«Bis zu 15'000 russische Soldaten wurden in die Ukraine geschickt»

Die russischen Soldatenmütter präsentieren neue Zahlen zum verdeckten Einsatz der russischen Armee in der Ukraine. Sie sind viel höher als bislang angenommen.

Gehört einem öffentlichen Beirat des russischen Verteidigungsministeriums an: Valentina Melnikowa (vorne) und weitere Vertreterinnen der Organisation der Soldatenmütter an einer Pressekonferenz. (Archivbild: AFP/1. März 2005)

Gehört einem öffentlichen Beirat des russischen Verteidigungsministeriums an: Valentina Melnikowa (vorne) und weitere Vertreterinnen der Organisation der Soldatenmütter an einer Pressekonferenz. (Archivbild: AFP/1. März 2005)

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Nach Angaben mehrerer russischer Menschenrechtsorganisationen hat die russische Führung entgegen ihren wiederholten anderslautenden Beteuerungen tausende Soldaten in den Osten der Ukraine entsandt. In den vergangenen zwei Monaten seien insgesamt 10'000 bis 15'000 russische Soldaten in die Ukraine geschickt worden, von denen dort aktuell 7000 bis 8000 im Einsatz seien, sagte die Präsidentin des Komitees russischer Soldatenmütter, Valentina Melnikowa, am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Weitere Menschenrechtsgruppen berichteten ebenfalls über in der Ukraine eingesetzte russische Soldaten.

Melnikowa berief sich auf Informationen, die das Komitee von Soldatenfamilien gesammelt hat. Demnach wurden die im Militär dienenden Männer zunächst zu Übungen und Manövern nahe der ukrainischen Grenze abkommandiert, bevor ihnen eine Kontaktsperre auferlegt worden sei. Melnikowa gehört einem öffentlichen Beirat des Verteidigungsministeriums an. Das Ministerium verweigerte jeden Kommentar zu ihren Angaben. Die russische Führung hat bislang alle Berichte über eine Beteiligung ihrer Armee an den Kämpfen in der Ostukraine dementiert.

Hunderte Soldaten gefallen

Die Zahl der getöteten russischen Soldaten geht inzwischen offenbar in die Hunderte. Sergej Kriwenko von der Gruppe «Bürger und die Armee» und Ella Poljakowa von der Gruppe «Soldatenmütter von St. Petersburg» sagten, dass allein hundert Soldaten des in Tschetschenien beheimateten 18. Infanterieregiments in der Ukraine getötet worden seien. Der Abgeordnete Lew Schlosberg sagte, etwa hundert Fallschirmjäger aus der nordwestlichen Stadt Pskow seien ebenfalls in der Ukraine getötet worden.

Nach Berichten mehrerer Menschenrechtsgruppen erhielten die Familien getöteter Soldaten keine Informationen über den Ort, an dem ihre Angehörigen starben. Die Armeedokumente würden lediglich Todesursachen wie Schusswunden nennen. «Diese Dokumente sind erstaunlich», sagte Poljakowa. Im Standardformular würde die Stelle für den Sterbeort von den Verantwortlichen einfach nicht ausgefüllt. «Dieses Bild kennen wir schon aus Tschetschenien», sagte Poljakowa.

Sie gelten als «ausländische Agenten»

Auch bei ihren Einsatzbefehlen soll die russische Armee demnach auf Schriftstücke weitgehend verzichten. «Alle Befehle sind mündlich», sagte Poljakowa. Die Truppen würden für Übungen in Richtung Ukraine geschickt. Nahe der Grenze sollen sie dann Uniformen wechseln und die Kennzeichnungen ihrer Fahrzeuge übermalen. Dann gehe es weiter in die Ukraine. So wollen es mehrere Menschenrechtsorganisationen erfahren haben.

Menschenrechtsgruppen, die über die Operationen in der Ukraine berichten, geraten nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International unter Druck. Der Kreml versuche deren Berichte zu unterbinden. Auch die von Poljakowa geführten «Soldatenmütter von St. Petersburg» werden offenbar von den Behörden überwacht. Das russische Justizministerium stufte die Gruppe am Freitag als «ausländische Agenten» ein. Mit der Vergabe dieses Status' können die russischen Behörden den Spielraum kritischer Nichtregierungsorganisationen einschränken. (ldc/AFP)

Erstellt: 01.09.2014, 20:08 Uhr

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