«Das Kriegsrisiko für die Ostukraine steigt»

Erst die Krim – und dann Transnistrien? Der russische Truppenaufmarsch an der ukrainischen Grenze sorgt im Westen für Besorgnis. Dort befürchtet man eine akute Bedrohung – auch für das angrenzende Moldau.

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Auf der Krim rückten russische Soldaten am Wochenende in weitere ukrainische Militäreinrichtungen ein. Als eine der letzten Stützpunkte übernahmen sie den Fliegerhorst Belbek und den Marinestützpunkt Nowofedorowka. In Belbek gaben sie Schüsse ab und setzten Blendgranaten ein.

Das russische Militär hatte bereits zu Beginn der Krimkrise die Landebahn und die Kampfflugzeuge in Belbek unter ihre Kontrolle gebracht. Gestern übernahmen sie auch das Waffendepot, die Kasernen und eine Leitstelle.

Über 189 ukrainischen Militärstützpunkten wehe nun die russische Fahne, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Im Hafen von Sewastopol wurde auch eines der letzten ukrainischen Marineschiffe erobert. Die Kapitäne der ukrainischen Kriegsschiffe hatten Schiessbefehl. Dieser sei aber nicht befolgt worden, sagte Verteidigungsminister Igor Tenjuch.

Will Putin noch mehr?

Die ukrainische Übergangsführung fürchtet, dass Russland mehr will. So warnte sie, die russischen Truppen an der Ostgrenze des Landes seien «jederzeit zu einem Angriff bereit». Das Ziel von Russlands Staatschef Wladimir Putin sei «nicht die Krim, sondern die gesamte Ukraine», sagte der Chef des ukrainischen Sicherheits- und Verteidigungsrats, Andrij Parubij.

Auch der ukrainische Aussenminister Andrej Deschtschyzja warnte vor der wachsenden Gefahr eines Krieges. Keiner wisse, was Putin im Sinn habe, sagte er in einem Interview mit dem US-Sender ABC. Er sprach von einem steigenden Kriegsrisiko. Auch der Nato-Oberkommandant Philip Breedlove äusserte sich besorgt. An der Ostgrenze der Ukraine stehe eine «sehr grosse und einsatzbereite Streitmacht», sagte der US-General in Brüssel. Es seien genügend Truppen dort, um nach Transnistrien zu gelangen, der abtrünnigen Region Moldawiens.

Das russische Verteidigungsministerium dementierte seinerseits, Truppen in übergrosser Zahl an der ukrainischen Ostgrenze stationiert zu haben. In den vergangenen Wochen seien auch internationale Beobachter der OSZE in entsprechenden Gegenden gewesen, sagte Vizeverteidigungsminister Anatoli Antonow laut der Nachrichtenagentur Interfax.

Neue OSZE-Beobachtermission

Die derzeit von der Schweiz präsidierte Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) brachte am Wochenende kurz nach der Einwilligung Russlands eine neue Beobachtermission auf den Weg. Am Anfang sollen der Mission rund 100 Beobachter angehören; insgesamt können bis zu 500 Experten entsandt werden, wie OSZE-Sprecherin Tatyana Baeva in Wien mitteilte.

Die Beobachter sollen Informationen über die Sicherheitslage und den Schutz von Minderheiten in der Ukraine sammeln. Moskau hatte am Freitagabend seinen Widerstand gegen die Mission aufgegeben. Auf die Krim dürfen die Beobachter jedoch vorerst nicht. Dies war auch schon den OSZE-Militärbeobachtern vor der Krimabstimmung verwehrt worden.

Stromausfall auf der Krim

In mehreren Regionen der Krim ist am Sonntagabend der Strom ausgefallen. Bewohner der Bezirke Feodosija und Dshankoj berichteten von Stromausfällen, in der Hauptstadt Simferopol blieb die zentral gelegene Karl-Marx-Strasse sowie eines der grossen Hotels im Dunkeln.

Der pro-russische Regierungschef Serkej Aksjonow bestätigte über Twitter Probleme mit der Stromversorgung in Teilen von Simferopol, Jalta, Kertsch und Feodosija. Die Gründe dafür kenne er aber nicht.

Für die Strom- und Wasserversorgung der Halbinsel ist die Ukraine zuständig. Nach einem Referendum über eine Abspaltung hat jedoch Russland die Krim inzwischen in sein Staatsgebiet aufgenommen. Aksjonow hatte am Sonntag den Bau von Kraftwerken angekündigt, um die Krim unabhängig von der ukrainischen Stromversorgung zu machen. (ajk/chk/AFP/sda/AP)

Erstellt: 23.03.2014, 20:22 Uhr

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