Das Pfand in Moskaus Faust

Seit sieben Monaten hält Russland die Ukrainerin Nadija Sawtschenko fest.

Im Untersuchungsgefängnis statt in Strassburg: Die ukrainische Kampfpilotin Nadija Sawtschenko ist seit sieben Monaten in russischer Haft.

Im Untersuchungsgefängnis statt in Strassburg: Die ukrainische Kampfpilotin Nadija Sawtschenko ist seit sieben Monaten in russischer Haft.

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Die Parlamentarische Versammlung des Europarats tagt diese ­Woche. Doch der Platz von Nadija Sawtschenko im Plenum ist leer geblieben. Statt in Strassburg sitzt die ukrainische Kampfpilotin in Moskau – in einem Untersuchungsgefängnis. Es ist bereits ihr siebter Monat in russischer Haft, seit 45 Tagen befindet sie sich zudem im Hungerstreik. Sie habe schon 15 Kilo an Gewicht verloren, sagt ihr Anwalt Mark Feygin. Sawtschenkos Zustand sei besorgniserregend. Die 34-Jährige sei so geschwächt, dass die Ärzte ihr über einen Tropf Glukose verabreichten.

Die russischen Ermittler werfen Sawtschenko vor, schuld zu sein am Tod zweier Mitarbeiter des russischen Staatsfernsehens, die im Juni bei einer Explosion in der Nähe von Luhansk ums Leben kamen. Sie habe deren Aufenthaltsort an die ukrainischen Streitkräfte verraten. Drei Wochen nach der tödlichen Explosion wurde bekannt, dass Sawtschenko in der Stadt Woronesch in Zentralrussland in Einzelhaft sitzt. Laut den Behörden soll sie festgenommen worden sein, als sie ohne Papiere die Grenze zu Russland überquerte. Allerdings war sie schon vorher auf ukrainischem Boden in Gefangenschaft der Separatisten geraten. Kiew geht daher davon aus, dass sie verschleppt wurde.

Heldin in der Heimat

Sawtschenkos Verteidiger haben den russischen Ermittlern Verbindungsdaten ihres Mobiltelefons vorgelegt, die belegen sollen, dass sie bereits Stunden vor dem tödlichen Angriff auf die Reporter von prorussischen Kämpfern festgenommen wurde und sich nicht in der Nähe aufgehalten hatte. Während ihrer Einzelhaft in Woronesch wurde ukrainischen Diplomaten über Wochen ein Besuch verwehrt.

In ihrer Heimat ist Sawtschenko zu einer Heldin geworden. Als erste Pilotin in der ukrainischen Armee war sie bereits zuvor bekannt. Bei der Parlamentswahl im Oktober setzte die Vaterlandspartei von Julia Timoschenko sie auf den ersten Listenplatz. Die neu gebildete Rada wählte sie darauf zur Delegierten für den Europarat. Mit dem Start der neuen Sitzungsperiode in Strassburg erlange sie vollen Diplomatenstatus, argumentieren Sawtschenkos Verteidiger. Ein weiterer Grund, warum die Strafverfolgung rechtswidrig sei.

In der vergangenen Woche hatte die Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung, Anne Brasseur, noch einmal den russischen Duma-Vorsitzenden Sergei Naryschkin gebeten, sich für Saw-tschenko einzusetzen. Vergeblich: Seit der Europarat den Delegierten aus Russland wegen des Konflikts um die Ukraine das Stimmrecht entzogen hat, wird auch diese Institution in Moskau als Gegner in einem Konflikt mit dem Westen betrachtet. Und dabei ist Nadija Sawtschenko inzwischen ein Faustpfand Moskaus.

Erstellt: 28.01.2015, 20:08 Uhr

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