Die russische Mobilmachung

Russland verlegte in den vergangenen Tagen mehrere Tausend Soldaten an die Grenze zur Ukraine, angeblich für ein Manöver. Im Westen sorgt dies für Nervosität. Barack Obama fordert Moskau nun zum Rückzug auf.

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In den vergangenen Tagen hat die russische Armee im grossen Stil Truppen an die Grenze zur Ukraine verlegt. Dies berichten europäische und amerikanische Sicherheitskreise. Zwar betonte Russlands Verteidigungsminister Sergei Schoigu, die Truppen seien lediglich für ein Frühlingsmanöver verlegt worden. Die Truppenbewegungen sorgen in den USA und in Europa dennoch für Nervosität: Nach der Eingliederung der Krim in die russische Föderation befürchtet man im Westen, Moskau könnte auch in der Ostukraine intervenieren.

US-Präsident Barack Obama hat Russland denn auch zum Rückzug der Soldaten aufgefordert. Im Interview mit dem Fernsehsender CBS sagte er: «Es ist möglich, dass Moskau die Ukraine lediglich einschüchtern will. Aber es kann auch sein, dass Russland weitere Pläne hat.»

Kampfpanzer und Versorgungskette

Es sind vor allem drei Aspekte, die für Verunsicherung sorgen. Erstens fehlen verlässliche Angaben über die Truppengrösse an der Grenze. Aus ukrainischen Kreisen hiess es, 100'000 russische Soldaten seien nun in der Region stationiert. Amerikanische Behördenmitglieder hingegen bezeichnen diese Zahl gegenüber dem «Wall Street Journal» als «massiv zu hoch». Die USA gehen von 20'000 bis 30'000 Soldaten aus. Zusätzlich sollen sich mittlerweile rund 25'000 Soldaten auf der Krim befinden.

Zweitens sorgt die Zusammensetzung der stationierten Einheiten für Diskussionsstoff. Laut Pentagon-Sprecher John Kirby wurden nicht nur Sondereinheiten, Kampf- und Schützenpanzer verlegt, sondern auch eine vollständige Logistik im Grenzraum aufgebaut. Tatsächlich könne es sich dabei um die Versorgungskette eines grossen Manövers handeln, räumt Kirby ein. Dennoch gibt er zu bedenken: Marschiert Russland in der Ostukraine ein, wäre die Logistik für einen solchen Feldzug bereits aufgebaut. «Russland hat nun die Ressourcen, Leistungsstärke und Bereitschaft, sollte es tatsächlich weitere Aggressionen gegen die Ukraine vornehmen.»

Gut getarnte Truppen

Die grössten Sorgen bereitet den westlichen Sicherheitskreisen jedoch die Tatsache, dass Russland offenbar viel daran setzt, die fraglichen Einheiten möglichst vor den westlichen Blicken zu verbergen. Die US-Geheimdienste tun sich offenbar schwer, Details über die stationierten Truppen zu erfahren. Weder Aufklärung über Bildmaterial noch Informanten in der Region hätten bisher genauere Informationen geliefert, so ein US-Beamter gegenüber dem «Wall Street Journal». Soldaten wie Material befinden sich offenbar in gut getarnten Positionen.

Fürs Erste werde man die Situation weiter im Auge behalten, sagt Shawn Turner vom Büro des Direktors der nationalen Nachrichtendienste in den USA. «Fürs Erste hat bei uns Priorität, die Entscheidungsträger mit regelmässigen Updates zu den Vorgängen an der Grenze zu versorgen.»

Guldimann: Abspaltung nicht erwartet

Der OSZE-Sondergesandte Tim Guldimann ist derweil überzeugt, dass eine Abspaltung der Ostukraine nach dem Beispiel der Krim vorerst nicht zu erwarten ist. Dies sagte der Schweizer Botschafter im Deutschlandradio Kultur. Politiker und Behörden vor Ort – welcher politischen Richtung auch immer – sähen ihre Zukunft im ukrainischen Staat und organisierten zurzeit die Präsidentenwahl am 25. Mai, sagte Guldimann. Überdies könne eine Konfrontation in der Ukraine auch nicht im Interesse Russlands liegen.

Guldimann warnte vor zu viel Einmischung von aussen: Die Bevölkerung müsse entscheiden können, «was gut ist für die Ukraine und was nicht».

Im Osten der Ukraine gibt es seit Wochen Proteste prorussischer Demonstranten, die einen Beitritt der Region zur Russischen Föderation fordern. Am Samstag war ein OSZE-Vorausteam mit 40 Experten dorthin gereist; es soll auf 100 Fachleute aufgestockt werden.

Mit Material von sda. (kpn)

Erstellt: 28.03.2014, 16:11 Uhr

Position russischer Truppen

In diesen vier Grenzregionen verstärkte Russland in den vergangenen Tagen laut «Kyiv Post» das Truppenaufgebot.

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