Der explodierende Waffenexport

Russland und China haben ihren Export massiv gesteigert. Hauptabnehmer sind vor allem Indien und Pakistan.

Indien ist der Hauptabnehmer russischer Waffen. Diese zeigt es hier bei einer Militärparade durch die Strassen von Delhi im Jahr 2000.

Indien ist der Hauptabnehmer russischer Waffen. Diese zeigt es hier bei einer Militärparade durch die Strassen von Delhi im Jahr 2000. Bild: Keystone

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Stockholm – Der weltweite Transfer von Waffen hat zugenommen. Im Zeitraum von Anfang 2010 bis Ende 2014 lag er um 16 Prozent höher als in den fünf Jahren zuvor, berichtet das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri. Die meisten Waffen lieferten die USA, Russland und China, das Deutschland erstmals vom dritten Platz der grössten Rüstungsexporteure auf Rang vier verdrängt. Die grössten Abnehmer sind Indien, Saudiarabien und China, wobei Chinas Importe stark gesunken sind, da es sich nun mehr auf die eigene Industrie stützt. Sipri rechnet in Zeiträumen von fünf Jahren, weil die Lieferungen in Jahresfrist stark schwanken können.

Vereinfacht gesagt zeigen die Sipri-Zahlen, dass Europa und Nordamerika weniger Waffen nachfragen, während der Rest der Welt aufrüstet. Weil die Armeen ihrer Heimatmärkte ihnen weniger abnehmen, sind die US-amerikanische und die europäische Rüstungsindustrie stärker auf Exporte angewiesen. Die Waffenlieferungen der USA sind entsprechend um 23 Prozent gestiegen und machen fast ein Drittel des weltweiten Exports aus. Lange Zeit habe das Land Rüstungsexporte als wichtiges Mittel der Aussen- und Sicherheitspolitik betrachtet, sagt Aude Fleurant, Direktorin des Sipri-Programms für Waffen- und Militärausgaben. In den letzten Jahren dienten sie jedoch vermehrt dazu, das Produktionsniveau der US-Industrie zu erhalten.

In Europa sinken die Waffenlieferungen

In Europa gelingt dies weniger. Die Exporte aller EU-Staaten sind zusammen genommen um 16 Prozent gesunken. Der Konflikt mit Russland hat nach den Sipri-Daten nur geringe Auswirkung auf die Nachfrage nach Waffen. Die Exporte der deutschen Rüstungsindustrie, die immer noch knapp ein Drittel ihrer Lieferungen in europäische Länder schickt, sind um 43 Prozent gesunken. Obwohl die Regierung in Berlin angekündigt hat, die Regeln für Waffenexporte zu verschärfen, waren unter den Bestellungen 2014 laut Sipri-Angaben auch 33 Patrouillenschiffe für Saudiarabien, vier Fregatten für Israel, zwei U-Boote für Ägypten und 926 Transportpanzer für Algerien.

Die Konkurrenz unter den Anbietern wächst: Vor allem die russische und die chinesische Industrie konnten ihren Anteil am weltweiten Rüstungsmarkt vergrössern. Russland hat viel Geld investiert, um seine Rüstungsindustrie und seine Armee zu modernisieren. Heute ist es für 27 Prozent der weltweiten Exporte verantwortlich, die meisten Waffen liefert es nach Indien. China folgt zwar mit grossem Abstand auf Platz drei der grössten Lieferanten. Seine Exporte sind jedoch um 143 Prozent gewachsen. Hauptabnehmer ist Indiens Nachbar Pakistan. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.03.2015, 10:30 Uhr

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