Dieser Erfolg verpflichtet

Das erste globale Klimaabkommen ist historisch – und kann die Welt verändern. Aber es ist an eine Bedingung geknüpft.

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Die Klimakonferenz in Paris mag für die einen ein historischer Erfolg sein, für andere ein Wendepunkt in der internationalen Klimapolitik. Beide haben wohl Recht.

Historisch ist, dass die gesamte Staatengemeinschaft, Industrie- und Entwicklungsstaaten in Zukunft gemeinsam gegen den globalen Klimawandel kämpfen wollen. Selbst die Erdöl produzierenden Staaten konnten nach hartem Widerstand für den kompliziertesten Uno-Umweltvertrag gewonnen werden.

Das neue Klimaabkommen bietet die Basis und eine grosse Chance, in der internationalen Klimapolitik einen grossen Schritt weiterzukommen. Die Staatengemeinschaft hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Die Klimaerwärmung soll auf 2 Grad begrenzt werden, sogar das 1,5-Grad-Temperaturziel soll anvisiert werden. Der Vertrag ist ein Gesamtpaket, das die Grundlagen und Kraft enthält, dass bis Mitte des Jahrhunderts Kohle, Erdöl und Erdgas nicht mehr zu den verbreiteten Energiequellen gehören. Das Abkommen legt aber auch fest, dass die Industriestaaten nach wie vor den Lead im weltweiten Klimaschutz übernehmen müssen. Damit die Entwicklungsländer ihre Klimaprogramme umsetzen können, müssen Milliarden von Nord nach Süd fliessen. Der Technologie-Transfer soll zudem verbessert werden. Das ist der Preis, den die reiche Welt zahlen muss für den Lebenswandel, der Jahrzehnte lang durch die fossile Energie garantiert war.

China wird seinen Beitrag leisten

Nun ist zwar China der grösste Treibhausgasproduzent. Das Land wird seinen Beitrag leisten, weil die Umweltverschmutzung im Land zu einer grossen Belastung für die Bevölkerung geworden ist. China wird aber genau beobachten, ob die Industriestaaten in den nächsten Jahren einlösen, was sie versprechen.

Wie stark das Klimaabkommen tatsächlich ist, wird sich erst weisen müssen. Es liegt nun an den Staaten, das Gesicht zu wahren und den auf viel Freiwilligkeit basierenden Vertrag umzusetzen. Tatsache ist: Die Energieversorgung und der Verkehr ist nach wie vor fossil. Eine Abkehr lässt sich nur erreichen, wenn ehrgeizige nationale Klimaziele und die Verteuerung von Kohle, Erdöl und Erdgas Alternativen wie Sonne - und Windenergie attraktiv machen.

Es wäre fatal und sinnlos, nach wie vor etwa in neue Kohlenkraftwerke zu investieren, wenn die Wissenschaft vorrechnet, dass keine neue fossile Infrastruktur mehr entstehen darf, um das im Vertrag festgeschriebene Temperaturziel zu erreichen. Und schliesslich hat die Staatengemeinschaft nun verankert, dass die Wissenschaft für die notwendigen Klimamassnahmen massgebend ist. Das heisst, dass die Industriestaaten ihre Klimaziele in den nächsten Jahren massiv nachbessern müssen.

Jetzt kommen die Investitionen

Der erste Klimavertrag von Kyoto 1997 hat - obwohl er schwach war - den Fortschritt für alternative Energiesysteme vorangetrieben. Er hat das Bewusstsein für die Zerstörung der Wälder und Böden erweitert. Trotzdem waren Erfolge nur im kleinen Massstab zu verbuchen.

Die in Paris vorgelegten nationalen Klimaprogramme - auch wenn sie noch bei weitem nicht genügen - werden nun eine riesige Investitionswelle auslösen. Vorausgesetzt die Klimaziele werden umgesetzt. Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, zumal marktfähige Technologien vorhanden sind und die Wirtschaft in Paris eindeutig Signal gegeben hat, ins nachhaltige Business gross einzusteigen. Die Frage wird sein, wie schnell das postfossile Zeitalter eingeläutet wird.

Für Exportländer wie die Schweiz ist das eine grosse Chance. Nur müssen dafür im Inland die politischen Weichen gestellt werden. Ambitionierte inländische Ziele fördern nicht nur die Innovation und regen die Wissenschaft an, sondern machen uns überdies auch weniger abhängig von ausländischer Energie. Eine Beschleunigung der Energiewende kann nur hilfreich sein.

Allein die Technologie wird es aber nicht richten. Wir werden uns wohl auch über das eine oder andere Verhalten Gedanken machen müssen. Ohne dabei die Lebensqualität zu verlieren.

Erstellt: 12.12.2015, 21:16 Uhr

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