Das passiert bei «Oxi» oder «Nai»

Noch nie hatte eine Abstimmung eine so weitreichende Auswirkung auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft des Eurostaats. Was für Folgen hat das «Nein» oder «Ja»?

Wahl zwischen Cholera und Pest: Die Griechen entscheiden heute über die Zukunft ihres Landes.

Wahl zwischen Cholera und Pest: Die Griechen entscheiden heute über die Zukunft ihres Landes. Bild: Louisa Gouliamaki/AFP

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Ja

Das «Ja»-Szenario

Ein «Ja» der Griechen zu den Vorschlägen der internationalen Geldgeber könnte den Weg zu weiteren Finanzhilfen frei machen. Jedoch könnte es auch zum Rücktritt der Regierung von Tsipras führen, der seine Landsleute zum «Nein» aufgerufen hat.

Sollte die Regierung zurücktreten, könnten die Parteien im Parlament versuchen, eine Einheitsregierung zu bilden. Das dürfte wegen der grossen Differenzen zwischen der linken Syriza-Partei von Tsipras und der konservativen Opposition schwierig werden. Neuwahlen sind frühestens nach 30 Tagen möglich. Eine lange Phase der Unsicherheit wäre für das Land, das ohnehin vom Bankrott bedroht ist, aber extrem schädlich.

Als nächstes steht die Rückzahlung grösserer Kredite an, darunter zwei Milliarden Euro an die Europäische Zentralbank (EZB). In jedem Fall würde ein «Ja»-Votum nicht sofort zum Abschluss eines neuen Hilfsprogramms mit den Geldgebern von Europäischer Union, Internationalem Währungsfonds und EZB führen. Mehrere Parlamente, darunter der Bundestag, der bereits in der Sommerpause ist, müssten einer Einigung zustimmen.

In der Zwischenzeit müsste eine technische Lösung gefunden werden, um Staat und Wirtschaft am Laufen zu halten und einen Kollaps des Bankensystems zu verhindern.

Ob Ja oder Nein, es bleibt dasselbe: Eine griechische Journalistin twittert ihre Cupcakes.

Nein

Das «Nein»-Szenario

Ein «Nein» würde eine Einigung mit den Geldgebern erschweren. Tsipras hat zwar gesagt, dass ein «Nein» die Verhandlungsposition Griechenlands stärken werde, und Varoufakis zeigte sich zuversichtlich, dass es bereits am Montag nach dem Votum ein Abkommen geben werde. Allerdings ist völlig unklar, ob die Geldgeber im Fall eines «Nein» «überhaupt zu neuen Verhandlungen bereit sein werden».

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte, ein «Nein» wäre ein «Nein zu Europa». Zwar ist ein Euro-Austritt nicht vorgesehen, doch könnte sich Athen ohne weitere Finanzhilfen gezwungen sehen, eine Parallelwährung in Form von staatlichen Schuldscheinen einzuführen, um die Banken zu retten. Schuldscheine könnten auch benutzt werden, um Staatsangestellte zu bezahlen. Dies käme jedoch de facto dem Austritt aus der gemeinsamen Währung gleich.

Es ist unwahrscheinlich, dass die Europäer tatenlos zusehen, wenn Griechenland tiefer in die Krise rutscht. Nicht nur wäre es politisch schwer vertretbar, die Griechen mit den potentiell katastrophalen humanitären Folgen allein zu lassen. Sondern eine Verschärfung der Krise könnte auch schwerwiegende Folgen für den Euro haben. Schliesslich würde ein Euro-Austritt auch bedeuten, dass die Geldgeber das Geld nicht mehr zurückerhalten, das sie Griechenland geliehen haben.

(slw/AFP)

Erstellt: 05.07.2015, 12:10 Uhr

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