Der Gefallene plant sein Comeback

Fast wäre er französischer Präsident geworden, dann strauchelte Dominique Strauss-Kahn über Sexaffären. Nun kämpft er verzweifelt um Rehabilitation – und ein Comeback als Wirtschaftsexperte.

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Er sei ein Spieler und ein Stehaufmännchen, sagt der Biograf Michel Taubmann über Dominique Strauss-Kahn, den ehemaligen Anwärter auf die französische Präsidentschaft. Ob und wie er allerdings auch seinen letzten und tiefsten Fall überleben soll, das weiss niemand. Nachdem ihn das Zimmermädchen Nafissatou Diallo im Mai 2011 beschuldigt hatte, es in einem New Yorker Hotel zum Oralsex gezwungen zu haben, verlor der IWF-Chef Strauss-Kahn alles: seinen Ruf, seine Karriere und dann auch seine Frau. Anne Sinclair, Journalistin und jahrelange Förderin Strauss-Kahns, trennte sich von ihrem Mann. Ein «Abstieg in die Hölle», so beschreibt Biograf Taubmann die Zeit nach den Vergewaltigungsvorwürfen. Aufgegeben hat er dennoch nicht, Strauss-Kahn arbeitet seit einigen Monaten ernsthaft an seinem Comeback als Wirtschaftsexperte, wie der «Spiegel» in seiner heutigen Ausgabe schreibt (Artikel online nicht verfügbar).

Keine Person des öffentlichen Interesses

Er sei unterwegs als hoch bezahlter Redner auf internationalen Konferenzen, er berate Schwellenländer und internationale Organisationen, fädele Geschäfte ein zwischen französischen und ausländischen Firmen. Die Geschäfte sollen nicht schlecht laufen, und nach wie vor nimmt Strauss-Kahn Anteil an der Politik, am Gang der Wirtschaft, am Geschick seines Landes. Im privaten Kreis spreche er gern über die Wirtschaftskrise oder kritisiere die aktuelle Präsidentschaft François Hollandes. Doch öffentlich äussert er sich dazu nicht, Interviews gibt er kaum – und dies aus gutem Grund. Er sei keine Person des öffentlichen Interesses mehr, sondern nur ein Privatmann, heisst es aus seinem Umfeld. Denn die Affäre um Nafissatou Diallo hat nicht nur seine Präsidentschaftsträume zerstört, sondern auch ein Licht auf sein zweifelhaftes Verhalten gegenüber Frauen geworfen und eine Vielzahl von Klagen nach sich gezogen. Solange noch Ermittlungen und Prozesse gegen ihn laufen, sind eine Rehabilitation und ein öffentliches Comeback undenkbar. Und so sind seine Anwälte damit beschäftigt, all diese Verfahren zu erledigen – und gegen Paparazzi vorzugehen, die Strauss-Kahn mit seiner neuen, 20 Jahre jüngeren Freundin fotografieren.

Gift für die Reputation

Dabei ist Strauss-Kahn teilweise erfolgreich. Das Verfahren gegen das New Yorker Zimmermädchen wurde mit einem Vergleich geregelt, der Vorwurf einer Angestellten eines Escortservice, Strauss-Kahn habe sie bei einer Sexparty in Washington vergewaltigt, wurde zurückgezogen. Auch die Anschuldigungen der Journalistin Tristane Banon, er habe versucht, sie zu vergewaltigen, sind mittlerweile vom Tisch. Hängig ist hingegen nach wie vor die sogenannte Carlton-Affäre. Dabei geht es um Sexpartys mit Prostituierten, an denen Strauss-Kahn teilgenommen hatte und aufgrund derer nun wegen «schwerer bandenmässiger Zuhälterei» gegen ihn ermittelt wird. Ein solches Verfahren ist natürlich Gift für die Reputation, und solange die nicht wiederhergestellt ist, dürfte auch ein Comeback nicht drinliegen.

Das muss Strauss-Kahn erbittern, denn er dürfte damit liebäugeln, dass ihm noch einmal gelingt, was ihm in den Neunzigerjahren geglückt ist. Nachdem er sein Ministeramt verloren hatte, gründete er einen Club für Unternehmensführer, der ihm zu seinem späteren Erfolg verhalf. Auch heute hat er wieder eine neue Firma namens Parnasse, gegründet am 4. September mit 1000 Euro Kapital, wie es im «Spiegel» heisst. Ihr einziger Zweck sei es, Rechnungen zu stellen. Die traurige Ruine einer einst glanzvollen Karriere.

Erstellt: 07.01.2013, 11:42 Uhr

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