Brüderle trifft erstmals auf «Stern»-Autorin

Bei einem Pressegespräch sind Rainer Brüderle und die Stern-Journalistin Laura Himmelreich erstmals seit den Sexismus-Vorwürfen aufeinander getroffen. Der FDP-Fraktionschef schweigt weiterhin.

Auf dem Weg zu dem Treffen in Berlin: Die Journalistin Laura Himmelreich.

Auf dem Weg zu dem Treffen in Berlin: Die Journalistin Laura Himmelreich. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle bleibt bei seinem Schweigen: Auch nach einer Woche will sich der Spitzenliberale nicht zu den Sexismus-Vorwürfen gegen ihn äussern. Er halte an dieser Linie fest, das sei eine «persönliche Entscheidung», sagte Brüderle heute in Berlin. Bei dem Pressegespräch in der Bundeshauptstadt war er erstmals mit der «Stern»-Autorin Laura Himmelreich direkt zusammengetroffen. Sie hatte Brüderle anzügliche Bemerkungen vorgeworfen und hatte damit die aktuelle Sexismus-Debatte ins Rollen gebracht.

Der Vorfall soll sich laut Himmelreich bei einer Veranstaltung in Stuttgart vor gut einem Jahr ereignet haben. Die Vorwürfe im «Stern» wurden aber erst jetzt laut, kurz nachdem die FDP-Gremien Brüderle zum Spitzenkandidat für die Bundestagswahl im Herbst nominiert hatten. Doch blieb Brüderle auch heute eine inhaltliche Antwort schuldig. «Kein Kommentar», sagte er lediglich.

SPD fordert Erklärung von Brüderle

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles hatte den FDP-Politiker zuvor aufgefordert, sein Schweigen zu brechen. «Brüderle verschanzt sich hinter seinen Verteidigern. Er lässt seine Parteifreunde den Eindruck erwecken, als sei er das Opfer. Das ist einer liberalen Partei nicht würdig», sagte Nahles «Spiegel online». «Wenn alles wirklich so passiert ist, wie beschrieben, hat Herr Brüderle eine deutliche Grenze überschritten.» Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, fügte hinzu, Sexismus sei ein Ausdruck immer noch fehlender Gleichberechtigung.

Ähnlich äusserte sich der Fraktionschef der Linkspartei, Gregor Gysi. Vor allem in Unternehmen drückten sich «Herrschaftsverhältnisse» auch in sexistischer Form aus. Männer nutzten in Firmen nicht selten ihre Macht gegenüber Frauen aus, sagte er in Berlin. Er wandte sich allerdings gegen «Überreaktionen»: «Ein Flirt muss gestattet sein.»

Rückendeckung für Brüderle

Rückendeckung erhielt Brüderle indes von Politikwissenschaftler Werner Weidenfeld. Brüderle werde wie ein zweiter Dominique Strauss-Kahn hingestellt - «welch eine Schieflage der Wahrnehmung», sagte Weidenfeld der Zeitschrift «Bunte». Eine New Yorker Hotelangestellte hatte dem früheren IWF-Direktor Strauss-Kahn Vergewaltigung vorgeworfen. Ein Strafverfahren war jedoch wegen Zweifeln an der Glaubwürdigkeit der Frau eingestellt worden. Weidenfeld empfahl Brüderle daher, seine Sicht des Vorfalls zu erzählen. Vielleicht sei es nur zu «Missverständnissen» gekommen.

Regisseur Dieter Wedel bezeichnete die Sexismus-Diskussion als «viel Lärm um Nichts». Auch Schauspieler Sky Du Mont kann dem Trubel nichts abgewinnen. «Da wird ein verdienter Politiker vorgeführt, um die Auflage zu steigern», sagte er der Illustrierten. Aus seiner Sicht sollte es weiterhin erlaubt sein, Komplimente zu machen, «sonst wird die Welt ärmer und kälter».

Wegen Brüderle: Berufsverbot für Journalistinnen?

Parallel zu Brüderle entspann sich eine Diskussion über FDP-Vorstandsmitglied Wolfgang Kubicki. Dieser hatte nach den Vorwürfen gegen Brüderle angekündigt, er wolle künftig keine Journalistinnen mehr als Wahlkampfbegleitung in seinem Fahrzeug mitnehmen. Die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer warf Kubicki daraufhin vor, er fordere damit quasi ein «Berufsverbot für Journalistinnen». In einem Beitrag der «Frankfurter Allgemeine Zeitung» schriebt die Verlegerin der Frauenzeitschrift «Emma»: «Müssen Journalistinnen also jetzt Burka tragen, um noch Männer interviewen zu können?» (wid/dapd)

Erstellt: 30.01.2013, 17:42 Uhr

Artikel zum Thema

«Das hat nichts mit gutem Journalismus zu tun»

Deutschland debattiert über die Sexismus-Anschuldigungen gegen FDP-Politiker Rainer Brüderle: Im Vorwurf einer «Stern»-Journalistin, sie sei von ihm sexuell bedrängt worden, sehen viele politisches Kalkül. Mehr...

«Altherrenrunden müssen Distanz lernen»

Weiter Wirbel um den Sexismus-Vorwurf gegen den deutschen FDP-Politiker Rainer Brüderle. Die Debatte über sexuelle Belästigung im Polit-Alltag ist lanciert. Immer mehr Journalisten melden sich zu Wort. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blogs

Mamablog Wenn Kinder sich selbst im Weg stehen

Sweet Home Die neue Moderne

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Bitte lächeln: Frankie die Bordeauxdogge stellt sein Löwenkostüm zur Schau. Er nimmt mit seinem Herrchen an der Tompkins Square Halloween Hundeparade in Manhattan teil (20. Oktober 2019).
(Bild: Andrew Kelly) Mehr...