Der Sturz des Schlächters vom Balkan

Slobodan Milosevic regierte jahrelang mit blutiger Hand Serbien und Ex-Jugoslawien. Doch vor genau zehn Jahren waren die Bürger stärker.

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In Serbien ist heute Dienstag an die Massenproteste erinnert worden, die vor genau zehn Jahren zum Sturz des langjährigen serbischen und jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic führten. Das sei der Moment gewesen, der die Etablierung der Demokratie in Serbien markiert habe, erklärte der heutige Präsident Boris Tadic.

Die Proteste hatten Milosevic am 5. Oktober 2000 zum Rücktritt als jugoslawischen Präsidenten gezwungen. Er wurde 2001 festgenommen und später an das Internationale Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ausgeliefert. Der Angeklagte starb 2006 noch vor Abschluss des Prozesses.

Milosevic hatte Serbien durch ein Jahrzehnt der Kriege auf dem Balkan nach dem Auseinanderbrechen Jugoslawiens geführt, die zum wirtschaftlichen Niedergang des Landes führten. Doch es war schliesslich seine bewusste Fälschung der Wahlergebnisse, die in jenem Oktober 2000 das Fass zum Überlaufen brachte.

Unterdrückte Albaner

Milosevic, Gründer der Sozialistischen Partei Serbiens, wurde im Jahr 1989 zum Präsidenten von Serbien gewählt. Besonders in der letzten Phase seiner Regierungstätigkeit setzte sich Milosevic für nationalistisches Gedankengut ein und vertrat die Interessen der serbischen Bevölkerung in Ex-Jugoslawien.

Den Albanern erkannte Milosevic bereits im Jahr 1989 deren Autonomiestatus ab und unterdrückte sie. Der Konflikt gipfelte im bosnisch-kroatischen Krieg mit Vertreibung und Massenvernichtungen in der Zivilbevölkerung. Von der Presse wurde der ehemalige Diktator darum auch als «Schlächter des Balkans» bezeichnet. In Den Haag sollte er sich wegen dieser Kriegsverbrechen verantworten.

Auch mit Wahlfälschungen sorgte Milosevic während seiner Amtszeit mehrere Male für Empörung unter der Bevölkerung. Erstmals begann seine Macht zu bröckeln, als er 1997 als Präsident von Serbien zurücktreten musste, den eigentlichen Wahlsieg der Opposition aber erst unter Massendemonstrationen anerkannte. Kurz darauf wurde Milosevic von der sozialistischen Mehrheit zum Staatschef von Ex-Jugoslawien gewählt und regierte auf diese Weise weiter.

Sturm auf das Parlament

Im September 2000 ging Milosevic zu weit. Als er bei den Neuwahlen des Parlaments und des Präsidenten erneut die Wahlergebnisse fälschte, löste er damit Massendemonstrationen im ganzen Land aus. Die wütende Bevölkerung stürmte in der sogenannten «Baggerrevolution» das Parlament und andere Gebäude – mit Erfolg. Schliesslich blieb Milosevic nichts anderes mehr übrig, als nach seinem Sturz am 5. Oktober 2000 den Wahlsieg seines Herausforderers Kostunica anzuerkennen.

Erstellt: 05.10.2010, 15:45 Uhr

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