«Die Rivalitäten im russischen Machtapparat verschärfen sich»

Russlands Präsident Wladimir Putin ist zurück in der Öffentlichkeit. Korrespondent Julian Hans über die Gerüchte der letzten Tage.

«Die Entsendung russischer Soldaten hat auf der Krim ein Blutbad verhindert»: Wladimir Putin in einer am Wochenende ausgestrahlten Dokumentation über die Krim-Annexion.

«Die Entsendung russischer Soldaten hat auf der Krim ein Blutbad verhindert»: Wladimir Putin in einer am Wochenende ausgestrahlten Dokumentation über die Krim-Annexion. Bild: AFP

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Wladimir Putin ist wieder da. Gibt es zuverlässige Informationen über die längere Abwesenheit des russischen Präsidenten?
Es gibt viele Theorien und Erklärungen von Experten, die mehr oder weniger gute Kenner des Kreml sind, aber es gibt so gut wie keine Fakten. Offiziell ist Putin ja gar nicht abgetaucht, sondern er arbeitete ganz normal weiter. Bilder von Arbeitstreffen, die die staatlichen Medien letzte Woche zeigten, waren jedoch zu einem früheren Zeitpunkt aufgenommen worden. Das ist beim russischen Fernsehen gängige Praxis, der Präsident muss jeden Tag in den Nachrichten vorkommen, bisweilen wird Material auf Vorrat produziert. Fakt ist, dass Putin einen Gipfel in Kasachstan, der vergangene Woche stattfinden sollte, abgesagt hat. Der Gipfel soll nun am kommenden Freitag stattfinden.

Putin hat sich heute Mittag in St. Petersburg öffentlich gezeigt. Was macht er dort?
Auf dem Programm von Putin steht ein Treffen mit dem kirgisischen Präsidenten Almasbek Atambajew. In St. Petersburg soll über den Beitritt von Kirgistan zur eurasischen Wirtschaftsunion gesprochen werden, zu der bisher Weissrussland, Kasachstan und Armenien gehören. Alle warten jetzt natürlich gespannt darauf, welche Bilder es von dem Treffen geben wird. Und ob Putin etwas dazu sagt, wie er die vergangenen zehn Tage seit seinem letzten öffentlichen Auftritt mit dem italienischen Premier Matteo Renzi verbracht hat.

Zuletzt gab es Gerüchte über Machtkämpfe im Kreml. Was ist da dran?
Eine stärkere Position als die des Präsidenten gibt es nicht in der russischen Politik. Aber auch mächtige Politiker wie Putin sind auf Unterstützung und auf Loyalität angewiesen. Der russische Machtapparat ist sehr undurchsichtig. Aber es mehren sich Hinweise darauf, dass sich die Rivalitäten zwischen unterschiedlichen Gruppen verschärfen.

Um welche Gruppen geht es?
Es gibt Rivalitäten zwischen den Sicherheitsorganen und dem Geheimdienst auf der einen und dem Oberhaupt der Tschetschenen, Ramsan Kadyrow, auf der anderen Seite. Kadyrow und seine Kämpfer halten Tschetschenien mit grosser Gewalt unter Kontrolle. Die Ermittlungen im Mord des Oppositionspolitikers Boris Nemzow führen direkt in das Umfeld von Kadyrow. Mit einem Mord mitten in Moskau, wenige Schritte vom Kreml entfernt, wird das Gewaltmonopol des Staates infrage gestellt. Die Frage ist aber, wie weit die Ermittler gehen können. Putin kann auch nicht riskieren, die loyalen Gruppen in Tschetschenien zu verlieren. Einige halten diesen Machtkampf für den eigentlichen Grund für sein Abtauchen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.03.2015, 12:12 Uhr

Julian Hans ist Russland-Korrespondent von Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

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