China bestätigt Festnahme des Interpol-Chefs – jetzt tritt er zurück

Nach fast zwei Wochen hat China erklärt, gegen Meng Hongwei werde ermittelt. Kurz später folgt sein Rücktrittsschreiben.

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Die Entwicklungen in der Affäre um den seit knapp zwei Wochen verschwundenen Präsidenten der internationalen Polizeibehörde Interpol erfolgten am Sonntag Schlag auf Schlag. Zunächst äusserte sich China zum Fall und bestätigte, dass Meng Hongwei festgenommen worden sei. Gegen ihn werde wegen des «Verdachts auf Gesetzesverstösse» ermittelt. Es war die erste Reaktion Pekings auf das Verschwinden des 64-jährigen Meng.

Wenige Stunden nach der Erklärung Chinas gab Interpol bekannt, die Organisation habe ein Rücktrittsschreiben Mengs erhalten. Der Chinese trete mit sofortiger Wirkung zurück. An einer Konferenz in Dubai im November soll ein neuer Präsident bestimmt werden. Bis dahin werde der aktuelle Vizepräsident, der Südkoreaner Jong Yang, die Organisation interimistisch führen.

Nach dem rätselhaften Verschwinden des Interpol-Präsidenten hatte die internationale Polizeiorganisation am Samstag eine Stellungnahme Chinas über den Verbleib von Meng Hongwei gefordert. Interpol habe die chinesischen Behörden um Klärung des «Status des Interpol-Präsidenten» gebeten, teilte Interpol-Generalsekretär Jürgen Stock über die Internetseite der Polizeiorganisation und via Twitter mit.

Von nationaler Disziplinarkommission abgeführt

Der Chinese Meng war am 25. September zu einem Besuch in seinem Heimatland China eingetroffen. Seine Frau gab an, seitdem nichts mehr von ihm gehört zu haben. Normalerweise würden sie sich täglich austauschen, wenn ihr Mann auf Reisen sei. Die französische Justiz hatte am Freitag öffentlich erklärt, dass sie zum Verbleib des Behördenchefs ermittle.

Laut einem Bericht der Hongkonger Zeitung «South China Morning Post» von vergangener Woche wurde der 64-Jährige bei seiner Ankunft in Peking von Vertretern der nationalen Disziplinarkommission abgeführt. Diese Behörde gab nun auch die Ermittlungen gegen Meng bekannt. Sie ist unter anderem für die Verfolgung von Korruption in den Reihen der Staatsbediensteten zuständig.

Meng war im November 2016 als erster chinesischer Regierungsvertreter an die Spitze von Interpol gewählt worden. Zuvor war der studierte Jurist in China stellvertretender Minister für öffentliche Sicherheit.

(mch/afp)

Erstellt: 07.10.2018, 19:15 Uhr

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