Das Opfer wird schlechtgemacht

Worauf muss die Klägerin gegen den Ex-IWF-Chef Strauss-Kahn gefasst sein? Andere Vergewaltigungsprozesse geben Hinweise.

Neben ihm steht nun auch das mutmassliche Opfer unter der Beobachtung der Öffentlichkeit: Dominique Strauss-Kahn.

Neben ihm steht nun auch das mutmassliche Opfer unter der Beobachtung der Öffentlichkeit: Dominique Strauss-Kahn. Bild: Reuters

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Er ist weltweit bekannt, sein Stern jedoch am Verglühen, nachdem er einer versuchten Vergewaltigung beschuldigt worden ist. Dominique Strauss-Kahns angebliches Opfer hingegen verbleibt bis auf weiteres in der Anonymität. Wie in Frankreich, wo die Namen der Opfer von Sexualverbrechen publik gemacht werden können, gestattet auch das amerikanische Recht die Namensnennung; anonym bleibt die Frau nur, weil die US-Medien sich darauf geeinigt haben, die Namen von Opfern grundsätzlich nicht zu publizieren.

Die Identität der Frau dürfte aber schon bald gelüftet werden: Sie wird vor Gericht gegen Strauss-Kahn aussagen müssen und damit zum Spielball öffentlicher Spekulation werden – gleichgültig, ob sie die Wahrheit sagt oder Strauss-Kahn fälschlich der Vergewaltigung bezichtigt hat. Die Verteidiger des ehemaligen IWF-Direktors werden die Aussagen der Frau zu erschüttern versuchen und behaupten, der sexuelle Kontakt zwischen ihrem Mandanten und der westafrikanischen Einwanderin sei einvernehmlich gewesen. Das Leben der Frau wird in allen Einzelheiten öffentlich seziert werden mithilfe einer von den Strafverteidigern beauftragten Privatdetektei. Auch wurde am Wochenende bekannt, dass Strauss-Kahns Anwälte zwecks Image-Politur die Washingtoner PR-Firma TD International konsultiert haben, die von ehemaligen CIA-Mitarbeitern und Diplomaten geleitet wird.

Prominente Freigesprochene

Aufschluss über das mögliche Vorgehen der Verteidigung gegen die Frau gibt der Prozess gegen den Basketball-Superstar Kobe Bryant 2003: Der Profi wurde von der 20-jährigen Katelyn Faber beschuldigt, sie in einem Hotel in Colorado vergewaltigt zu haben. Bryant behauptete, der Sex sei einvernehmlich gewesen. Nach der Anklageerhebung ging die Verteidigung des Basketballers aggressiv gegen Faber vor und wies vor Gericht unter anderem nach, dass sie zum Zeitpunkt der angeblichen Tat mehrere Sexualpartner hatte und Medikamente gegen Psychose nahm. Das Privatleben der jungen Frau wurde systematisch durchforscht, die Anklage gegen Bryant mangels Beweisen schliesslich fallen gelassen.

Ähnlich verlief die Vergewaltigungsklage gegen William Kennedy Smith, einen Neffen von Senator Ted Kennedy. Nachdem er 1991 beschuldigt worden war, die 29-jährige Patricia Bowman in Palm Beach vergewaltigt zu haben, behauptete auch er, der Geschlechtsverkehr sei beiderseits freiwillig gewesen. Seine Anwälte zeichneten Bowman mithilfe des bekannten Privatdetektivs Anthony Pellicano als Säuferin, die in Bars herumhängte und mit Männern anbändelte. Smith wurde freigesprochen. Implodiert die Anklage gegen Strauss-Kahn in New York, könnte er gegen seine Beschuldigerin eine Zivilklage wegen Verleumdung einreichen – was eher unwahrscheinlich ist. Der Franzose dürfte die Sache hinter sich lassen wollen, und von einer Putzfrau könnte er kaum Schadensersatz erwarten.

Sie hingegen könnte eine Zivilklage gegen Strauss-Kahn sehr wohl erwägen. Dadurch würde indes der Verdacht geschürt, die Frau habe Strauss-Kahn des Geldes wegen beschuldigt. Darum lehnt ihr Anwalt Jeffrey Shapiro eine Zivilklage bisher kategorisch ab. Eine solche könnte seine Mandantin aber zu einem späteren Zeitpunkt anstrengen. Eine Zivilklage erfordert weniger Beweise als eine Anklage vor einem Strafgericht, zumal Strauss-Kahn als Multimillionär ein hervorragendes Ziel für hohe Schadensersatzforderungen böte. Zu erwarten wäre eine solche Klage vor allem dann, wenn der ehemalige IWF-Direktor verurteilt wird.

Erstellt: 22.05.2011, 21:35 Uhr

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