«Bankangestellte wurden gestern noch eiligst zu Kommunikationskursen aufgeboten»

Um 11 Uhr öffnen die Banken in Zypern wieder ihre Tore. Dafür wurde das Personal geschult und Polizeiverstärkung geholt. Die Journalistin Athena Arsalidou zur Stimmung in Nikosia.

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Was war heute Morgen anders als sonst in Nikosia?
Es gab heute seit längerem wieder mal verbreitet Stau – ein untrügliches Zeichen dafür, dass sich die Lage in der Stadt wieder normalisiert.

Inwiefern?
Die Bankangestellten fahren von den Aussenquartieren ins Zentrum zur Arbeit. Doch trotz der Freude, dass sie wieder arbeiten können, sieht man auch traurige Gesichter unter ihnen; viele werden wohl schon bald ihre Arbeit verlieren, vor allem jene der Laiki-Bank, die zerschlagen werden soll.

Die Banken gehen doch erst am Mittag auf?
Ja, aber seit 7.30 Uhr wird in den Banken bereits wieder gearbeitet. Für die Kunden werden die Banken erst um 11 Uhr geöffnet. Dafür bleiben sie ganze vier Stunden länger geöffnet als sonst, bis gegen Abend.

Wie haben sich die Banken auf den heutigen Tag vorbereitet?
Wegen des erwarteten Ansturms werden in jeder Bankfiliale Sicherheitspersonal und Polizei zu sehen sein. Sie sollen sich zwar diskret verhalten, aber trotzdem für jede Eventualität vorbereitet sein.

Befürchtet man, dass es zu Zwischenfällen kommt?
Die Zyprioten sind eigentlich ein ruhiges Volk, trotzdem weiss man nicht, wie Menschen in Notlagen reagieren können. Viele Bankangestellte wurden gestern noch eiligst zu Kommunikationskursen aufgeboten, um heute angemessen mit den Kunden sprechen zu können.

Wie gross ist die Gefahr, dass die Menschen möglichst schnell ihre Konten leeren wollen?
Ein Bank-Run ist momentan nicht möglich, da man nur begrenzte Beträge abheben kann. Doch wenn diese und weitere Beschränkungen aufgehoben werden, glaube ich, dass sehr viele Menschen rasch ihr Geld abheben wollen. Ich kenne einige, die es dann auf viele Konten in ganz Zypern verteilen wollen. Vielleicht ist das ja ein guter Ratschlag für Menschen in Krisenländern, die dereinst von einer Zwangssteuer betroffen sein könnten.

Erstellt: 28.03.2013, 09:54 Uhr

«Die Zyprioten sind eigentlich ein ruhiges Volk»: Athena Arsalidou, Journalistin bei der grössten Nachrichtenagentur von Zypern.

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