Der Lord im Vatikan

Chris Patten, der britische Tory-Politiker und Ex-Gouverneur von Hongkong, wird Medienberater des Papstes.

Wird sich mit digitalen Fragen des Vatikans auseinandersetzen: Chris Patten.

Wird sich mit digitalen Fragen des Vatikans auseinandersetzen: Chris Patten. Bild: Keystone

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Mit Organisationen, die ihr Ansehen aufzufrischen suchen, hat Chris Patten im letzten Vierteljahrhundert reichlich Erfahrung gemacht. Erst sollte der Brite, Anfang der 90er-Jahre, seiner konservativen Partei zu einem neuen Image verhelfen. Dann machten ihn seine Parteikollegen zum letzten britischen Gouverneur Hongkongs – um einen eleganten Abzug aus dieser letzten grossen Kolonie des sterbenden Empire zu bewerkstelligen. Nach einem Abstecher nach Brüssel (als EU-Kommissar) sollte Patten die Reputation der etwas angestaubten Elitehochschule Oxford als deren Kanzler aufpolieren helfen. Die nächste hilfsbedürftige Organisation war die im eigenen Land viel angefeindete BBC, deren Rundfunkratspräsident Patten vor drei Jahren wurde.

Kaum hat der 70-Jährige seinen Posten dort nach einer Herzoperation «aus Gesundheitsgründen» nieder­gelegt, ist er schon wieder angeheuert worden: Nach kurzer Sommerpause soll Patten dem Papst eine neue Medienpolitik bescheren. Der Lord auf Lebenszeit fungiert demnächst in Rom als Oberaufseher der vatikanischen PR-Abteilung.

Patten wird einem elfköpfigen Gremium vorstehen, das das globale Bild des Vatikans neu prägen, die Medienarbeit frisch koordinieren, digitale Strategien entwickeln und, wo es nottut, den Sparstift ansetzen soll. Mit seiner Hilfe hofft Papst Franziskus die römisch-katholische Kirche in ein besseres Licht zu rücken.

Bewunderung des füheren Papstes

In jungen Jahren ist Patten an einer von Benediktinern geleiteten Anstalt in West-London – St Benedict’s – zur Schule gegangen. Patten zählt zum eher liberalen Flügel der Kirche. Über den früheren Papst Benedikt sagte er einmal, er bewundere dessen «Intellektualität», stimme aber «nicht mit allem» überein, was der Vatikan so erkläre.

Pluspunkte verschaffte sich Patten, als er im Jahr 2010 Benedikts damaligen Grossbritannien-Besuch vor einem Desaster rettete. Die Londoner Regierung berief den erfahrenen Krisenmanager in letzter Minute ein, um einen reibungslosen Ablauf des Besuchs zu gewährleisten.

Kurienkardinal George Pell, der «Wirtschaftsminister» des Papstes, hat nunmehr die Überzeugung ausgesprochen, dass sich Patten der «radikalen Veränderungen in der Welt der Medien» bewusst sei und eine angemessene Antwort auf diese Veränderungen finden werde. Über achtzig Jahre ist es immerhin her, dass Radio Vatikan seine ersten Sendungen in alle Welt ausstrahlte. Heute erreicht der Papst über seinen Twitter-Account @Pontifex Millionen «Gefolgsleute».

Nicht jeder seiner Landsleute freilich glaubt, dass Chris Patten besonders kundig ist in digitalen Fragen –und dass er sich als Rundfunk­rats-Chef besondere Verdienste erworben habe. In den drei Jahren, die der Lord über der BBC «thronte», taumelte die Anstalt von Krise zu Krise. Insbesondere die schweren Vorwürfe, der Sender habe bei der Aufklärung der Sexualstraftaten seines Top-Unterhalters Jimmy Savile gezögert, machten seine Zeit bei der «Beeb» zu keiner sehr glücklichen.

Davon aber will man im Vatikan nichts wissen. Erst mal, meint Kardinal Pell, müsse sich der neue Medienberater jetzt von seiner Herzoperation erholen. Danach erwarte man seine Hilfe und Unterstützung in Rom mit grosser Freude.

Erstellt: 11.07.2014, 07:28 Uhr

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