; stationiert in Kursk. Fotos auf dem russischen Facebook-Klon Vkontakte zeigen die Nummer 3*2 und dieselbe Beschädigung an der Raupenabdeckung, auf dem Tieflader und als Teil eines Armeekonvois.

Die Brigade brachte zahlreiche Buk-Systeme zwischen dem 23. und dem 25. Juni 2014 von Kursk nach Millerovo an der ukrainischen Grenze. Von dort wurden die Fahrzeuge offenbar zunächst entlang der Grenze verteilt. Unklar blieb jedoch, wie und wann 3*2 in die Ukraine gelangte. In einer zweiten Recherche stiess «Bellingcat» nun auf Fotos und Social-Media-Einträge eines russischen Armee-Fahrers, welche diese Lücke schliessen.

Demnach wurde Buk 3*2 am über die Autobahn M4 nach Donetsk transportiert. Nach dem Abschuss von MH17 verliess der Panzer ukrainisches Gebiet am frühen Morgen des 18. Julis. Zwischen dem 19. und 21. Juli wurde der ganze Armee-Konvoi mit dem Buk nach Kamensk-Shakhtinsky gebracht und vorn dort auf verschiedene Positionen verteilt.

Bericht bestätigt Buk-Einsatz

Erst letzte Woche hatte die Moskauer Zeitung «Nowaja Gaseta» einen Bericht der russischen Regierung veröffentlicht, welcher den Abschuss von MH17 durch ein Buk-System bestätigte. Allerdings weist der Bericht die Schuld für den Abschuss der ukrainischen Armee zu.

Auch wenn sich die Indizien verdichten, wonach ein russisches Buk-System MH17 abschoss, offen bleibt, wer den Befehl für das Abfeuern der Rakete gab. «Bellingcat» hat nun seine Recherchen zum Fall den niederländischen Untersuchungsbehörden übergeben. (kpn)

Erstellt: 14.05.2015, 20:14 Uhr

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