Das Elsass soll es so nicht mehr geben

Paris plant die Zusammenlegung von 22 Departementen. Das hätte Auswirkungen auf die Schweiz.

Ein Demonstrant in Strasbourg zeigt, was er von der geplanten Zusammenlegung verschiedener Departemente hält - nämlich eher nichts. (28. Juni 2014)

Ein Demonstrant in Strasbourg zeigt, was er von der geplanten Zusammenlegung verschiedener Departemente hält - nämlich eher nichts. (28. Juni 2014) Bild: Vincent Kessler/Reuters

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Inwieweit der Steuerstreit um den Flughafen Basel-Mulhouse mit einer in Frankreich geplanten Umstrukturierung der Departemente zusammenhängt, ist unklar. Doch die Regierung des französischen Präsidenten François Hollande und vor allem Premierminister Manuel Valls räumen dem Projekt hohe Priorität ein. Bis 2017 schon könnten dann die elsässischen Departements Haut-Rhin und Bas-Rhin ausgedient haben und in ein grösseres Gebilde übergehen. Grund: In Paris erachtet man die heutigen 22 Regionen als zu kleinformatig. Durch die Zusammenlegungen sollen die Gebiete wirtschaftlich gestärkt werden – dass damit historisch gewachsene Anbindungen neu definiert werden müssen, stört die Planer in Paris wenig.

Ganz anders im Elsass. Dort formiert sich Widerstand quer durch die Bevölkerung. Am Radio machen nicht bös gemeinte Witze über die künftigen Regionen Lorraine und Champagne-Ardenne die Runde. Und im Internet und über Demonstrationen formiert sich immer mehr Elsässer Widerstand gegen diese Reissbrettmassnahme von einem Pariser Schreibtisch.

Vor einer Woche erst hat Charles Buttner, Conseil Général des Departements Haut-Rhin, die neu gewählten Parlamentsabgeordneten aus Haut-Rhin aufgefordert, ihn wissen zu lassen, wie sie zum Regierungsprojekt stehen. Denn sie stimmen im Oktober über einen entsprechenden Gesetzestext ab, der die Fusion einleiten soll. In seinem Schreiben äussert Buttner seine grosse Sorge und fordert die Abgeordneten aus der Region im französischen Parlament auf, den Kampf gegen diesen Blödsinn aufzunehmen.

Mulhouse verliere an Bedeutung

Neu würde das Elsass den Regionen Lorraine und Champagne-Ardenne zugeteilt. Damit würden sich Gewichtung und Ausrichtung des Elsasses ändern, das historisch wie sprachlich, aber auch durch viele Partnerschaftsverträge politisch eng mit dem deutschen Bundesland Baden-Württemberg und der Schweiz verbunden ist.

Zu den entschiedensten Gegnern gehört die regionalpatriotische Elsässer Organisation «Alsace d’abord» mit dem Präsidenten Jacques Cordonnier. Der französische Präsident François Hollande, Manuel Valls und die hohen Funktionäre in Paris seien dabei, eine brutale Territorial-Reform vorzubereiten, die alles zu zerstören droht, was in den vergangenen Jahren auf regionaler Ebene aufgebaut und erreicht worden sei, heisst es bei «Alsace d’abord».

Käme diese Gebietsfusion, würde Mulhouse seine Stellung und Bedeutung als wichtiges Zentrum einbüssen, denn die ganze Region würde dann auf Strasbourg oder Metz ausgerichtet. Was diese Umstrukturierung für die Schweizer Partner in den Kantonen bedeutet, ist offen, ebenso wie weit die heutigen Verträge noch gültig wären. (Basler Zeitung)

Erstellt: 20.08.2014, 09:53 Uhr

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