Der Bulle sucht die Wahrheit

Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz betätigt sich als Verleger.

Ein klassischer Wutbürger, der rund um sich Verschwörungen einer «selbst ernannten sogenannten intellektuellen Elite» sieht: Dietrich Mateschitz. Foto: Mark Thompson (Getty Images)

Ein klassischer Wutbürger, der rund um sich Verschwörungen einer «selbst ernannten sogenannten intellektuellen Elite» sieht: Dietrich Mateschitz. Foto: Mark Thompson (Getty Images)

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Es ist «Zeit zum Handeln», findet Dietrich Mateschitz. Denn es gebe zu viele Sprech- und Denkverbote in der Gesellschaft. Und diese «wuchernde Misstrauenskultur» will der 72-jährige Multimilliardär aus Österreich nun mit einem neuen Medienprojekt bekämpfen. Es geht um nichts weniger als die Wahrheit. «Quo vadis veritas» heisst seine neue Privatstiftung, die eine multimediale, öffentlich zugängliche Rechercheplattform finanzieren wird. Geleitet wird das Projekt von Michael Fleischhacker, dem ehemaligen Chefredaktor des Portals nzz.at, das nun geschlossen wird.

Das finanzielle Risiko für Mateschitz hält sich in Grenzen: Die Red Bull GmbH, an welcher der gebürtige Steirer 49 Prozent hält, verkaufte im vergangenen Jahr über 6 Milliarden Dosen des Energydrinks und steigerte den Umsatz auf 6 Milliarden Euro. Mateschitz’ Vermögen wird auf 12,6 Milliarden Euro geschätzt.

Schweizer Berge in Hochglanz

Lange Zeit war der stets braun gebrannte Milliardär ausschliesslich an Extremsportarten, an Fussball und Formel 1 interessiert. Medien sah er als Werbemittel: «Red Bulletin» promotet bei Red Bull unter Vertrag stehende Sportler, Red Bull TV berichtet von Stratosphärensprüngen oder Flugshows. Dann bekam er Lust auf mehr in der Medienwelt, gründete ein Society-Magazin, den österreichischen TV-Sender Servus TV und das Hochglanzmagazin «Bergwelten», dessen Schweiz-Ausgabe neu am Markt ist.

Nun sucht «Didi» Mateschitz nach der Wahrheit. Was er darunter versteht, sagt er der «Kleinen Zeitung». Da spricht nicht ein Suchender, sondern der klassische Wutbürger, der rund um sich Verschwörungen einer «selbst ernannten sogenannten intellektuellen Elite» sieht. Besonders leiden muss Mateschitz unter der «Scheinheiligkeit» der Gutmenschen, weil «keiner von denen, die ‹Willkommen› oder ‹Wir schaffen das› gerufen haben, sein Gästezimmer freigemacht oder in seinem Garten ein Zelt stehen hat, in dem fünf Auswanderer wohnen können».

Sein TV-Chefredaktor wird häufig und gerne von der rechtspopulistischen FPÖ zitiert.

Von der Wahrheit sind solche Aussagen ziemlich weit entfernt. Mateschitz aber bezeichnet sie als «Fakten». Es sind Fakten, wie er sie von seinem eigenen TV-Sender bekommt, dessen neuer Chefredaktor sich ebenfalls als Gegenpol zu einer angeblichen linken Meinungselite sieht und der deshalb häufig und gerne von der rechtspopulistischen FPÖ zitiert wird.

Geht das neue Wahrheitsprojekt in dieselbe Richtung? In anderen Medien ist die Meinung dazu recht einhellig: Ein Journalist der «Kronen Zeitung» schlägt vor, Mateschitz solle seine Plattform doch «Bullbart» nennen – in Anlehnung an die rechtspopulistische US-Seite «Breitbart». Und ein Kolumnist der «Wiener Zeitung» erinnert an ein anderes Medium mit dem Namen «Wahrheit»: die «Prawda», das Zentralorgan der sowjetischen kommunistischen Partei.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.04.2017, 01:37 Uhr

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