Der Herr über Leben und Tod in Kroatien

Lagerist, Kriegsherr, Politiker, Erdölhändler: Der Weg, auf dem der mutmassliche Kriegsverbrecher Goran Hadzic aufstieg, hatte viele Wendungen.

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Goran Hadzic hat eine erstaunliche Blitzkarriere hingelegt. Vor dem Bürgerkrieg in Kroatien (1991-1995) war er einfacher Verwalter eines Materiallagers in der Nähe von Vukovar im Osten des Landes. Bei Ausbruch des Krieges wurde er schnell erster Politiker der serbischen Minderheit in dieser Region. Von Februar 1992 bis Dezember 1993 stand er als «Präsident» an der Spitze der so genannten «Republik Serbische Krajina», dem von Kroatien abgespaltenen Gebiet der serbischen Minderheit.

In dem blutigen Konflikt, der den Balkan in den 1990er Jahren auseinanderfallen liess, war Goran Hadzic weit weniger mächtig als manch anderer Serbenführer. Aber sein Name steht gleichwohl für zahlreiche Gräueltaten, die serbische Truppen im Kroatien-Krieg begangen haben.

Zuerst das Massaker, dann die Präsidentschaft

Die Belagerung der ostkroatischen Stadt Vukovar und das darauffolgende Massaker in einem Spital der Stadt gilt als eines der dunkelsten Kapitel des Kroatien-Krieges. Unter Hadzics Kommando sollen serbische Truppen im November 1991 dort 250 Kroaten und andere Nicht-Serben gefoltert und getötet haben. Wegen des Massakers erhob das Kreisgericht Vukovar bereits 2003 Anklage gegen Hadzic und neun weitere Männer. Zwei andere kroatische Gerichte haben den 52-Jährigen in Abwesenheit zu mehr als 10 und zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt.

Wenige Monate nach dem Massaker von Vukovar wurde der einstige Lagerarbeiter Hadzic Präsident der selbst ausgerufenen serbischen «Republik Krajina» in Kroatien - mit der Unterstützung von Serbiens Machthaber Slobodan Milosevic. Die Republik umfasste damals ein Drittel des Landes und war von Serben ausgerufen worden, die die Abspaltung Kroatiens von Jugoslawien ablehnten.

Geschlagen, misshandelt, getötet

Als Anführer der Krajina-Serben wird Hadzic für eine Kampagne des Terrors in der Grenzregion zwischen Serbien und Kroatien verantwortlich gemacht. Das Haager UNO-Tribunal legt ihm 14 Anklagepunkte zur Last, darunter Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen.

Seine Truppen sollen hunderte kroatische Zivilisten getötet und zehntausende Kroaten und Nicht-Serben deportiert haben. Die zehnseitige Anklageschrift dokumentiert zudem, wie Hadzic gefürchtete Paramilitärs auf nicht-serbische Zivilisten losliess. Die Opfer wurden geschlagen, misshandelt und getötet.

Der Ölscheich vom Balkan

Nach dem Kroatien-Krieg zog der dreifache Familienvater Hadzic nach Novi Sad in der nordserbischen Provinz Vojvodina an der Grenze zu Kroatien. Dort arbeitete er lange Jahre unbehelligt als Berater für die staatliche Ölfirma NIS.

Hadzic wird in kroatischen Medien ein enormer Reichtum nachgesagt. Er habe in Kriegszeiten ein Riesenvermögen mit dem illegalen Verkauf von Heizöl und Treibstoff gemacht. In Ostkroatien, das einige Jahre unter Kontrolle von Hadzic stand, liegen kleinere Ölfelder. Allein in Novi Sad soll er eine Villa und sechs Wohnungen besitzen. Hadzic hatte wegen dieser Behauptungen die Medien auf hohes Schmerzensgeld verklagt.

Erst 2004 tauchte er unter - wenige Stunden, nachdem das UNO- Tribunal in Den Haag Anklage gegen ihn erhoben hatte und ihm eine Festnahme drohte. Serbische Fahnder spürten ihn nun in der idyllischen Bergregion Fruska Gora nahe Novi Sad auf. Dort soll er sich laut Medien in einem Kloster versteckt gehalten haben. (ami/sda)

Erstellt: 20.07.2011, 23:33 Uhr

Hier war sein Versteck

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