Die Welt zu Gast in Basel

Weltpolitik, blickdichte Zäune, Polizeihunde, hundert geschüttelte Hände, Selfie-Regierungsräte und über allem: der Militärhelikopter. Ein OSZE-Tag in Basel.

Didier Burkhalter, Serbiens Aussenminister Ivica Dacic, Kroatiens Aussenministerin Vesna Pusic, Montenegros Aussenminister Igor Luksic Bosniens Aussenminister Zlatko Lagumdzija (von links) am OSZE-Ministertreffen in Basel. Foto: Keystone

Didier Burkhalter, Serbiens Aussenminister Ivica Dacic, Kroatiens Aussenministerin Vesna Pusic, Montenegros Aussenminister Igor Luksic Bosniens Aussenminister Zlatko Lagumdzija (von links) am OSZE-Ministertreffen in Basel. Foto: Keystone

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Etwas gelangweilt steht Felix Eymann in der Weite des leeren Messeplatzes und drückt auf seinem Smartphone herum. «An der Schmuckmesse ist hier mehr los. Da schleppen sich die Leute auch halb tot hin», sagt er. Der Arzt, Grossrat der Liberalen und Urkleinbasler (mit entsprechend vulgärer Ausdrucksweise) ist während der OSZE-Konferenz für die Sanität unterwegs. «Das heute ist fast ­etwas langweilig. Die hier drin sind alle fit – ausser sie haben gestern zu viel gesoffen.» Eymanns Aussage kommt nicht von ungefähr: Kurz vor Beginn der Konferenz taumelten aus den Hotels rund um den Messeplatz einige Gestalten, die noch ziemlich angeschlagen wirkten (und einen Badge um den Hals trugen). Auch in der Weltpolitik scheint ein gepflegter Absturz durchaus drinzuliegen.

Geladene und Nichtgeladene

Aber für einen Kater ist Eymann nicht zuständig. So steht er halt noch etwas herum, verloren auf dem leeren Platz, und freut sich dennoch. Zwar hat er nichts zu tun – aber wenigstens ist er dabei. Und das können nicht viele Basler von sich behaupten. Selbst jene nicht, die eigentlich mit einer Einladung gerechnet hatten. So wie Elisabeth Schneider-Schneiter, CVP-Nationalrätin aus dem Baselbiet und Mitglied der Aussenpolitischen Kommission. «Ich bedauere es sehr, als APK-Mitglied und regionale Parlamentarierin keine Einladung an die Konferenz erhalten zu haben. Ich hätte mich gerne an den Anlässen mit anderen Teilnehmern ausgetauscht.» Es sei schade, habe das Aussendepartement nicht an die Aussenpolitiker gedacht. «Das Parlament hat die OSZE-Präsidentschaft immer unterstützt – ideell und auch mit einem nicht unbeträchtlichen Budget», sagt die Nationalrätin.

Ein auch nicht unbeträchtliches Budget hat der Kanton Basel-Stadt gesprochen. 2,9 Millionen Franken kostet die Organisation der Konferenz die Stadt – aber dafür gab es auch einen Platz ganz nahe bei den Wichtigen. Regierungspräsident Guy Morin durfte die versammelten Aussenminister in der Safranzunft während exakt bemessenen drei Minuten begrüssen. Vorgabe: Bitte nichts Politisches vor dem Essen (gereicht wurden Rehmedaillons aus heimischer Jagd und danach ein Baselbieter Kalbsrücken). Seinen grossen Auftritt hatte Morin allerdings schon früher. Als die «Chairperson-in-Office» Didier Burkhalter im Plenum seine Eröffnungsrede hielt, sass Morin gleich dahinter und machte mit seinem Smartphone ein paar Fotos – man ist ja nicht jeden Tag an einer solchen OSZE-Konferenz.

Streng abgesperrtes Diner

Für die Menschen in der Stadt war die Konferenz auch spürbar – aber etwas weniger angenehm als für den grünen Politiker. Während des gesamten Tages beschwerten sich Baslerinnen und Basler auf sozialen Netzwerken über die übermässigen Kontrollen der Polizisten. «Sie könnten da ja Säure drinhaben», gab ein Beamter bei einer Rucksackkontrolle zu Protokoll. Besonders verdächtig machten sich jene Passanten, die – ganz ähnlich wie Guy Morin – die Konferenz auf ihrem Handy verewigen wollten. Wer einen der blickdichten Zäune fotografieren wollte, wurde kontrolliert.

Die latent kribblige Stimmung hielt den ganzen Tag über an. Polizeihunde schnüffelten in der Stadt nach Sprengstoff, in Trams wurde eher barsch auf die neue Linienführung hingewiesen («Der Personentransport über den Messeplatz ist verboten!»), und über allem dröhnte mal näher, mal weiter der Militärhelikopter. Gegen Abend wurde die polizeiliche Präsenz spürbar stärker und die Gerbergasse, wo sich die Aussenminister zum Diner trafen, mit schwerem Gerät abgesperrt. Die beiden Welten sollten sich auf keinen Fall zu nahe kommen.

Erstellt: 04.12.2014, 22:37 Uhr

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