Das neue Protestvideo von Pussy Riot

Mit einem neuen Song und Protesten gegen einen umstrittenen Prozess in Moskau verschärfen Pussy Riot ihre Kritik am russischen Präsidenten.

«Putin wird dir beibringen, die Heimat zu lieben»: der neue Protestsong von Pussy Riot. (Quelle: PussyRiot/Yotube)


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Die regierungskritische russische Punkband Pussy Riot hat heute ein Protestvideo aus der Olympiastadt Sotschi präsentiert. Der Song mit dem Titel «Putin wird dir beibringen, die Heimat zu lieben» ist mit Bildern von Aktionen der Gruppe in Sotschi unterlegt, darunter auch den Szenen eines Angriffs einer Kosaken-Miliz auf die Mitglieder der Band von gestern.

Ihre Behandlung in Sotschi sei symptomatisch für die Unterdrückung von Dissidenten in Russland, sagte Nadeschda Tolokonnikowa, die gemeinsam mit ihrer Bandkollegin Maria Aljochina erst im Dezember nach fast zwei Jahren aus der Haft entlassen worden war, bei einer Pressekonferenz. «Die Olympischen Spiele haben den Polizeistaat in ein totalitäres Regime mit vorauseilenden Festnahmen verwandelt. Die Olympischen Spiele haben ein Umfeld massiver Menschenrechtsverletzungen in Russland geschaffen. Uns wird verboten, hier unsere Meinung zu sagen», sagte Tolokonnikowa. Die Protestaktionen der vergangenen Woche seien Teil eines «aktiven Boykotts» der Spiele. Immer wieder wurden sie und andere Sprecher bei der Pressekonferenz von kremltreuen Aktivisten gestört.

Von Kosaken attackiert

In ihrem neuen Song «Putin wird dir beibringen, die Heimat zu lieben», der auf Youtube online gestellt wurde, lassen Pussy Riot ihre Erlebnisse in Sotschi einfliessen. «Sotschi abgeriegelt/der Olymp unter Beobachtung/Durch Gewehre und Massen von Polizisten», heisst es etwa in dem Text.

Am Mittwoch hatten eine Kosaken-Miliz, die zu den offiziellen russischen Sicherheitskräften bei den Olympischen Spielen gehört, die Gruppe - fünf Frauen und einen Mann - mit Pferdepeitschen und Pfefferspray attackiert, als sie in ihren Sturmhauben vor einem Olympia-Logo einen Song spielen wollten. Zuvor waren sie bereits nach einer anderen Protestaktion von der Polizei verhört worden.

«Ist das Euer Ernst? Peitscht die Polizei in Russland Pussy Riot wirklich dafür aus, dass sie auf der Strasse Musik machen», schrieb US-Popstar Madonna, einer der bekanntesten Fans der Gruppe, auf Twitter. Das Internationale Olympische Komitee verurteilte den Angriff und bezeichnete die Bilder als «sehr beunruhigend».

Aktivistinnen verlassen Sotschi

Mit der Präsentation des Videos beendeten Pussy Riot ihren Aufenthalt in der Olympiastadt und reisten nach Moskau. Dort wollten sie bei den Urteilsverkündungen gegen 20 Demonstranten dabei sein, die nach Krawallen am Tag vor der Vereidigung von Putin festgenommen worden waren. Eine maskierte Pussy-Riot-Aktivisten sagte, die Gruppe habe mit dem Protest in Sotschi auch auf den Prozess aufmerksam machen wollen und bezeichnete diesen als «die grösste Schande des modernen Russland». Einigen der damals Festgenommenen drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Tolokonnikowa und Aljochina haben nach ihrer Haftstrafe wegen der Aufführung eines Protestsongs in einer Moskauer Kirche nur wenige öffentliche Auftritte absolviert und sich auf ihre eigene Organisation zum Schutz politischer Häftlinge konzentriert. (ldc/sda)

Erstellt: 20.02.2014, 16:16 Uhr

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