«Das wars»

Klare Worte aus Moskau: Kurz vor dem Besuch des US-Aussenministers Tillerson entlädt der russische Premierminister Medwedew seinen Frust.

«Unsere Beziehungen sind ruiniert»: Dmitri Medwedew greift Trump scharf an für dessen Raketenangriff in Syrien.

«Unsere Beziehungen sind ruiniert»: Dmitri Medwedew greift Trump scharf an für dessen Raketenangriff in Syrien. Bild: Dmitry Astakhov (Novosti Kremlin, AP)

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Vor wenigen Wochen noch wäre US-Aussenminister Rex Tillerson in Moskau mit offenen Armen empfangen worden. Doch nach dem amerikanischen Raketenbeschuss in Syrien ist der Ton hitzig geworden – und das Klima eisig. Russland sei zwar an dem Giftgasangriff in Syrien von letzter Woche, bei dem Dutzende Menschen starben, nicht direkt beteiligt gewesen, sagt der US-Aussenminister. Doch Moskau habe sich als «unfähig» erwiesen, dafür zu sorgen, dass Syrien seine Chemiewaffen wie vereinbart abgibt.

Tillerson, dem Wladimir Putin vor vier Jahren noch persönlich einen Freundschaftsorden an den Kittel geheftet hatte, schiebt Moskau damit zumindest die moralische Verantwortung für das Kriegsverbrechen zu. Diese Haltung teilen auch europäische Politiker: Grossbritannien etwa macht sich nach dem Giftgasangriff für neue Sanktionen gegen Moskau stark.

Grosser Frust

Der Kreml blieb zunächst vorsichtig in seinen Aussagen, um sich für den Besuch Tillersons mehrere Optionen offenzuhalten. Und wohl auch in der Hoffnung, dass es bei dem einen US-Angriff bleiben wird. Doch Präsident Donald Trumps Image in Russland hat sich mit dem Raketenschlag drastisch verändert. «Das wars», konstatierte der russische Premierminister Dmitri Medwedew schlicht. «Der Wahlkampfnebel hat sich gelichtet», schreibt er auf seiner Facebook-Seite weiter. «Unsere Beziehungen sind total ruiniert. Und das ermuntert die Terroristen natürlich.»

Der Politologe Andrei Kolesnikow spricht von einem grossen Frust in der russischen Regierung: «Trump ist nicht länger ‹unser Mann›. Der amerikanische Präsident, auf den solche Hoffnungen gesetzt wurden, hat faktisch unsere Interessen verraten.»

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Das Gesicht wahren

Im Verhältnis zu den vielen harschen Worten blieben die Massnahmen nach dem Raketenschlag bescheiden. Der Kreml setzte das Memorandum zur Vermeidung von Zwischenfällen im syrischen Luftraum aus. Dieses habe laut Verteidigungsexperten sowieso kaum eine Rolle gespielt im Alltag, weil russische Flugzeuge vor allem Ziele im Westen Syriens bombardieren und die amerikanischen im Osten.

Allerdings gibt es auch Gebiete, wo Maschinen beider Länder im Einsatz sind. Deshalb wurde gemäss dem Memorandum eine 24-Stunden-Hotline eingerichtet, über die Moskau von den USA letzte Woche auch über die Angriffe auf den Militärflughafen informiert worden war.

Video – der US-Angriff auf den syrischen Luftwaffenstützpunkt:

Dennoch, das Memorandum sei aus politischen und nicht aus militärischen Gründen geschlossen worden, und damit vor allem eine Geste des guten Willens gewesen, sagt der russische Militärexperte Andrei Frolow. «Die Aussetzung des Memorandums war eine Möglichkeit für Russland, das Gesicht zu wahren.»

Ein Alleingang Assads

Angedroht wurde zudem eine erneute Verlegung von Flugabwehrraketen, deren Einsatz im Prinzip zu einer direkten Konfrontation zwischen den USA und Russland führen könnte. Allerdings werten Experten den Umstand, dass Moskau die bereits stationierte Flugabwehr nicht gegen die amerikanischen Raketen eingesetzt hat, als Beleg dafür, dass der Kreml das amerikanische Vorgehen zwar missbilligte, sich diesem aber auch nicht in den Weg stellte. Der Kreml dürfte davon ausgehen, dass es bei dieser Einzelaktion bleibt und die russische Position auf dem Boden in keiner Weise gefährdet ist.

Insider sind überzeugt, dass Assad Moskau nicht im Voraus über den Einsatz von Giftgas informiert hatte. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich der Syrer über seinen mächtigen Verbündeten hinwegsetzt, ohne den er wohl längst nicht mehr im Amt wäre. Auch bei Putin dürfte die jüngste eigenmächtige Aktion nicht gut angekommen sein: Der Giftgasangriff lässt Russland, das sich vor vier Jahren zum Garanten des Chemiewaffenabkommens machte und dafür international viel Lob erntete, als schwach und unzuverlässig dastehen. Beobachter schliessen deshalb nicht aus, dass Putin nach dem Giftgasangriff doch noch ein Exempel statuiert, ein Stück von Assad abrückt und dafür einen Schritt auf die USA zugeht.

Bildstrecke – Die USA haben den Stützpunkt in Syrien vom Mittelmeer aus beschossen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.04.2017, 15:53 Uhr

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