Der Feind des Feindes

Alice Schwarzer zeigt Verständnis für Pegida.

Hat sich hinter die Demonstrationen der Pegida gestellt: Alice Schwarzer, die Vorkämpferin für Frauenrechte. Foto: Reuters.

Hat sich hinter die Demonstrationen der Pegida gestellt: Alice Schwarzer, die Vorkämpferin für Frauenrechte. Foto: Reuters.

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Feministin Alice Schwarzer hat sich hinter die Demonstrationen der «Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes» gestellt. Man mag sich fragen: Wie passt das zusammen – die Vorkämpferin für Frauenrechte und eine stockkonservative, rechte Bewegung? Die (wohl) einzige Gemeinsamkeit: Beide, sowohl Pegida wie auch Schwarzer, haben etwas gegen Kopftücher im Strassenbild. Die einen, weil sie Ausländer generell und Muslime speziell nicht mögen; die andere, weil sie das Stück Stoff für ein Symbol der Unterdrückung hält. Es ist ein klassischer Fall des Prinzips: Der Feind meines Feindes ist mein Freund.

Auf Schwarzer wirft die Sache kein gutes Licht. Nach ihrer Steuerhinterziehung und den abenteuerlichen Rechtfertigungsversuchen verrennt sie sich ein weiteres Mal. Die Pegida-Demonstrationen, schreibt sie in einem Artikel auf ihrer Website, seien ja kein Unbehagen am türkischen Nachbarn oder an der türkischen Kollegin. «Es ist ein Unbehagen an der offensiven islamistischen Agitation, der Propagierung der Scharia. Es ist das berechtigte Unbehagen an dieser neuen Form des Faschismus.»

Wovon spricht sie eigentlich?

Nun ist es schon mal problematisch, ja unsinnig, den Islamismus mit dem Faschismus gleichzusetzen. Historische Vergleiche verwendet in der Regel nur derjenige, der nicht recht weiss, wovon er spricht. Und dieser Verdacht drängt sich auch bei Frau Schwarzer auf. Die Pegida-Demonstrationen sind nämlich nicht ein Aufmarsch für die Werte des Abendlands – Gleichberechtigung, Demokratie und Rechtsstaat. Im Gegenteil: Die Bewegung bedient unterschwellige Ängste, sie hat eine fremdenfeindliche, antieuropäische und antimoderne Agenda.

Ein Beispiel, das auch Feministin Schwarzer nicht gefallen dürfte: Im Pegida-Positionspapier stellen sich die Aktivisten unter anderem gegen ein angeblich vorherrschendes «Gendermainstreaming», diese «nahezu zwanghafte, politisch korrekte Geschlechtsneutralisierung unserer Sprache.»

Alice Schwarzers Kampf für die Rechte von Musliminnen ist verdienstvoll. Aber sie sollte besser aufpassen, wem sie sich als Verbündete an die Seite stellt.

Erstellt: 07.01.2015, 18:41 Uhr

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