Deutschlands Problem mit kriminellen Asylbewerbern

Migranten ohne Bleibechancen werden überdurchschnittlich häufig straffällig, anerkannte Flüchtlinge eher selten.

Mussten häufig wegen «Zuwanderern» ausrücken: Deutsche Polizisten bei einem Einsatz in Leipzig.

Mussten häufig wegen «Zuwanderern» ausrücken: Deutsche Polizisten bei einem Einsatz in Leipzig. Bild: Keystone

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Deutschland hat sich lange Zeit schwer getan, offen über den Anteil von Ausländern an der Kriminalität im Land unbefangen zu informieren und zu debattieren. Spätestens seit den massenhaften sexuellen Übergriffen von nordafrikanischen Migranten auf Frauen in der Silvesternacht von Köln 2016 hat sich dies geändert. Als Innenminister Thomas de Maizière (CDU) die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik des vergangenen Jahres vorstellte, umfasste sie wie selbstverständlich auch eine Auswertung der Kriminalitätsrate von «Zuwanderern».

Die Entwicklung sei unerfreulich, und er wolle sie nicht beschönigen, sagte de Maizière. Tatsächlich ist die Zahl der tatverdächtigen «Zuwanderer» 2016 um fast 53 Prozent gestiegen; 2015 und 2014 hatten die Zuwachsraten sogar jeweils 90 Prozent betragen.

Viele junge Männer

In diesen drei Jahren ist die Zahl der «Zuwanderer» freilich auch sehr stark gestiegen. Besonders auffällig ist diese Gruppe bei den Delikten Taschendiebstahl, gefährliche und schwere Körperverletzung, Vergewaltigung sowie sexuelle Nötigung und bei Wohnungseinbrüchen.

Der Anteil der «Zuwanderer» an den Tatverdächtigen der gesamten deutschen Bevölkerung betrug 8,6 Prozent, obwohl sie höchstens 2 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Über die gesamte Bevölkerung gesehen, erhöhte sich 2016 der Anteil von Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit an allen Tatverdächtigen auf etwa 30 Prozent.

Als «Zuwanderer» wird in der deutschen Statistik ein ganz bestimmter, besonders problematischer Ausschnitt der Einwanderer bezeichnet. Gemeint sind weder anerkannte Flüchtlinge, noch EU-Ausländer oder sogenannte Expats mit Aufenthaltsrecht, sondern einzig Asylsuchende ohne abgeschlossenes Verfahren, Geduldete oder «Illegale». Unter ihnen sind besonders viele junge Männer; auch bei Deutschen ist dies jene Gruppe, die am häufigsten kriminell wird.

Gewalt gegen andere Migranten

Besonders auffällig sind die Kriminalitätsraten bei Migranten aus Nord- und Schwarzafrika sowie vom Balkan und aus Georgien, die kaum eine Chance haben, auf legalem Weg in Deutschland zu bleiben. Trotz ihrer relativ grossen Zahl werden hingegen Syrer, Iraker und Afghanen, die gute Bleibeaussichten haben, verhältnismässig selten kriminell.

Die kriminelle Energie der «Zuwanderer» richtet sich übrigens sehr häufig gegen andere Migranten. Vor allem in Asylunterkünften, die oft Hunderte von Flüchtlingen auf engem Raum beherbergen, kommt es zu vielen Gewalttaten und Übergriffen. Bei einem kleinen Teil der kriminell gewordenen «Zuwanderer» handelt es sich um sogenannte Intensivtäter, die wegen einer ganzen Vielzahl von Delikten auffällig wurden und Polizei und Justiz oft über Jahre beschäftigen. Sie verzerren die Statistik teilweise erheblich. Studien haben überdies gezeigt, dass Fremde ein doppelt so hohes Risiko haben, angezeigt zu werden, wie Einheimische.

Hasskriminalität auf historisch hohem Niveau

Einen neuen Höchststand, den vierten in Folge, erreichte 2016 auch die sogenannte Politisch Motivierte Kriminalität. «Dies ist inakzeptabel», sagte de Maizière und versprach, dass der Rechtsstaat gegen Menschen, die diesen ablehnten, mit aller Härte vorgehen werde. Gewalt durch rechtsextreme Täter ist im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent gestiegen (auf 1700 Taten), während linksextremistische Gewalt um 24 Prozent zurückging (auf ebenfalls 1700).

Rechte Täter begingen fast 1000 Straftaten gegen Asylunterkünfte; die Delikte reichen von aufgemalten Hakenkreuzen bis zu Brandstiftungen. Das sind ebenso viele Fälle wie 2015 – als sich die Zahl gegenüber dem Vorjahr mehr als verfünffacht hatte.

Die sogenannte Hasskriminalität von rechts blieb mit 10'000 Fällen ebenfalls auf dem historisch hohen Niveau des vergangenen Jahres; noch 2014 waren erst knapp 5000 solcher Delikte gezählt worden. Dieser „Verrohung“ entgegenzutreten, sei nicht nur eine Aufgabe von Polizei und Justiz, sondern der ganzen Gesellschaft, sagte de Maizière. Schliesslich sind 2016 die Delikte durch islamistische Täter um fast 14 Prozent gestiegen. Unter den 773 Fällen waren auch die Attentate von Würzburg, Ansbach und dem Berliner Weihnachtsmarkt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.04.2017, 21:10 Uhr

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