Ehemaliger Brexit-Minister fällt im zweiten Wahlgang raus

Dominic Raab ist nicht mehr im Rennen um die Nachfolge von Premierministerin May – Boris Johnson führt souverän.

Der ehemalige Brexit-Minister Dominic Raab hat im zweiten Wahlgang um die Nachfolge von Theresa May nicht genügend Stimmen erhalten. Foto: Leon Neal/Getty Images

Der ehemalige Brexit-Minister Dominic Raab hat im zweiten Wahlgang um die Nachfolge von Theresa May nicht genügend Stimmen erhalten. Foto: Leon Neal/Getty Images

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Im Rennen um das Amt des konservativen Parteichefs und künftigen Premierministers hat der britische Ex-Aussenminister Boris Johnson einen weiteren Erfolg errungen. Johnson erhielt am Dienstag 126 der 313 Stimmen aus der Tory-Fraktion.

Johnson zieht damit als haushoher Favorit in die nächste Wahlrunde am Mittwoch. Ebenfalls eine Runde weiter sind Aussenminister Jeremy Hunt, Umweltminister Michael Gove, Innenminister Sajid Javid sowie Überraschungskandidat Rory Stewart. Ex-Brexit-Minister Dominic Raab verfehlte dagegen die Hürde von 33 Stimmen.

Johnson gilt als kaum noch zu schlagen. Gefährlich werden könnte ihm Spekulationen zufolge allenfalls noch Stewart, der sich als Stimme der Vernunft und Kandidat der Mitte positioniert hat.

Bis Donnerstag soll die Zahl der Bewerber in weiteren Wahlrunden, bei denen jeweils der Letztplatzierte rausfliegt, von der Fraktion auf zwei reduziert werden. Wer von den beiden Parteichef und damit Premierminister wird, sollen dann die rund 160'000 konservativen Parteimitglieder entscheiden.

Umfragen zufolge ist Johnson auch an der Basis unangefochtener Spitzenreiter. Viele trauen ihm zu, enttäuschte Brexit-Wähler, die sich von den Tories abgewendet haben, zurückzugewinnen. Bis zur Woche vom 22. Juli soll feststehen, wer neuer Regierungschef in Grossbritannien wird.


Das sind die fünf verbleibenden Kandidaten:

BORIS JOHNSON Der Ex-Aussenminister hat angekündigt, sein Land am 31. Oktober aus der EU zu führen - ob mit oder ohne Deal. Allerdings hat auch der als Brexit-Hardliner geltende Johnson zuletzt mildere Töne angeschlagen und einen «No Deal»-Brexit als «letzten Ausweg» bezeichnet, den «niemand sich wünscht». Der frühere Bürgermeister von London war schon vor dem Referendum im Jahr 2016 einer der Wortführer der Brexit-Kampagne. Johnson ist unkonventionell, oft polternd - und verfügt über Charisma. In den eigenen Reihen polarisiert der prominenteste innerparteiliche Kritiker von Theresa Mays Brexit-Kurs allerdings. Beliebt ist er vor allem bei der konservativen Basis. Bei der ersten Abstimmungsrunde setzte Johnson sich an die Spitze - auf ihn entfielen 114 der 313 möglichen Stimmen. Im zweiten Wahlgang ergatterte er noch zwölf Stimmen mehr – er kommt nun auf 126.

JEREMY HUNT Mit grossem Abstand hinter Johnson folgt an Platz 2 der aktuelle Aussenminister Jeremy Hunt, der es auf 46 Stimmen brachte – ganze drei mehr als im ersten Wahlgang. Hunt war eigentlich für einen Verbleib Grossbritanniens in der EU. Allerdings kritisierte der 52-Jährige das Auftreten Brüssels in den Verhandlungen später als «arrogant». Der Einfluss Hunts im Kabinett ist nach und nach gewachsen. Einen Ausstieg aus der EU ohne Abkommen hat Hunt als «politischen Selbstmord» bezeichnet.

MICHAEL GOVE Der 51-jährige Umweltminister gehört zu den leidenschaftlichsten Euroskeptikern. Bereits in den Wirren nach dem Brexit-Referendum im Jahr 2016 wollte Gove an die Parteispitze, schaffte es damals in der Abstimmung innerhalb der Fraktion aber nicht in die Endrunde. Gove hat angedeutet, lieber eine weitere Verschiebung des Brexit in Kauf zu nehmen, als die EU am 31. Oktober ohne Abkommen zu verlassen. Gove galt neben Johnson als aussichtsreichster Kandidat, bevor er vor einigen Tagen öffentlich zugab, als junger Mann gekokst zu haben. Er kam in der ersten Wahlrunde mit 37 Stimmen auf den dritten Platz und konnte im zweiten Durchgang vier Voten dazugewinnen – 41.

RORY STEWART Der 46-jährige Entwicklungsminister Stewart hält einen Brexit ohne Deal für gefährlich. Er ging als Aussenseiter ins Rennen um Mays Nachfolge. Mit 19 Stimmen qualifizierte er sich nur knapp für den zweiten Wahlgang. Dort konnte er aber viel Boden gutmachen – mit 37 Stimmen schaffte er es in die nächste Wahlrunde.

SAJID JAVID Der frühere Investmentbanker und Sohn eines pakistanischen Busfahrers gilt als das Gesicht des modernen, multikulturellen Grossbritanniens. Der 49-jährige Innenminister gehört dem wirtschaftsliberalen Flügel der Konservativen an. 2016 stimmte er für einen Verbleib seines Landes in der EU. Seit dem Ausgang des Referendums hat er sich aber zu einem Fürsprecher des EU-Ausstiegs entwickelt. Auch er bevorzugt einen Deal mit der EU - allerdings nur, wenn dieser vor dem 31. Oktober zustande kommt. Zu diesem Termin soll das Königreich aus Javids Sicht die EU in jedem Fall verlassen. Zu Javids einflussreichsten Unterstützerinnen gehört die Vorsitzende der schottischen Konservativen Ruth Davidson. Im ersten Wahlgang erhielt er 23 Stimmen. Am Dienstag holte er dann zehn Stimmen mehr, insgesamt also 33 und somit genau die geforderte Anzahl, um im Rennen zu bleiben.

Am Dienstag ausgeschieden:

DOMINIC RAAB Der 45-Jährige folgte im vergangenen Juli als Brexit-Minister auf David Davis, der seinen Posten räumte, weil er die Linie von May gegenüber Brüssel als zu weich empfand. Doch auch Raab hielt es nicht lange auf dem Posten. Der frühere Anwalt für internationales Recht trat im November zurück und bezeichnete das Brexit-Abkommen als «schlecht für unsere Wirtschaft und unsere Demokratie». Raab hält es für möglich, einen besseren Deal mit der EU auszuhandeln als jenen, den May unterzeichnet hat. Auch er wäre aber bereit, der EU am 31. Oktober notfalls ohne Austrittsabkommen den Rücken zu kehren. Seine Partei hat das offenbar aber nicht überzeugt. Bei der ersten Abstimmung kam Raab auf 27 Stimmen, bei der zweiten auf 30. Für den dritten Wahlgang waren 33 Stimmen notwendig, womit Raab aus dem Rennen ausscheidet. (anf/sda)

Erstellt: 18.06.2019, 19:23 Uhr

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