«Die Karikaturen von Westergaard gefallen uns auch nicht»

Der dänische Mohammed-Karikaturist Kurt Westergaard ist in Leipzig mit dem Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien ausgezeichnet worden – trotz offener Vorbehalte und des Protestes einer Nobelpreisträgerin.

Gelobt und kritisiert: Westergaards Ehrung wurde von der Iranerin Shirin Ebadi boykottiert.

Gelobt und kritisiert: Westergaards Ehrung wurde von der Iranerin Shirin Ebadi boykottiert. Bild: Keystone

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Der dänische Karikaturist Kurt Westergaard ist am Freitagabend in Leipzig mit dem Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien ausgezeichnet worden. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte bei der Preisverleihung, ob man Bilder oder Karikaturen als ansprechend oder geschmacklos, als pointiert oder witzig, aussagekräftig oder wenig aussagekräftig empfinde, liege in der Wahrnehmung eines jeden Einzelnen.

«Und auch, wenn eine Karikatur meinen Geschmack nicht trifft, so bin ich doch dafür, dass jeder hierzulande und sonst wo in der ganzen Welt das zu Papier bringen kann, was durch das Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt ist», fügte de Maizière hinzu. Wenn dann der Karikaturist, wie der heutige Preisträger, nach der Veröffentlichung mit dem Leben bedroht, überfallen und in übler Weise beschimpft werde, dann verdiene er den Respekt und die uneingeschränkte Unterstützung von allen Demokraten in der ganzen Welt, sagte de Maiziére. Zugleich betonte er allerdings, er persönlich finde, dass Religion etwas Heiliges sei.

Eklat durch Trägerin des Friedensnobelpreises

Die iranische Friedensnobelpreis-Trägerin Shirin Ebadi und ihr Landsmann, der Journalist und Regimekritiker Akbar Ganji, haben gegen die Auszeichnung des dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard protestiert. Beide waren als Gast auf einem Medienkongress in Leipzig eingeladen, auf dem Westergaard am Freitagabend den Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien erhalten soll.

Ebadi kündigte an, der Preisverleihung fernzubleiben. Ganji, der den Preis 2007 bekommen hatte, reiste wieder aus Leipzig ab, ohne sich auf dem Kongress blicken zu lassen.

Sprecher: «Karikaturen gefallen uns auch nicht»

«Wir stehen zu unserer Entscheidung», sagte Mathias Lauke, Sprecher der Medienstiftung, die den Preis verleiht. «Die Karikaturen von Westergaard gefallen uns auch nicht. Wir zeichnen aber nicht seine Karikaturen aus, sondern seinen Mut nach der Veröffentlichung.»

Der mit insgesamt 30.000 Euro dotierte Preis wurde zum zehnten Mal von der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig verliehen. Der 75-Jährige Westergaard hatte mit einer Mohammed-Karikatur in einer dänischen Zeitung für Aufregung gesorgt und steht aufgrund der Kontroverse unter permanentem Polizeischutz.

Ehrungen für zwei mutige Journalisten

Ebenfalls geehrt wurden der bulgarische Reporter Assen Yordanov und der afghanische Journalist Sayed Yaqub Ibrahimi. Yordanov deckte in seiner Heimatstadt Burgas an der bulgarischen Schwarzmeerküste Umweltverbrechen, Korruption sowie Fälle von organisierter Kriminalität auf. Er stand deshalb mehrfach vor Gericht und wurde Opfer körperlicher Gewalt.

Ibrahimi veröffentlichte in seiner afghanischen Heimat mehrere kritische Berichte über Machtmissbrauch, Waffen- und Drogenhandel. Wegen seiner Berichterstattung erhielt er auch Morddrohungen.

(raa/dapd)

Erstellt: 08.10.2010, 21:57 Uhr

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