Ausgerechnet die Anti-Feministin

Angela Merkel sorgt dafür, dass Frauen ganz nach vorne kommen. So muss es weitergehen.

Die Kanzlerin machts vor: Auch anderswo muss Schluss mit falscher Selbstbeschränkung sein. <nobr>Foto: Keystone</nobr>

Die Kanzlerin machts vor: Auch anderswo muss Schluss mit falscher Selbstbeschränkung sein. Foto: Keystone

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Das Unbehagen wird dezent kaschiert, aber es ist nicht zu überhören. Können die das? Warum hat die Bundeskanzlerin Annegret Kramp-Karrenbauer zur Verteidigungsministerin gemacht? Und stemmt Ursula von der Leyen die Riesenaufgabe Europa?

Am Tag nachdem drei Frauen im Schloss Bellevue sassen und zwei von ihnen eine Ehrenformation der Bundeswehr abschritten, ist von «Abenteuer» die Rede. Männliche Weltendeuter schreiben, die «Damen» müssten jetzt halt Vertrauen schaffen. Überheblichkeit? Zum Davonlaufen? Klar. Den Männern schwimmen halt die Felle davon.

Angela Merkel hat in einem Doppelstreich zwei Vertrauten zu Schlüsselpositionen verholfen. Annegret Kramp-Karrenbauer, bislang eher glücklose CDU-Chefin, bekommt die militärische Befehls- und Kommandogewalt in Deutschland. Ursula von der Leyen wird Europachefin. Ein Zufall ist es sicher nicht, dass die ehemalige DDR-Bürgerin Merkel in grosser Selbstverständlichkeit zwei Frauen ermutigt hat, besonders schwierige Posten zu besetzen. Denn nur dort können Frauen sich die Anerkennung erwerben, die ihnen so hartnäckig versagt wird. Das gilt für die Politik wie für die Wirtschaft und alle Ecken der Gesellschaft.

Jeder zweite Spitzenposten hat an Frauen zu gehen.

Die Frauen verlassen – endlich! – das Refugium, in das sie sich über Jahrhunderte von Kirchen, Ehemännern, eigenen Konventionen haben einschliessen lassen. Sie fügen sich nicht mehr ins herkömmliche Sittenbild, wonach Mutterschaft, eheliche Fürsorge, Caritas unvereinbar sein sollen mit tonnenschwerer Verantwortung für Krieg und Frieden.

Es ist Angela Merkel zu verdanken, dieser erklärten Nicht-Feministin, dass Frauen nun in politische Positionen hineinwachsen, die ihrem Format entsprechen. Das wird Schule machen. Aber auch anderswo muss Schluss mit falscher Selbstbeschränkung sein. Frauenquoten von ein paar Prozent in Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten? Lächerlich. Jeder zweite Spitzenposten hat an Frauen zu gehen.

Für viele Männer bedeutet das, sich hinten anstellen zu müssen. Das mag wehtun. Häme ist da fehl am Platz. Zurück nach Hause an den Herd, dahin aber lassen Frauen sich nicht mehr schicken. Dazu ist der Weg zu weit gewesen.

Erstellt: 21.07.2019, 22:01 Uhr

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