Der britische Lauschangriff auf Deutschland

Bis zu 240 Gigabyte Daten pro Sekunde: Der britische Geheimdienst soll Zugriff auf ein zentrales Glasfaserkabel von Deutschland nach Übersee haben. Die deutsche Regierung verlangt nun von den Briten Antworten.

Geriet ebenfalls in den Strudel des NSA-Überwachungsskandals: Das Hauptquartier des Geheimdiensts GCHQ in Cheltenham. (Archivbild)

Geriet ebenfalls in den Strudel des NSA-Überwachungsskandals: Das Hauptquartier des Geheimdiensts GCHQ in Cheltenham. (Archivbild) Bild: Reuters

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Das britische Ausspähprogramm «Tempora» hat Berichten zufolge systematisch Internet- und Telefondaten aus Deutschland ins Visier genommen. Der britische Geheimdienst GCHQ habe im Rahmen des Programms unter anderem das Glasfaserkabel TAT-14 ausgespäht, über das ein grosser Teil der deutschen Übersee-Kommunikation abgewickelt wird, berichteten der NDR und die «Süddeutsche Zeitung». Die Medien beziehen sich dabei auf geheime Unterlagen, über die der ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden verfüge.

Der deutsche Knotenpunkt für das Kabel ist demnach die Stadt Norden in Ostfriesland. Vermutlich würden die Daten in der britischen Küstenstadt Bude abgefangen, berichteten «SZ» und NDR. Beim Ausspähen sollen dem britischen Geheimdienst zwei Telefongesellschaften behilflich gewesen sein. Angeblich handele es sich dabei um Vodafone und British Telecommunications (BT), heisst es in den Berichten.

15'000 Kilometer langes Überseekabel

Vodafone betonte den Berichten zufolge in einer ersten Stellungnahme, das Unternehmen halte sich an die Gesetze der Länder, in denen es tätig sei. Weitere Angaben habe Vodafone unter Verweis auf die «nationale Sicherheit» nicht machen wollen. British Telecommunications habe bis Montagnachmittag nicht auf eine Anfrage der «Süddeutschen Zeitung» geantwortet.

Das 15'000 Kilometer lange Überseekabel TAT-14 wurde 2001 von einem internationalen Konsortium von mehr als 50 Telekom-Unternehmen in Betrieb genommen. Weite Teile der Telefon- und Internetkommunikation laufen über das Kabel auf dem Meeresgrund, das Deutschland via Grossbritannien mit den USA verbindet.

Die britische Zeitung «Guardian» hatte am Samstag unter Berufung auf Snowden über ein britisches Spähprogramm namens Tempora berichtet, das noch «schlimmer» sei als das von ihm enthüllte Prism-Programm der USA. Die Government Communications Headquarters (GCHQ) in London bespitzeln demnach systematisch Telefon- und Internetnutzer in aller Welt.

Deutschland fordert Aufklärung

Die deutsche Regierung hat von Grossbritannien derweil Auskunft über die Ausspähung Innenministerium reichte einen Fragenkatalog über ein britisches Spähprogramm namens Tempora bei der britischen Botschaft in Berlin ein, wie ein Ministeriumssprecher mitteilte.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte dazu: «Wir werden sehr genau klären, was passiert in welchem Umfang auf welcher Grundlage.» Die Regierung nehme die Medienberichte über das Programm, die auf den US-Informanten Edward Snowden zurückgehen, «sehr ernst», sagte Seibert. Die Bundesregierung wurde von den Informationen über das britische Programm offenbar überrascht. «Eine Massnahme namens Tempora ist der Bundesregierung ausser diesen Berichten erst einmal nicht bekannt», sagte Seibert. Auch der deutsche Auslandsgeheimdienst BND sei nicht im Bilde gewesen. (fko/AFP)

Erstellt: 24.06.2013, 21:00 Uhr

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