Das Atomkraftwerk Fessenheim wird nicht stillgelegt

Die französische Agentur für Atomaufsicht will den Betrieb aufrechterhalten, fordert aber strengere Sicherheitsvorkehrungen. Das AKW liegt 35 Kilometer von Basel entfernt.

Fessenheim hat den Stresstest bestanden: Demonstranten an der deutsch-französischen Grenze forderten im April 2011 die Abschaltung des AKWs.

Fessenheim hat den Stresstest bestanden: Demonstranten an der deutsch-französischen Grenze forderten im April 2011 die Abschaltung des AKWs. Bild: Keystone

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Das älteste französische Atomkraftwerk Fessenheim kann ebenso wie die anderen 57 Reaktoren Frankreichs weiter betrieben werden. Die französische Agentur für Atomaufsicht (ASN) setzte aber eine sechsmonatige Frist, um die Atomanlagen für den Katastrophenfall sicherer zu machen.

Die Betreiber sollten bis 30. Juni konkrete Massnahmen zur Verbesserung der Sicherheit vorlegen, teilte die ASN am Dienstag in Paris mit. Damit sollten schwere Unfälle verhindert oder ihre Auswirkungen eingedämmt werden. Es müsse aber kein Meiler sofort abgeschaltet werden.

35 Kilometer von Basel entfernt

Die ASN hatte nach der Katastrophe im japanischen Fukushima alle französischen Atomanlagen einer Sicherheitsprüfung unterzogen. Bei diesen Stresstests wurde geprüft, wie die Anlagen gegen Erdbeben und Überschwemmungen geschützt sind und wie sie auf einen Stromausfall und das Versagen des Kühlkreislaufs reagieren.

Atomkraftgegner hatten gefordert, zumindest das AKW Fessenheim stillzulegen. Das 35 Kilometer von Basel entfernte Kraftwerk mit den beiden 900 Megawatt-Reaktoren ist seit 1977 in Betrieb und liegt im elsässischen Fessenheim nahe des Rheins.

Angst vor Rhein-Verschmutzung

Die Betonplatte unter dem Reaktorbehälter von Block 1 ist nach ASN-Angaben nur eineinhalb Meter dick und damit die dünnste aller französischen Reaktoren. Bei einem schweren Unfall mit Kernschmelze könnte die Platte bersten und eine radioaktive Verseuchung des Rheins verursachen, fürchten Atomgegner.

Im Juli hatte die französische Atomaufsicht eine Laufzeitverlängerung von zehn Jahren für Block 1 des AKW empfohlen. Sie verband dies aber mit der Forderung nach einer Reihe technischer Nachbesserungen. Seit der Atomkatastrophe in Japan schlossen sich zahlreiche schweizerische, deutsche und elsässische Gemeinden der Forderung nach einer Stilllegung des AKW Fessenheim an. Im Elsass verlangten rund 400 Regionalpolitiker in einem offenen Brief an Staatschef Nicolas Sarkozy, das «veraltete» Kraftwerk zu schliessen. (mpl/sda)

Erstellt: 03.01.2012, 13:06 Uhr

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