Datis Konkurrenz aus den eigenen Reihen

Im Vorfeld der Bürgermeisterwahlen in Paris wird es eng für Rachida Dati: Sarkozys ehemalige Sprecherin Nathalie Kosciusko-Morizet ist offiziell Kandidatin für das Amt – und hat noch grössere Ambitionen.

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Die als «Nakomo» oder «NKM» bekannte Nathalie Kosciusko-Morizet fällt in den Strassen von Paris kaum auf. Sie verkörpert das typische Bild der «Parisienne», wirkt elegant, selbstbewusst, ehrgeizig. Sarkozys ehemalige Umweltministerin und Wahlkampfsprecherin hat grosse Pläne: Seit gestern ist bekannt, dass sie sich offiziell als Kandidatin für das Bürgermeisteramt von Paris zur Verfügung stellt. Die Wahlen finden nächstes Jahr statt, der derzeitige Amtsinhaber Betrand Delanoë wird nicht erneut antreten.

«Politisches Rennpferd»

Sie habe «viel nachgedacht», sagte Kosciusko-Morizet der Zeitung «Le Parisien». Ihre Kandidatur sei eine «Herzensentscheidung», der sie ihre «ganze Energie» widmen werde. Daran wird in Frankreich auch kaum jemand zweifeln, denn NKM gilt als «politisches Rennpferd», wie ihr ehemaliger Chef und Ex-Premier Jean-Pierre Raffarin sie einst beschrieb.

Kosciusko-Morizets Pläne dürften nicht nur der Favoritin, der sozialistischen Kandidatin und Delanoës Stellvertreterin Anne Hidalgo in die Quere kommen, sondern vor allem auch Rachida Dati, die sich seit gestern nun offiziell gegen ihre ehemalige Regierungskollegin behaupten muss. Dati machte ihrem Ärger sogleich Luft und bezeichnete Kosciusko-Morizets Kandidatur als «Fallschirm-Landung». Vorwürfe, die die energische NKM entschieden zurückweist: Sie sei niemandes Schützling.

NKM macht Rachida Dati einen Strich durch die Rechnung

Im Ausland mag Rachida Dati weit berühmter sein als ihre blonde Konkurrentin. Sarkozys ehemalige Justizministerin, die als Tochter nordafrikanischer Einwanderer in einfachen Verhältnissen aufwuchs, galt lange als Beispiel einer gelungenen Integration. Ihr exzentrisches Auftreten und Gerüchte um den möglichen Vater ihrer Tochter Zohra kosteten sie in den vergangenen Monaten jedoch Sympathiepunkte.

NKM wirkt seriöser, an ihr haftet das Bild der Klassenbesten. Kosciusko-Morizet amtiert derzeit als Bürgermeisterin der Stadt Longjumeau in der Nähe von Paris, hat mit dem Kunstprofessor Jean-Pierre Philippe zwei Söhne und sieht sich selbst als moderne Powerfrau. Kein Wunder, dass Nicolas Sarkozy sie 2012 zu seiner Wahlkampfsprecherin machte – ihr selbstsicheres Auftreten und ihre stets modischen Outfits zogen zeitweise mehr Zuschauer an als die Auftritte von François Hollande. Auf Twitter zählt die gross gewachsene Politikerin, die «Le Monde» einst als «Sarkozys schicken Trumpf» bezeichnete, über 200'000 Follower – rund 170'000 mehr als Rachida Dati.

Bürgermeisteramt als Sprungbrett für den Elysée-Palast?

Bekannt und berüchtigt war NKM jedoch schon früher: 2007 machte Sarkozy NKM zur Staatssekretärin im Umweltministerium, wo sie sich mit ihrem Minister Jean-Louis Borloo anlegte und ihm öffentlich «Feigheit» vorwarf. Kosciusko-Morizet musste sich entschuldigen – der Vorfall hat ihr dennoch mehr genutzt als geschadet, denn sie hatte den Franzosen bewiesen, dass sie nicht auf den Mund gefallen ist.

Derzeit sieht alles danach aus, als könnte 2014 erstmals eine Frau an die Spitze der französischen Hauptstadt gewählt werden. Das Bürgermeisteramt von Paris gilt in Frankreich als Sprungbrett für den Elysée-Palast. Nathalie Kosciusko-Morizet macht keinen Hehl daraus, dass sie hoch hinaus will, manche sehen sie gar als Präsidentschaftskandidatin für die Wahlen in vier Jahren – spätestens dann wird die ganze Welt ihren Zungenbrechernamen kennen.

Erstellt: 15.02.2013, 15:26 Uhr

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