Der Kampf der Frauen um Paris

400 Tage vor der Bürgermeisterwahl in Paris mutmassen die Franzosen, wer die Nachfolge von Bertrand Delanoë antreten wird. Auch die skandalgeplagte Rachida Dati ist im Gespräch. Erste Fetzen flogen bereits.

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Das Bürgermeisteramt von Paris gilt in Frankreich als Sprungbrett für die Präsidentschaftswahlen. Kein Wunder also, dass sich schon jetzt verschiedene Persönlichkeiten für die Nachfolge des aktuellen Amtsinhabers Bertrand Delanoë interessieren – und sich auf einen erbitterten Wahlkampf vorbereiten.

Erstmals eine Frau an der Spitze von Paris?

Noch nie wurde das begehrte Amt von einer Frau bekleidet. Dies könnte sich bald ändern, glaubt man zumindest den Spekulationen der französischen Presse. Als Favoritin wird Delanoës erste Stellvertreterin Anne Hidalgo gehandelt. Die 53-jährige Mutter von drei Kindern wurde in Lyon als Tochter spanischer Eltern geboren und gilt als starke Frau an Delanoës Seite. Laut «Le Monde» sollte sie es nicht allzu schwer haben, sich als Kandidatin der Sozialisten zu behaupten.

Hidalgo könnte auch von den internen Konflikten profitieren, die die bürgerliche UMP während der letzten Monate spalteten und sie als Oppositionspartei weiter schwächen. Während sich der ehemalige Premierminister François Fillon und der Parteivorsitzende François Copé um den Vorsitz der UMP stritten und den Konflikt dabei zeitweise sogar ins Lächerliche zogen, scheint sich ein bekanntes Gesicht auf den Wahlkampf um Paris vorbereitet zu haben: Rachida Dati.

Die 1965 geborene Tochter eines marokkanischen Maurers und einer algerischen Mutter wurde unter Nicolas Sarkozys Präsidentschaft zur Justizministerin ernannt, bevor sie 2009 aus seiner Regierung entlassen wurde. Seither sitzt die studierte Juristin für die Christdemokraten im Europaparlament – ein Amt, das sie nie sonderlich zu mögen schien. Im gleichen Jahr sorgte Dati für Aufsehen, weil sie eine Tochter zur Welt brachte, den Namen des Vaters jedoch nicht nennen wollte. «Mein Privatleben ist kompliziert», sagte sie damals der Presse. Über drei Jahre später lüftete Dati ihr Geheimnis: Dominique Desseigne, Chef einer Kette von Luxushotels, soll der Vater ihrer Tochter Zohra sein. Zuvor wurden sogar Nicolas Sarkozy und der spanische Ex-Premier José María Aznar als mögliche Väter gehandelt, auch von einem Emir aus dem näheren Orient war die Rede.

Dati muss mit Konkurrenz aus dem eigenen Lager rechnen

Ob die skandalgeplagte Dati dem bürgerlichen Lager zum Wahlerfolg verhelfen kann, ist noch offen. Auch ihr Parteikollege François Fillon soll an Delanoës Nachfolge interessiert sein, er hat seine Absicht aber noch nicht offiziell bestätigt. Zudem wird sich Dati auch mit einer weiteren Konkurrentin aus den eigenen Reihen auseinandersetzen müssen: Nathalie Kosciusko-Morizet, Sarkozys ehemaliger Umweltministerin. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage sieht die 39-Jährige im Rennen um das Bürgermeisteramt als Favoritin ihres politischen Lagers. Sie profitiert von einem gemässigten Image und spricht im Gegensatz zu Fillon auch jüngere und weibliche Wähler an. Sie gilt als seriös und engagiert – und wirkt unkomplizierter als die für ihren Hang zum Luxus bekannte Dati.

Rachida Dati und Anne Hidalgo liefern sich jetzt schon einen heftigen Schlagabtausch: Hidalgo bezeichnete ihre Konkurrentin kürzlich als «inkompetent», Dati reagierte daraufhin prompt mit einem Communiqué, in dem sie Hidalgos politische Bilanz als «katastrophal» bezeichnete. In 400 Tagen wird sich zeigen, welche Persönlichkeit Bertrand Delanoë ablösen wird – und sich damit möglicherweise sogar auf den Sprung in den Elysée-Palast vorbereitet.

Erstellt: 23.01.2013, 13:39 Uhr

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