Bericht: Britische Regierung rechnet mit Lebensmittelknappheit

London geht davon aus, dass auch Medikamente und Benzin knapp werden, sollte Grossbritannien ohne Abkommen aus der EU austreten.

Schluck aus der Gefängnistasse: Premier Boris Johnson beim Besuch einer Haftanstalt in Leeds. Bild: Reuters

Schluck aus der Gefängnistasse: Premier Boris Johnson beim Besuch einer Haftanstalt in Leeds. Bild: Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Für den Fall eines harten Brexits rechnet die Regierung in London einem Medienbericht zufolge mit Engpässen bei Lebensmitteln, Benzin und Medikamenten. Sollte Grossbritannien kein Austrittsabkommen mit der EU abschliessen, drohe zudem eine Blockade an den Häfen.

Auch sei eine harte Grenze zu Irland möglich, schreibt die Zeitung «Sunday Times» unter Berufung auf Regierungsdokumente. Die Behörde Cabinet Office prognostiziere in diesen Unterlagen die wahrscheinlichsten Nachbeben eines ungeordneten EU-Austritts Grossbritanniens. Demnach müssten Lastwagen wegen der Zollkontrollen mit Verzögerungen von bis zu zweieinhalb Tagen rechnen. An den Häfen dürften die Störungen bis zu drei Monate dauern, bis sich der Zustand etwas verbessere. Ausserdem könnte es zu landesweiten Protesten kommen.

Der britische Premierminister Boris Johnson hat angekündigt, den Brexit spätestens am 31. Oktober vollziehen zu wollen, mit oder ohne einem Abkommen mit der EU. Ende Juli hatte Johnson erklärt, die Vorbereitungen für einen Austritt ohne Vertrag in allen Bereichen zu beschleunigen - von den Häfen über Banken bis zu den Spitälern.

Widerstand im Unterhaus

Mit seinem harten Kurs dürfte Johnson jedoch auf Widerstand im Unterhaus stossen, das sich Mitte März explizit gegen einen ungeregelten Brexit ausgesprochen hatte. Allerdings fand auch der von Johnsons Vorgängerin Theresa May mit der EU ausgehandelte Austrittsvertrag im Parlament keine Mehrheit.

Stein des Anstosses ist die sogenannte Backstop-Regelung zur Grenze zwischen der britischen Provinz Nordirland und dem EU-Land Irland. Dort soll es nach dem Willen von Brüssel auf keinen Fall wieder Kontrollen geben. Ansonsten wird ein Wiederaufflammen der Gewalt befürchtet, wie in den Jahrzehnten vor dem Nordirland-Friedensabkommen von 1998.

Möglicher Konjunkturkiller

Ein ungeregelter EU-Ausstieg, der Handelsströme und Lieferketten zu unterbrechen droht, wird als Konjunkturkiller gefürchtet. Er dürfte die Wirtschaft nach Ansicht der britischen Notenbank letztlich in die Rezession stürzen.

Aus Regierungskreisen verlaute, Johnson wolle die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron in der kommenden Woche darüber in Kenntnis setzen, dass das britische Parlament den Brexit nicht blockieren könne. Johnson will sich mit seinen europäischen Amtskollegen noch vor dem G7-Gipfel vom 24. bis 26. August im französischen Biarritz treffen. (sda/red)

Erstellt: 18.08.2019, 16:15 Uhr

Artikel zum Thema

Brexit: Britische Spitzenforscher sind wütend

Wissenschaftler befürchten grossen Schaden durch den Brexit für die Universitäten des Landes. Zusagen von Boris Johnson können sie nicht besänftigen. Mehr...

Schweiz will bei No-Deal-Brexit auf Inländervorrang verzichten

Der Bundesrat hat ein Abkommen in die Vernehmlassung geschickt, das die Arbeitsmarktzulassung zwischen Grossbritannien und der Schweiz im Falle eines chaotischen Brexits regelt. Mehr...

Die Milliardenversprechen des Boris Johnson

Grossbritanniens Premier kündigt seit Amtsantritt eine ganze Menge Investitionen an – auch bei einem No-Deal-Brexit. Geld geflossen ist bisher wenig. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Nachhaltige Anlagen bringen einen doppelten Gewinn

Nachhaltige Anlagen rentieren doppelt: für Umwelt und Gesellschaft wie auch für Sie als Anlegerin und Anleger. Die nachhaltigen Migros-Bank-Fonds ermöglichen Ihnen sichere Investments mit gutem Gewissen

Kommentare

Die Welt in Bildern

Hier tanzt man zwangsläufig auf mehreren Hochzeiten: Unzählige Brautpaare versammeln sich vor dem Stadthaus von Jiaxing, China. Sie geben sich das Ja-Wort bei einer Massenheirat. (22. September 2019)
Mehr...