Brisanter Bericht wirft Fragen zu Papst-Rücktritt auf

Laut der italienischen Presse könnte der Rücktritt von Benedikt XVI. mit einem Bericht über ein Netzwerk homosexueller Priester zu tun haben.

Was steht sonst noch im Vatileaks-Bericht? Der Petersplatz in Rom.

Was steht sonst noch im Vatileaks-Bericht? Der Petersplatz in Rom. Bild: Keystone

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Laut der italienischen Tageszeitung «La Repubblica» könnte der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. direkt mit der Entdeckung eines Netzwerkes homosexueller Kardinäle in Zusammenhang stehen. Einige dieser Würdenträger sind offenbar «wegen ihrer sexuellen Orientierung» von Auswärtigen erpresst worden.

Die Zeitung bezieht sich auf einen 300-seitigen Geheimbericht zur sogenannten Vatileaks-Affäre, den drei Kardinäle Papst Benedikt XVI. am 17. Dezember 2012 vorlegten. Darin werden offenbar verschiedene Interessengruppen innerhalb des Vatikans beschrieben, unter anderem eine, deren Mitglieder durch ihre «sexuelle Orientierung verbunden sind». Am selben Tag, an dem der Papst den Bericht erhalten hat, soll er sich dann für seinen Rücktritt entschieden haben.

Keine Bestätigung, kein Dementi

Auf Anfrage der Zeitung «La Repubblica» sagte Vatikansprecher Frederico Lombardi: «Weder die Kardinalskommission noch ich werden den Bericht bestätigen oder dementieren.»

Laut der italienischen Zeitung nennt der Bericht eine Reihe von Treffpunkten, an welchen die Mitglieder des besagten Netzwerkes zusammenkamen. Darunter findet sich eine Villa ausserhalb Roms, eine Sauna in einem Vorort der Metropole und ein ehemaliges Universitätsgebäude, welches im Besitz eines Erzbischofs ist.

Der Bericht über ein Netzwerk homosexueller Priester im Vatikan ist nicht der erste dieser Art, so die britische Zeitung «The Guardian». 2010 wurde ein Chormitglied exkommuniziert, weil es angeblich männliche Prostituierte für einen Vertrauten des Papstes organisierte. Wenige Monate später filmte eine Zeitung heimlich Priester, die sich in Schwulenclubs trafen.

Rücktritt aus Gesundheitsgründen

In der Vatileaks-Affäre waren geheime Dokumente des Papstes kopiert und aus dem Vatikan geschmuggelt worden. Sein Kammerdiener Paolo Gabriele wurde deswegen im Oktober zu 18 Monaten Haft verurteilt und später von Benedikt XVI. begnadigt.

Bis zum Rücktritt des Papstes am kommenden Donnerstag ist damit zu rechnen, dass in den Medien weiter über die Beweggründe des 85-jährigen Oberhaupts der katholischen Kirche spekuliert wird. Offiziell tritt Benedikt zurück, weil er sich dem Amt aus Alters- und Gesundheitsgründen nicht mehr gewachsen fühlt. (kpn)

Erstellt: 22.02.2013, 09:52 Uhr

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