Ausgerechnet er ist bei der Lega

Zum ersten Mal hat Italien einen schwarzen Senator. Der Italo-Nigerianer Toni Iwobi behauptet, die Lega sei nicht rassistisch, sondern kämpfe gegen Fremdenfeindlichkeit.

Toni Iwobi und Lega-Chef Matteo Salvini im gemeinsamen Kampf gegen die angebliche Invasion von Flüchtlingen. (PD)

Toni Iwobi und Lega-Chef Matteo Salvini im gemeinsamen Kampf gegen die angebliche Invasion von Flüchtlingen. (PD)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Zum ersten Mal in der Geschichte der italienischen Republik ist ein Schwarzer in den Senat gewählt worden – und er gehört ausgerechnet jener Partei an, die Kritiker, Journalisten und Analysten gemeinhin als rassistisch, xenophob und rechtsextrem bezeichnen: der Lega. Vor 40 Jahren ist Toni Iwobi aus Nigeria mit einem Studentenvisum nach Italien gekommen, vor 25 Jahren ist er der Lega (damals noch Lega Nord) beigetreten. Innerhalb der Partei, die bei den Parlamentswahlen am vergangenen Sonntag ihren Wähleranteil vervierfacht hat und damit neben der Fünfsternbewegung zu den grossen Siegern des Urnengangs zählt, ist Iwobi für das Thema Immigration zuständig.

Der 62-Jährige lebt in Bergamo, ist mit einer Italienerin verheiratet, hat zwei Kinder und zwei Enkel, besitzt ein IT-Unternehmen. Nach seiner Wahl zum Senator schrieb Iwobi auf Facebook: «Nach mehr als 25 Jahren Kampf in der grossen Familie der Lega beginnt ein neues grosses Abenteuer. Mein Danke geht an Matteo Salvini, ein grosser Leader, der aus der Lega die erste Kraft innerhalb des Rechtsbündnisses gemacht hat. (...) Danke, danke, danke. Ich bin bereit, Freunde.»

«Ich bin bereit, Freunde»: Toni Iwobi nach seiner Wahl zum Senator. (PD)

Der Lega-Chef Matteo Salvini hat versprochen, unter seiner Regierung würden alle Migranten ohne gültige Aufenthaltspapiere in «Säuberungswellen» ergriffen und umgehend deportiert. Dasselbe Verfahren also, das im Wahlkampf schon Donald Trump den illegal in den USA lebenden Mexikanern androhte. Ausserdem hat sich Salvini dafür ausgesprochen, die Schiffe der NGOs, die in Seenot geratene Flüchtlinge retten, zu beschlagnahmen und zu versenken.

Um zu erklären, weshalb ein Schwarzer für die Lega kandidiert, weshalb sich ein Secondo in der Schweiz für die SVP begeistert oder die Tochter mexikanischer Einwanderer in den USA für den Bau der trumpschen Mauer, kursieren stets ähnliche Vermutungen: Überidentifikation, Anpassungsdruck, der Wille, möglichst wenig aufzufallen. Oder die Angst, dass nachrückende Migranten einem das mühsam Erreichte streitig machen könnten. Bei den jeweiligen Organisationen, Parteien oder Politikern sind Figuren wie Toni Iwobi natürlich gerne gesehen, weil sie wie personifizierte Widerlegungen öffentlicher Wahrnehmungen («Die Lega ist rassistisch») wirken.

«Gebt ihnen Erdnüsschen»

Auf die tendenziell küchenpsychologisch und herablassend wirkenden Deutungen, weshalb sich jemand mit dem scheinbaren Feind identifiziert, antwortet Iwobi in einem Gespräch mit der italienischen Onlinepublikation affaritaliani.it: «Wenn Italien ein demokratisches Land ist, dann habe ich das Recht, selber zu bestimmen, welcher Partei ich angehören will, und ich habe die Lega gewählt. Matteo Salvini und die Lega sind ein wichtiges Bollwerk gegen den Rassismus. Denn die Diskriminierung entsteht gerade durch die heimliche Immigration. Wenn man eine gesunde und kontrollierte Einwanderung verficht, dann ermöglicht man auch die Integration und bekämpft den Rassismus.»

Iwobis Treue zu Salvini erschüttert nicht einmal, was der Lega-Chef kürzlich in einem Radiointerview gesagt hat: «Man muss im Meer treibende Flüchtlinge retten. Aber dann muss man sie zurückbringen, am Strand ausladen, ihnen ein paar Erdnüsschen und eine Glace in die Hand drücken und sie mit einem Schulterklopfen verabschieden.»

Italiens erster schwarzer Senator verehrt also einen Politiker, der Schwarzen Erdnüsschen geben will. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.03.2018, 19:09 Uhr

Artikel zum Thema

Der Scharfmacher auf der Piazza

Er könnte der neue Ministerpräsident werden: Matteo Salvini ist einer der Gewinner der Parlamentswahl in Italien. Mehr...

Der andere Matteo geht auf die Strasse

Matteo Salvini, Chef der Lega Nord, verehrt Putin und trachtet nach der Leadership der italienischen Rechten. Heute versammelt er seine Anhänger in Rom. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Grösste Wallfahrt der Welt: Eine Frau ruht sich während der jährlichen Pilgerfahrt zu Ehren der Jungfrau von Guadalupe in Mexico City aus. (11. Dezember 2018)
(Bild: Carlos Jasso) Mehr...