Bestechungsgelder, Fake-Identitäten und Escort-Girls

Die Trump-Helfer von Cambridge Analytica machen weltweit Kampagnen gegen Politiker. Das zeigt eine Undercover-Recherche.

Alexander Nix, Chef von Cambridge Analytica, erklärt seine Wahlkampfmethoden, der etwas anderen Art. (Video: Tamedia/Channel 4)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die britisch-amerikanische Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica (CA) hat nicht nur die Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern für den US-Wahlkampf missbraucht. Sie operiert auch sonst mit äusserst dubiosen Methoden. Wenn es darum geht, Wahlkämpfe zu beeinflussen und missliebige Politiker zu diskreditieren, wie der britische TV-Sender Channel 4 am Montagabend berichtete. Ein Reporter mit versteckter Kamera hatte sich mit führenden Leuten von CA getroffen. Die Treffen fanden von November 2017 bis Januar 2018 in Londoner Hotels statt. Bei seiner Recherche gab der Journalist vor, ein Vertreter einer reichen Familie in Sri Lanka zu sein, die für den Erfolg mehrerer Kandidaten bei einer Wahl in ihrem Land sorgen wolle.

Digitale Manipulationen und politischen Täuschungen: Das sind zentrale Bestandteile des Geschäftsmodells der Datenanalyse-Firma, die bisher sehr erfolgreich unterwegs war. Bei den Treffen mit CA-Chef Alexander Nix und anderen führenden Leuten des Unternehmens erfuhr der Channel-4-Reporter, mit welchen Methoden Politiker, also politische Gegner der Auftraggeber, zum Ziel von Schmutzkampagnen gemacht werden können. Dabei soll Nix mit Erpressungsversuchen und anderen fiesen Tricks geprahlt haben. So erzählte Nix, dass man «Mädchen zum Haus des Kandidaten schicken kann». Er empfahl ukrainische Escort-Girls. «Sie sind sehr schön, das funktioniert sehr gut.» Solche Treffen könnten später im Internet publik gemacht werden.

Allerlei schmutzige Tricks: Der Channel-4-Bericht über Cambridge Analytica. Quelle: Youtube/Channel 4 News

Im Weiteren sprach Nix davon, dass man einem Kandidaten grosse Geldsummen übergeben könne, wenn man wisse, dass dieser Geld brauche, etwa für den Kauf eines Hauses. «Das Ganze wird heimlich auf Video aufgenommen und später veröffentlicht.» Kein Problem seien auch falsche Identitäten im Internet und auf Social Media. Die Schmutzkampagnen würden diskret lanciert. «Wir lassen die Informationen in die Blutbahnen des Internets einfliessen und schauen zu, wie die Sache wächst», sagte Mark Turnball, Managing Director von CA. «Ab und zu geben wir noch einen kleinen Stoss.» Wichtig sei, dass zu keinem Zeitpunkt der Eindruck einer Propagandaaktion entstehe, die zu den Fragen führen könne, wer das gemacht habe und wem dies alles nütze. Zum Repertoire von CA gehört auch der Einsatz von Spionen.

Wie der Undercover-Reporter weiter erfuhr, hat CA schon bei rund 200 Wahlkämpfen weltweit mitgemischt, so etwa in Nigeria, Kenia, Tschechien, Indien und Argentinien. In Kenia hat CA gemäss eigenen Angaben für die Wiederwahl von Präsident Uhuru Kenyatta gesorgt. In Kenia habe man die gesamte Wahlkampagne geleitet, sagte CA-Chef Nix. Zur Kampagne gehörte auch gezielte Desinformation über politische Gegner.

Bereits bekannt ist, dass die Datenanalyse-Firma in Grossbritannien das Brexit-Lager unterstützte und im Präsidentschaftswahlkampf in den USA Donald Trump half. CA soll der Trump-Kampagne dabei geholfen haben, mit als Werbung geschalteten gezielten Botschaften bei Facebook seine Anhänger zu mobilisieren und zugleich potenzielle Wähler der Gegenkandidatin Hillary Clinton vom Urnengang abzubringen. Inwiefern Cambridge Analytica Trumps Wahlsieg ermöglicht hat, ist umstritten.

Nach den Enthüllungen von Channel 4 hat sich Cambridge Analytica mit einer eigenwilligen Erklärung an die Öffentlichkeit gewandt. Bei Gesprächen mit potenziellen Kunden wolle man herausfinden, ob diese unethische oder illegale Absichten hätten. Das werde bei allen Kundenkontakten routinemässig überprüft, Kunden mit fragwürdigen Wünschen würden ausgefiltert. CA habe nichts zu tun mit den unlauteren Methoden, die im TV-Bericht aufgedeckt wurden. Die Firma soll allerdings versucht haben, die Ausstrahlung des Channel-4-Berichts zu verhindern.

Zu den wichtigsten Geldgebern der Firma Cambridge Analytica gehört der US-Hedgefonds-Milliardär Robert Mercer, ein ausgewiesener Unterstützer der republikanischen Partei und von Trump. Laut der britischen Zeitung «The Observer» war 2016 der damalige Trump-Berater Steve Bannon Chef der Datenanalyse-Firma.

Umfrage

Wie halten Sie es mit Facebook?






(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.03.2018, 12:05 Uhr

Artikel zum Thema

Daten von Millionen Facebook-Nutzern missbraucht

Cambridge Analytica hat mit Facebook-Daten womöglich die US-Wahl beeinflusst. Facebook verschwieg das Datenleck zwei Jahre lang und muss sich jetzt erklären. Mehr...

Diese Firma weiss, was Sie denken

Cambridge Analytica kann mit einer neuen Methode Menschen anhand ihrer Facebook-Profile minutiös analysieren. Und verhalf so Donald Trump mit zum Sieg. Mehr...

Die Big-Data-Firma hinter Trumps Wahlsieg

Cambridge Analytica kennt die Persönlichkeit potentieller Wähler im Detail. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Wettbewerb

Gewinnen Sie einen Flug nach Singapur

Seit Anfang August fliegt Singapore Airlines auch ab Zürich mit einem neu ausgestatteten Airbus A380. Gewinnen Sie zwei Flugtickets.

Kommentare

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Das grösste Tier der Erde: Ein Besucher des Royal National Parks, südlich von Sydney, Australien, betrachtet einen toten Wal, der an die Wattamolla Beach angespült wurde. (24. September 2018).
(Bild: Dean Lewins) Mehr...