Der Adjutant schaltete den türkischen Armeechef aus

Den Gürtel um den Hals hatte in der Putschnacht Generalstabschef Hulusi Akar. Er machte mit den Putschisten aber nicht mit.

Noch nie dürfte ihm ein Gegner so nahe gekommen sein: Generalstabschef Hulusi Akar. Foto: Keystone

Noch nie dürfte ihm ein Gegner so nahe gekommen sein: Generalstabschef Hulusi Akar. Foto: Keystone

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An Gegnern hat es Hulusi Akar schon nicht gefehlt, als er im vergangenen Jahr zum türkischen Generalstabschef aufstieg. Sein Land befindet sich im Mehrfrontenkrieg. Vom Nachbarland Syrien aus wütet die Terrormiliz Islamischer Staat. Die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK und deren Ableger verüben Terroranschläge nicht mehr nur im ­Südosten des Landes. Am Freitag aber lernte der 64-jährige General Akar den Feind im eigenen Haus kennen. Noch nie dürfte ihm ein Gegner so nahe gekommen sein: Es war sein Adjutant, der ihm in der Putschnacht vom 15. Juli im Büro den Gürtel um den Hals legte und zuzog, weil Akar sich den aufständischen Soldaten nicht anschliessen wollte.

Im Bild – Putsch scheitert in der Türkei:

Es sind dramatische Szenen, die sich in jenen Stunden im Gebäude des Generalstabs in Ankara abspielen: Akar wird von seinen eigenen Leuten als Geisel ­genommen und mit dem Hubschrauber zur Militärbasis Akinci nordwestlich der Hauptstadt zum Hauptquartier der Putschisten gebracht. Sein Vize muss übernehmen. Akar ist ausser Gefecht. Als ­Anführer des Putsches macht die Regierung den ehemaligen Luftwaffenkommandeur Akin Öztürk aus. In Ankara ­beschiessen Kampfpiloten das Parlament – die Putschisten haben mehrere F 16-Jets und Hubschrauber in ihre ­Kontrolle gebracht.

Entscheidender Moment

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan macht gerade Urlaub im Mittelmeerstädtchen Marmaris. Es dauert Stunden, bis er nach Istanbul kommen kann, weil der Luftraum unsicher ist.

Die Putschisten wollen Akar zwingen, die Putscherklärung zu unterzeichnen. Der Adjutant soll ihm sogar die Waffe an den Kopf gehalten haben, berichtet die Zeitung «Hürriyet». Aber Akar bleibt hart. Dass der Putsch bald in sich zusammenbricht, hat auch mit diesem Moment zu tun. Denn es wird schnell klar, dass den Aufständischen der Rückhalt in den eigenen Reihen fehlt.

Ein Zeichen von Schwäche

Akar, in seiner Laufbahn mehrmals auch bei der Nato im Einsatz, hat jetzt eine schwierige Zeit vor sich. Erdogan gegenüber hat er sich als loyal erwiesen. Aber ob das reicht, um im Amt zu bleiben, ist ungewiss. Erdogan misstraut dem Militär. Es ist nicht das erste Mal, dass Generäle ihn stoppen wollten. Nun bleibt in der Armee kein Stein auf dem anderen. Tausende Militärangehörige sind übers Wochenende festgenommen worden. In der Mehrzahl sind das zwar nur einfache Soldaten, die Befehle befolgt haben. Die Anführer aber sitzen sehr weit oben im Militärapparat. Es war ihnen gelungen, das Land zu überrumpeln.

Lange vor der AKP-Herrschaft war die Armee die einzige Institution, der die Bürger noch vertrauten. Sie besass eine gewaltige Machtfülle. Erst Erdogan, der sich von ihr bedroht fühlte, änderte das. Das Restvertrauen dürfte nun erschüttert sein. Soldaten, die das Land beschützen sollen, haben ihre Waffen auf das Parlament gerichtet. Ein Generalstabschef, der das nicht verhindern konnte, ist ein Zeichen von Schwäche.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.07.2016, 22:18 Uhr

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